28.03.2024

Karikatur des Jahres

Kirchenspitze wird zur Spitze des Eisbergs

Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche hat die Schweiz offensichtlich bewegt – mit ihrer pointierten Zeichnung zu diesem Thema gewinnt Caro Rutz den Publikumspreis der Ausstellung «Gezeichnet 2023».

Das letzte Jahr war an Herausforderungen nicht sparsam besetzt. Entsprechend gross war die Auswahl für die Karikatur des Jahres. Doch ein Thema hat besonders bewegt – sicher auch, weil «Caro» alias Caroline Rutz es für Le Matin Dimanche besonders gelungen ins Bild gesetzt hat: Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche. Mit ihrer Zeichnung «Die Spitze des Eisbergs» gewinnt Caro am meisten Stimmen und damit die Auszeichnung zur Karikatur des Jahres, wie es in einer Mitteilung heisst. Auf dem Bild sitzen Kinder auf kleinen Inseln im Wasser – die Inseln stellen sich bei genauer Betrachtung als Geschlechtsteile von Priestern unter der Wasseroberfläche heraus.

«Eine verdiente Siegerin», konstatiert Marco Ratschiller, selber Zeichner und einer der Mitorganisatoren der Ausstellung. «Denn das Werk verdeutlich sehr gut die Stärken der Pressezeichnung.» Mit Humor werden wir an ein Thema herangeführt, einfach verständlich und mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Doch beim genauen Hinsehen ändert sich die Gefühlslage schnell, das Lächeln bleibt im Hals stecken. Denn die verdichtete Realität, die darin steckt, ist eben oft alles andere als lustig. Und schon stecken wir mittendrin in einer Geschichte.


Auf den zweiten Platz hievt das Publikum eine erstaunlich politische Zeichnung: «Das Volksprisma» von Ruedi Widmer. Er stellt sich für die WOZ vor, wie das Prisma der Schweizerischen Volkspartei den Blick von Gewinnmaximierern und Steuerhinterziehern ablenkt, direkt auf Gender-Hysterie und Woke-Wahn.


Auf dem dritten Platz gibt es mit dem Gesundheitswesen einen alten Bekannten. Tom «Tomz» Künzli kombiniert für doc.be die Kostensteigerung im Gesundheitswesen humorvoll mit den Rabattpunktesystemen der Grossverteiler. Wer im Grossen verliert, darf wenigstens im Kleinen gewinnen.


Die Pressezeichnung, «das ist die Kunst, Humor und Ernst der Lage ideal auszubalancieren», heisst es in der Mitteilung weiter. Das Museum für Kommunikation und der Verein Gezeichnet zeigen einmal jährlich die besten Schweizer Pressezeichnungen in einer Ausstellung. Dabei wählt das Publikum jeweils die Karikatur des Jahres. Die Ausstellung wurde 2008 ins Leben gerufen und gastiert jeweils zwischen Dezember und Februar im Museum für Kommunikation in Bern. Die nächste Ausgabe findet vom 13. Dezember 2024 bis zum 23. Februar 2025 statt. (pd/cbe)



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