06.12.2018

ZHAW

«Doppeladler» ist das Wort des Jahres

Die Geste von Granit Xhaka und Sherdan Shaqiri hat sich gegen «Rahmenabkommen» und «079» durchsetzen können. Erstmals ist das Wort des Jahres auch in Italienisch gewählt worden, 2019 kommt Rätoromanisch dazu.
ZHAW: «Doppeladler» ist das Wort des Jahres
Diese Doppeladler-Geste – hier von Granit Xhaka – sorgte für Diskussionen. (Bild: Keystone/Laurant Gillieron)

Wort des Jahres in der Deutschschweiz ist «Doppeladler» und «gesto dell'aquila» (Geste des Doppeladlers) in der italienischen Schweiz. In beiden Landesteilen hat die Geste zweier Fussballer den Nerv der Gesellschaft getroffen.

Ende Juni hat die Schweizer Nationalmannschaft die serbische Mannschaft an der Fussball-WM in Russland besiegt – jubelnd formten die Spieler Granit Xhaka und Sherdan Shaqiri mit ihren Händen den Doppeladler, der auf der Flagge Albaniens abgebildet ist. Diese Geste löste augenblicklich Diskussionen aus, die weit über den Fussball hinausreichen: Polarisierung und Ausgrenzung, Nationalismus und die Loyalität von Doppelbürgern (persoenlich.com berichtete).

«Der Doppeladler hat 2018 weite Kreise gezogen und ist im Alltag der Schweiz gelandet; die Debatten darum werden uns noch lange beschäftigen», heisst es in einer Mitteilung der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) vom Donnerstag zum Wort des Jahres. Zur Wahl nutzten Forschende der ZHAW die grösste Textdatenbank der Schweiz und das Sprachgefühl einer zehnköpfigen Fachjury.

«Rahmenabkommen» und «079»

In der Deutschschweiz auf den zweiten Platz kam «Rahmenabkommen». Darin enthalten ist das schwierige Verhältnis der Schweiz zur EU. Konkret geht es darum, dass die EU von der Schweiz ein institutionelles Rahmenabkommen verlangt, mit dem die Schweiz Neuerungen im EU-Recht übernimmt, ohne dass immer wieder nachverhandelt werden muss. «Das Rahmenabkommen beschreibt einen langfristig bedeutsamen politischen Prozess, der aber für viele nicht begreifbar ist - und damit den Rahmen der Vorstellung sprengt», begründet die ZHAW in ihrer Mitteilung.

«079» belegt den dritten Platz zum Wort des Jahres. Damit ist das Lied von Lo & Leduc gemeint, das von einem Mann erzählt, der jahrelang alle 079-Nummern durchtelefoniert, um seine Liebe zu finden, die ihm ihre Nummer nicht verraten will. Als er schliesslich ihre Stimme hört, überfährt ihn das Tram. Ist das eine tragische Liebesgeschichte oder Stalking und Sexismus? Um diese Frage, drehten sich die Diskussionen, die das Lied ausgelöst hat. Damit schloss die Debatte an #metoo an, das im Vorjahr Wort des Jahres gewesen war.

Das Schweizer Wort des Jahres wird seit 2003 ermittelt. 2017 übernahm das Departement für angewandte Linguistik der ZHAW die Verantwortung. Seither soll die Wahl alle Sprachregionen der Schweiz abdecken. Deshalb wurde 2017 erstmals auch das Wort der Jahres für die Romandie ermittelt; dieses Jahr kam erstmals das Italienische hinzu und 2019 soll Rätoromanisch folgen.

«Psychische Belastung» bei den Romands

Die mots romands de l'année sind «charge mentale» (psychische Belastung) auf dem ersten Platz, gefolgt von «sécheresse» (Dürre) und «infox» (Falschnachrichten). Wenn die Worte des Jahres spiegeln, worüber die Gesellschaft nachdenkt, dann zeigt sich an dieser Wahl, dass offenbar die Deutschschweizer und die Romands von unterschiedlichen Phänomenen bewegt werden.

Zumindest der «Doppeladler» und «gesto dell'aquila» auf den ersten Plätzen in der Deutschschweiz und im Tessin legen nahe, dass 2018 die Menschen in diesen beiden Sprachregionen mehr Gemeinsamkeiten aufweisen in den gesellschaftlichen Diskussionen. Parole svizzere dell'anno sind weiter «notte tropicale» (tropische Nacht) und «criptovalute» (Kryptowerte). (sda/cbe)

 



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