13.08.2020

Serie zum Coronavirus

«Die Kleintheaterszene geht total vergessen»

Seit 14 Jahren führt Peter Denlo das Gastrotheater DinnerKrimis auf. Nach einer Pause wegen Corona sind Ende August erste Vorstellungen geplant. Im Interview spricht der Schauspieler über die Schwierigkeiten eines Geschäfts, das «weder Fisch noch Vogel» ist.
Serie zum Coronavirus: «Die Kleintheaterszene geht total vergessen»
«Die verschiedenen Regeln der Kantone, die sich jederzeit ändern können, machen uns sehr zu schaffen»: Peter Denlo ist Geschäftsführer der Denlo Productions GmbH. (Bild: Denlo Productions))
von Matthias Ackeret

Herr Denlo, Sie sind der Motor der DinnerKrimi. Wie fest macht Ihnen die aktuelle Situation zu schaffen?
Sie macht mir sehr zu schaffen. Über die letzten Monate gab es verschiedene Levels von Besorgnis. Nun stehen wir in den Startlöchern, um ab dem 23. August wieder Vorstellungen bis 100 Personen durchzuführen. Doch die verschiedenen Regeln der Kantone, die sich jederzeit ändern können, machen uns sehr zu schaffen und bringen Unsicherheit. Eigentlich ist es unmöglich, zu planen und dennoch müssen wir weitermachen.

Wollen die Leute in dieser ungewissen Situation abgelenkt werden?
Laut unserem Vorverkauf schon. Seit Beginn Juni konnten wir glücklicherweise gute Ticketverkäufe verzeichnen. Wir mussten unsere Herbstproduktion «Weisswein Massaker» ein bisschen auf Covid-19 zuschneiden. Doch wir möchten keine Corona-Show bieten, damit unsere Gäste mit Speis, Trank und Mord den Alltag ein wenig vergessen können.

«Es müssten für die verschiedenen Bereiche klare Konzepte geben»

Was müsste sich ändern, dass die Leute wieder Lust haben, ins Theater zu gehen?
Die Schutzmassnahmen bei Veranstaltungen sind nicht klar geregelt. Das sorgt bei allen für Unsicherheit. Zudem gibt es verschiedene Formen von Theater und die bestehenden Regeln sind nur für die klassischen Stadttheater konzipiert. Die Kleintheaterszene geht momentan grad total vergessen. Und wir sind als Gastrotheater, das zwischen den Tischen und nicht auf einer Bühne spielt, sowieso weder Fisch noch Vogel. Es müssten für die verschiedenen Bereiche klare Konzepte geben, die möglichst auch bundesweit gelten sollten. Aber eine Normalisierung wird es wohl erst geben, wenn Corona verschwunden, bzw. wenn eine Impfung da ist.

Wäre Maskenpflicht im Theater eine Möglichkeit?
Ich finde, das ist absolut eine Möglichkeit. Dass die Maskenpflicht für BAG und Bundesrat so lange kein Thema war, ist meiner Meinung nach ein grosser Fehler. Wir sehen in vielen anderen Ländern, dass es funktioniert. Für mich grenzt es an eine störrische Arroganz, wenn sich Leute so schwer tun mit dem Tragen einer Maske.

Mussten Sie in Ihrem Unternehmen bereits Änderungen vornehmen?
Wir haben eine ganze DinnerKrimi Produktion mit über 100 geplanten Vorstellungen aus dem Spielplan gestrichen. Unsere Frühlingsproduktion, die wir vor dem Lockdown nur acht Mal aufführen konnten, haben wir in den Herbst geschoben, was leider auch personelle Folgen hatte. Logischerweise haben wir seit März einen totalen Finanzstopp, um die laufenden Kosten so niedrig wie möglich zu halten.

«Es wird vielleicht auch die Zeit kommen, in der man diese Krise komödiantisch verwerten kann»

Sie beschäftigen sich berufeshalber mit den Abgründen unseres Lebens. Haben sich die Menschen aufgrund von Corona stark verändert?
Das finde ich noch früh zu sagen. Wir stecken ja noch mitten in diesem Änderungsprozess drin. Ich bin jedoch sehr gespannt, wie uns diese Zeit verändern wird und was wir aus ihr mitnehmen werden. In vielleicht zwei, drei Jahren wird man das besser erkennen können. Und dann wird vielleicht auch die Zeit kommen, in der man diese Krise komödiantisch verwerten und dabei über den Toilettenpapierhumor hinauswachsen kann.

Sie haben Ihr Schauspielstudium am Lee Strasberg Theatre Institute in Los Angeles absolviert, wo Sie bei Lehrern wie Al Pacino, Shelley Winters oder Anna Strasberg studierten. Was berichten Ihre amerikanischen Freunde aus Hollywood?
In den USA ist das Thema Corona politisch stark instrumentalisiert. Das ist haarsträubend und zeigt eindeutig, wie sehr das Zweiparteiensystem nur noch Schwarz oder Weiss propagiert und dadurch für die Bürger sprichwörtlich tödlich ist. Von vielen Freunden höre und lese ich täglich, dass es ein Albtraum ist. Aber ich beobachte auch Freunde, die über das Thema schweigen und lieber ihre grosse Geburtstagsparty ohne Masken feiern – das ist die berüchtigte «silent majority», von der Trump gerne spricht. Gerade auch, weil mein Mann Christian ein US-Amerikaner ist und seine ganze Familie dort lebt, macht es Angst, was dort passiert. Der November bietet aber Hoffnung.

Wie wird das zweite halbe Jahr?
Wer weiss das schon…?

Wo haben Sie Ihre Ferien verbracht?
Ich war zwei Wochen in Italien. Eine davon habe ich zwar zum Schreiben benutzt. Da ich jedoch im fast leeren Venedig war, fühlte es sich wie Ferien an. Die andere Woche sind mein Mann und ich zwischen dem Piemont und der Emilia Romagna umhergereist. Gutes Essen, guter Wein, freundliche Menschen und akzeptierte Maskenpflicht.

Was war für Sie das prägendste Erlebnis der letzten Wochen?
Auf unserer Terrasse Tomaten, Zucchetti, Pepperoni und Erdebeeren zu ernten. Corona-Shit hin oder her, da strahle ich über beide Ohren!


Was bedeutet die Corona-Pandemie für die verschiedenen Akteure der Schweizer Medien- und Kommunikationsbranche? Bis auf Weiteres wird persoenlich.com jeden Tag eine betroffene Person zu Wort kommen lassen. Die ganze Serie finden Sie hier.



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