31.08.2020

Serie zum Coronavirus

«Diskussionen im Regierungsrat sind intensiv»

Folge 110 unserer Serie: Die Zürcher Regierungsrätin Natalie Rickli über die Maskenpflicht in den Zürcher Läden und die Möglichkeit eines weiteren Lockdowns.
Serie zum Coronavirus: «Diskussionen im Regierungsrat sind intensiv»
Natalie Rickli, Vorsteherin der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich, informiert an einer Medienkonferenz über das weitere Vorgehen bei der Covid-19-Pandemie. (Bild: Keystone-SDA/Ennio Leanza)
von Matthias Ackeret

Frau Rickli, seit vergangener Woche gilt Maskenpflicht auch in den Zürcher Läden. Brauchte es viel Überzeugungsarbeit in der Regierung, dass Sie dies durchsetzen konnten?
Natürlich sind die Diskussionen zu Corona auch im Regierungsrat intensiv. Angesichts der steigenden Fallzahlen und dem Risiko zum Risikogebiet zu werden, hat der Regierungsrat nun verschiedene Massnahmen getroffen. Diese sind vorerst bis Ende September befristet. Wir werden sie evaluieren und nötigenfalls anpassen. Nichtstun war keine Option.

Was erhoffen Sie sich von dieser Massnahme konkret?
Die Absicht ist, die Anzahl der Neuansteckungen zu stabilisieren und mittelfristig wieder zu senken. Die Maske hilft, Ansteckungen durch Tröpfcheninfektionen zu vermeiden. Letztlich gilt es möglichst präventive und niederschwellige Massnahmen zu treffen, damit die Läden weiter offen haben können.

Wie waren die Reaktionen aus der Bevölkerung auf diesen Entscheid?
Wie immer gibt es positive und negative Reaktionen. Den einen gehen die Massnahmen zu wenig weit, die anderen protestieren dagegen, allerdings vor allem in den sozialen Medien und per Mail. Im Leben «draussen» sind die Reaktionen positiv und mich hat es sehr gefreut, wie gut sich die Leute an die Maskenpflicht in den Läden gehalten haben. Verschiedene Personen haben mich angesprochen und danke gesagt; sie hätten sich vorher nicht getraut eine Maske anzuziehen, weil sie komisch angeschaut wurden. Ein positiver Effekt der neuen Regel scheint auch zu sein, dass die Leute die Maske freiwillig mehr anziehen, wenn es ihnen zu eng wird.

Wie überprüfen Sie, ob Ihre Massnahmen überhaupt befolgt werden?
Der Kanton Zürich setzt bei den zum Schutz der Bevölkerung gegen die Covid-19-Pandemie getroffenen Massnahmen auf einen starken Vollzug. Seit dem Ende der ausserordentlichen Lage (per 19. Juni 2020) haben die mit dem Vollzug beauftragten Stellen im Kanton Zürich bis heute bereits 1098 Schutzkonzepte von Betrieben, Anlagen und Veranstaltungen überprüft. Dabei kam es zu 162 Bemängelungen. Allein in den letzten sieben Tagen wurden 252 Schutzkonzepte und deren Umsetzung kontrolliert (40 Mängelfeststellungen). Grundsätzlich halten sich die Leute und die Betriebe gut an die Regeln.

Viele Menschen treibt die Angst um, dass es nochmals zu einem Lockdown kommt?.
Deshalb ist es wichtig, vorausschauend zu handeln und Entscheide, wie diejenigen diese Woche, frühzeitig zu fällen. Damit schützen wir die Bevölkerung und auch die Wirtschaft, denn wir wollen einen zweiten Lockdown unbedingt verhindern. Darum ist die Eigenverantwortung von uns allen so wichtig. Die Personen, die sich mit dem Coronavirus anstecken und ihre Kontaktpersonen sind für 10 Tage in der Isolation bzw. Qurantäne, um die Infektionsketten zu unterbrechen. Das heisst, dass diese Personen am Arbeitsplatz fehlen. Bei Home-Office-Möglichkeiten ist das weniger ein Problem als bei kleinen Betrieben wie einem Café oder einem Handwerksbetrieb, der vorübergehend schliessen muss.

Haben Sie in diesen unruhigen Zeiten überhaupt Ferien gemacht und wenn ja, wo?
Ich war wandern, was sehr gutgetan hat. Aber natürlich hat das Coronavirus auch in den Ferien nicht pausiert.

Sie waren früher lange Zeit bei Goldbach im Mediengeschäft tätig. Vermissen Sie die Zeit manchmal?
Ich bin dankbar für alles, was ich vor meiner Zeit als Regierungsrätin machen durfte. Und jetzt mache ich die Arbeit als Gesundheitsdirektorin sehr gerne. Ich habe aktuell aber auch keine Zeit, etwas zu vermissen.

Und zum Schluss etwas Positives: Was war für Sie das Erfreulichste der letzten Wochen?
Dass wir ein hervorragendes Gesundheitssystem haben im Kanton Zürich, von den Apotheken, über die Spitex, die Heime, die Arztpraxen bis zu den Spitälern. Und dass ich auf viele engagierte Mitarbeiter, die seit sieben Monaten viele Überstunden machen, zählen kann.



Was bedeutet die Corona-Pandemie für die verschiedenen Akteure der Schweizer Medien- und Kommunikationsbranche? Bis auf Weiteres wird persoenlich.com jeden Tag eine betroffene Person zu Wort kommen lassen. Die ganze Serie finden Sie hier.

 



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