04.12.2025

TV-Abschied

Gottschalks grosses Show-Finale

Es soll eine unterhaltsame Samstagabendshow werden und zugleich der Schlusspunkt einer einzigartigen TV-Karriere: Der krebskranke Thomas Gottschalk verabschiedet sich bei RTL von der grossen Bühne.
TV-Abschied: Gottschalks grosses Show-Finale
Thomas Gottschalk, hier nach der Preisverleihung bei der Romy-Gala am 28. November in Kitzbühel, zieht sich vom Showbusiness zurück. (Bild: Keytstone/APA/Barbara Gindl)

Dass Thomas Gottschalk in TV-Rente gehen würde, war schon länger bekannt. Kurz vor seinem 75. Geburtstag im Mai sagte er, der Zeitpunkt sei gekommen, «wo man sagen sollte, man nimmt sich selber raus» (persoenlich.com berichtete). Am Samstag ist es nun so weit. Noch einmal ins Rampenlicht. Mit der RTL-Show «Denn sie wissen nicht, was passiert» verabschiedet sich Gottschalk. Ein Auftritt im Schatten seiner Krebserkrankung.

«35 Jahre lang den Samstagabend betreut»

Bis vor wenigen Tagen hatte der Entertainer seine Erkrankung geheim gehalten, auch dann noch, als er bei öffentlichen Auftritten bereits angeschlagen und unkonzentriert wirkte, sich verhaspelte und Häme einstecken musste. Momente der Schwäche wie bei der Bambi-Gala in München kannte das Publikum von dem Entertainment-Profi nicht.

«Ich habe 35 Jahre lang den Samstagabend betreut und im Griff gehabt», bilanzierte Gottschalk im Mai. So war das, so kannte ihn das Publikum. Auftritte jetzt abzusagen, sei für ihn nicht infrage gekommen, sagte Gottschalk der Bild. Er habe seine Verträge erfüllen wollen. Inzwischen sei ihm aber klar geworden: «Ich kann nicht mehr auftreten. Ich muss gesund werden.»

Schauspieler Christoph Maria Herbst sagte dazu, Gottschalk wolle eben für sein Publikum da sein, das sei ganz alte Schule, davor ziehe er den Hut. «Er ist halt ein altes Zirkuspferd.»

Dank ans Publikum

Dass ihm die Zuschauerinnen und Zuschauer am Herzen liegen, unterstrich Gottschalk bei der Verleihung der Romy für sein Lebenswerk vergangenen Freitag in Kitzbühel: «Man glaubt immer, dass mit zunehmendem Alter die Dankbarkeit geringer wird, was solche Preise betrifft», sagte er. «Aber man weiss, dass hinter all diesen Preisen das liegt, was einem am meisten bedeutet hat – nämlich das Publikum. Und ich habe dem Publikum dafür zu danken, dass es mir so lange die Treue gehalten hat.»

Dem einstigen Liebling der Fernsehnation gelang es zuletzt aber nicht mehr so leicht wie früher, die Herzen zu erobern. Gottschalk eckte mit Aussagen an. Sei es in seinem inzwischen beendeten «Supernasen»-Podcast mit Mike Krüger oder in Interviews. Der Moderator wiederum fühlte sich zuletzt oft unverstanden, er beklagte sich auch öffentlich darüber.

Die Flapsigkeit, die einst als seine grosse Stärke galt, wurde ihm ein Stück weit zum Verhängnis. Bei der Romy-Verleihung sagte Gottschalk nun einmal mehr, er habe sich in seiner Karriere eben oft nicht richtig überlegt, was er gesagt habe.

Entertainer alter Schule

Rund 50 Jahre im Showgeschäft liegen hinter ihm. Auch wenn er immer seine Liebe zum Radio betonte, so war es das Fernsehen, das Gottschalk in die A-Liga der Showmaster katapultierte. Im Bayerischen Rundfunk liess er sein Moderatoren-Talent sowie sein Gespür für Situationskomik und schnellen Witz aufblitzen. Mit «Wetten, dass..?» im ZDF schaffte er es, Millionen Menschen vor den Fernsehgeräten zu versammeln – und wurde zur Fernsehikone.

Allerdings war längst nicht jede Show, die er moderierte, ein Quotenschlager. Mit seiner Late-Night-Show bei RTL setzte er Mitte der 1990er-Jahre noch Massstäbe, Formate wie «Gottschalks Hausparty» bei Sat.1 oder der Vorabend-Talk im Ersten sind dagegen inzwischen weitgehend in Vergessenheit geraten. Mit seinem Kumpel Günther Jauch und Moderatorin Barbara Schöneberger blödelte er sich mit der Show «Denn sie wissen nicht, was passiert» in den vergangenen Jahren durch den Samstagabend bei RTL.

Ein «Wetten, dass..?»-Revival im Jahr 2021 versetzte dann die TV-Nation kurzzeitig geradezu in einen Rausch. Fast 14,5 Millionen Menschen tauchten für einen Abend ein in die Ära des «TV-Lagerfeuers der Nation», eine Zeit, in der Gottschalk mit seiner Art das Fernsehen aufmischte, als modern und frech galt – und die ihn heute zum letzten grossen Entertainer alter Schule macht. (sda/dpa/cbe)

Von Ute Wessels (DPA)


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