17.06.2021

Serie zum Coronavirus

«Die Frau weinte vor Glück»

Folge 179: Daniel Rohr, Schauspieler und Direktor vom Theater Rigiblick, hat die Pandemie überwunden. Er macht Open-Air-Theater.
Serie zum Coronavirus: «Die Frau weinte vor Glück»
Freut sich über die wieder erwachte Lebensfreude: Theaterleiter und Schauspieler Daniel Rohr. (Bild: zVg.)

Herr Rohr, nach vielen Monaten können Sie endlich wieder Theater spielen. Wie ist Ihre Befindlichkeit und diejenige Ihres Teams?
Wir sind unendlich glücklich, dass wir wieder spielen dürfen. Nach den ersten zaghaften Schritten vor 50 und dann vor 100 Leuten spielen wir jetzt im Open Air mit Abständen vor 250 Zuschauerinnen und Zuschauern. Gestern war mit «Tribute to Queen» die erste Vorstellung; es war überwältigend. 

Hat man in dieser Zeit das Theaterspielen ein bisschen verlernt? Sind die Stücke noch präsent?
Für mich persönlich ist es schon eine Herausforderung. Ich habe jetzt ein Jahr lang Regie geführt, um möglichst vielen Künstlerinnen und Künstlern eine Arbeit geben zu können. Nun stehe ich wieder selber auf der Bühne und spiele fast jeden Abend eine andere Show. Die Texte aus der Versenkung zu holen, ist eine grosse Fleissarbeit.

Das Thater Rigiblick macht nun Open-Air-Vorstellungen, das heisst, Sie spielen draussen. Ist dies für einen Schauspieler ein grosser Unterschied zur geschlossenen Bühne?
Beides hat Vorteile. Das Publikum fühlt sich aktuell draussen sicherer. Aber für die Künstlerinnen uns Künstler ist das Fokussieren auf Text und Spiel draussen schwieriger, weil die Ablenkung grösser ist. Die Kulisse daraussen wiederum ist einfach schlicht gewaltig.

Welche Stücke führen Sie auf?
Wir haben das Glück, dass wir viele Abende im Rigiblick-Repertoire haben, die wir schon länger spielen und die wir auch draussen aufführen können. Die «Tribute»-Reihe eignet sich für Open Air hervorragend: «Tribute to Woodstock», «Tribute to John Lennon», «Tribute to Monty Python», «Tribute to the greatest Soul Divas» und viele mehr. Aber auch die wunderschöne irische Liebesgeschichte «Der Lachs der Weisheit» am 22. Juni hat draussen einen unglaublichen Zauber.

Wie reagiert das Publikum auf die Vorstellungen? Ist es noch ein bisschen verhalten?
Die Leute bedanken sich, dass wir wieder spielen. Sie drücken aus, wie sehr ihnen das Theater gefehlt hat und wie glücklich sie sind, dass sie wieder in Vorstellungen gehen dürfen. Entsprechend lebendig ist es auch während der Show. Es ist für uns eine sehr schöne Erfahrung. 

Ihr Theater zeichnet sich dadurch aus, dass praktisch alle Vorstellungen ausverkauft sind. Haben die Leute überhaupt noch die Möglichkeit, an Tickets zu kommen?
Die Vorstellungen füllen sich gut. Aber es hat noch Tickets.

Sie selber sind als Schauspieler auf vielen Ihrer Stücke zu sehen. Wie bringt man dies mit dem Theaterdirektor und Regisseur unter einen Hut?
Ich habe ein wunderbares Team, das mich sehr stützt. Wenn ich am Abend auf der Bühne stehe, kann ich mich hundertprozentig darauf verlassen, dass alles gut läuft. Entsprechend ruhig kann ich dann am Morgen als Theaterleiter im Büro sitzen. 

Ihre Partnerin Hanna Scheuring führt das bekannte Bernhard Theater in Zürich. Besteht zuhause eine kreative Rivalität?
Hanna und ich arbeiten sehr gerne zusammen. Ich habe in der Pandemie-Zeit ein Stück bei ihr im Bernhard Theater inszeniert, das Franz Hohler eigentlich uns im Rigiblick angeboten hat. Weil bei Hanna Produktionen ausgefallen sind, haben wir das Stück kurzerhand bei ihr gemacht. Hanna stand auf der Bühne. Umgekehrt führt sie Regie, und ich stehe auf der Bühne, wenn wir im zweiten Teil des Open Air Festivals Ende August mit «Let it be» herauskommen.

Was war für Sie das prägendste Erlebnis der letzten Wochen?
Vor zwei Wochen kam eine Frau aus der Vorstellung «Die Comedian Harmonists». Bei der Kasse stützte sie sich auf und weinte. Eine Mitarbeiterin fragte sie, ob sie ihr helfen könne. Die Frau verneinte und sagte, sie weine vor Glück. 



Was bedeutet die Corona-Pandemie für die verschiedenen Akteure der Schweizer Medien- und Kommunikationsbranche? Bis auf Weiteres wird persoenlich.com regelmässig eine betroffene Person zu Wort kommen lassen. Die ganze Serie finden Sie hier.



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