14.10.2020

Serie zum Coronavirus

«Klar hatte ich Angst»

Der in Zürich lebende Berner Fotograf Jürg Streun ist an Corona erkrankt. In der Folge 128 unserer Serie berichtet er über die Grenzerfahrung.
Serie zum Coronavirus: «Klar hatte ich Angst»
«Es ist mir ein Rätsel, dass ich plötzlich ein Covid-19-Patient bin», sagt der Fotograf Jürg Streun. (Bild: zVg.)
von Matthias Ackeret

Herr Streun, wann haben Sie erstmals realisiert, dass Sie Corona haben?
Nach dem Testergebnis am 10. Oktober 2020, um 11 Uhr morgens. Das war ein Riesenschock. Ich musste sofort in den Notfall ins Stadtspital Triemli.

Wie war die Diagnose im Triemli?
Covid-19 – mit Pneumonie, bakterieller Superinfektion, zu hohem Blutdruck und starken Kopfschmerzen.

Waren Sie im Spitalzimmer völlig abgeschirmt?
Nein, ich war in einem Doppelzimmer mit einem anderen Corona-Patienten. Dieser war 40 Jahre alt und es ging ihm verdammt schlecht. Dauernd musste ihm Sauerstoff zugefügt werden. Zudem wurde er mit Remdesivir behandelt.

Hatten Sie Angst?
Klar hatte ich Angst.

Wissen Sie, wie Sie sich angesteckt haben?
Nein, keine Ahnung. Ich war in den letzten Wochen sehr vorsichtig und schützte mich auch. Es ist mir ein Rätsel, dass ich plötzlich ein Covid-19-Patient bin.

Sie haben über Ihren Spitalaufenthalt auf Facebook geschrieben. Wie waren die Reaktionen?
Sehr, sehr positiv, um diesen Begriff zu gebrauchen. Es tut gut, dass man in einer solchen Lage nicht allein gelassen wird.

Sie haben im Januar noch an der Foto 20 ausgestellt. Damals ahnten Sie noch nicht, dass es ein so sonderbares Jahr wird. Haben Sie momentan überhaupt noch Aufträge?
Es herrscht ein totaler Auftragseinbruch seit Beginn des Lockdowns. Eine Besserung ist nicht in Sicht. Momentan versuche ich, eigene Fotoprojekte zu realisieren. Als erstes will ich aber wieder gesund werden.

Was sind Ihre nächsten Wünsche?
Dass sich die Menschen schützen und an die BAG-Vorgaben halten. Dass alle Corona-Leugner, Maskenverweigerer, Verschwörungstheoretiker und Satiriker aufhören, ihre Märchen zu verbreiten. Die Krankheit ist definitiv nicht lustig. Aber das realisiert man höchstwahrscheinlich erst, wenn es einen erwischt hat. Und dass alles einmal ein Ende hat und wir uns irgendwann wieder frei bewegen können.



Was bedeutet die Corona-Pandemie für die verschiedenen Akteure der Schweizer Medien- und Kommunikationsbranche? Bis auf Weiteres wird persoenlich.com regelmässig eine betroffene Person zu Wort kommen lassen. Die ganze Serie finden Sie hier.



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