19.03.2026

Matthias Ackeret

«Mein Roman ist im Bereich des Möglichen»

Am Montag feiert der Zürcher Autor und Verleger im Kaufleuten die Vernissage seines siebten Romans «EVA.». Die Geschichte über den letzten Star des linearen Fernsehens hätte aktueller kaum sein können.
Matthias Ackeret: «Mein Roman ist im Bereich des Möglichen»
«Wenn jemand die Schweiz und auch die Welt retten kann, ist es eben Eva», so Matthias Ackeret, Verleger und Chefredaktor von persönlich und persoenlich.com. (Bilder: Keystone/Gaëtan Bally, Buchcover: Corinne Lüthi)

Matthias, an diesem Montag, um 20 Uhr, findet im Zürcher Kaufleuten die Vernissage deines siebten Romans «EVA.» statt. Es sind erst anderthalb Jahre vergangen, seit dein letzter, «Der Magier von Hiva Oa», erschienen ist. Nicht ein bisschen viel?
Es stimmt, seit meiner letzten Buchvernissage ist es noch nicht so lange her. Deswegen bin ich dem «Kaufleuten» auch sehr dankbar, dass wir ganz spontan erneut diese grossartige und legendäre Location nutzen dürfen. Da meine Romane immer einen aktuellen Bezug haben, drängte sich dieses Buch aber gewissermassen auf. Es ist die Geschichte der TV-Moderatorin Eva, dem letzten Star des linearen Fernsehens, die sich mit ihrem Bekannten Elon ins legendäre Hotel Belvédère am Furkapass zurückzieht, um dem Wahnsinn der Gegenwart zu trotzen. Eva hat nämlich erfahren, dass der amerikanische Präsident alle Rätoromanen aus den USA ausweisen will. Für die Schweiz ein absolutes Horrorszenario – am Schluss könnte es deswegen Aufstände geben, die möglicherweise zum Sturz unserer Regierung führen.

Die österreichische Kronen-Zeitung schrieb beim letzten Roman von «fiktionalisierter Realität». Ist dies jetzt auch wieder der Fall?
Ja, die unverschämte Androhung von Strafzöllen auf 39 Prozent und das verhängnisvolle Telefon unserer Bundespräsidentin mit dem amerikanischen Präsidenten im vergangenen Sommer waren der Ausgangspunkt für den aktuellen Roman. «Mein» Bundespräsident Johann König Baldegg – kurz JKB – verstand nämlich die Depeche des Geheimdienstes nicht, wonach die Amerikaner den Rätoromanen an den Kragen gehen wollen. Er dachte, «Romansh» heisse Rumänen, und legte die Information zu den Akten. Was sich als verhängnisvoll erweisen soll: Eva – für einmal in der Rolle einer Investigativjournalistin – wusste mehr und konfrontierte den Bundespräsidenten in ihrer Talkshow mit den amerikanischen Geheimplänen, was JKB – ohne, dass er es sich anmerken liess – arg in Bedrängnis brachte. Ob man mit dem amerikanischen Präsidenten zu gut Englisch spricht oder – wie in meinem Fall – zu schlecht, es kommt immer falsch hinaus.

«Hier muss mein nächster Roman handeln»

Wieso ziehen sich Eva und Elon ins Belvédère, dem berühmtesten Lost Place der Alpen, zurück?
Das Hotel Belvédère mit dem dahinterliegenden Rhonegletscher hat mich immer fasziniert. 1972 war ich – als der Gletscher noch existierte – mit meinen Eltern dort. Letzten Sommer ist es immer wieder auf meinem Instagram-Account aufgepoppt, als wäre es ein Hilfeschrei. Ich bin kurzfristig über die Furka gefahren und habe mir diese tolle Landschaft näher angeschaut. Dabei wusste ich: Hier muss mein nächster Roman handeln. Mein Protagonist Elon kennt das Gelände übrigens aus seiner früheren Tätigkeit in der amerikanischen Regierung. Diese wollte es als Testgelände für Grönland nutzen. Da der amerikanische Präsident keine Loser mag – und zurückziehende Gletscher gehören nun mal dazu – verzichtete er darauf. Für Elon, der jetzt auf der Flucht vor dem amerikanischen Präsidenten ist, ist es hingegen das ideale Gelände für seine Marsmission.

Wieviel Eva Wannenmacher, die den Abend moderiert, steckt in Ihrer Eva?
Viel und doch wenig. Beide sind Fernsehmoderatorinnen, beide sind dank ihrer Tätigkeit schweizweit berühmt. Eva merkte bei der letzten Kaufleuten-Lesung an, dass sie noch nie in einem meiner Romane eine Rolle hatte. Ich nahm dies zur Kenntnis, unter der Bedingung, dass ich absolute «schriftstellerische Freiheit» hätte. Sie stimmte dem zu. Wer zu einer literarischen Figur wird, muss auch etwas ertragen … (lacht). «Nichts ist ohne sein Gegenteil wahr», schrieb Martin Walser. Was bedeutet: Eigentlich ist alles wahr.

Sogar eine Beziehung zu Elon …
Beispielsweise. Oder eine zu ihrem Ex-Freund Curdin Caduff, einem Berufs-Rätoromanen, der sich am 1. August aus Protest gegen die amerikanischen Pläne vor den Trump Tower stellt und protestiert, bis er verhaftet wird und ins brutale Gefängnis von Rikers Island geworfen wird.

Dein Roman ist sehr aktuell. Wann hast du mit dem Buch begonnen?
In der Nacht auf den 2. August. Ich hielt in Dübendorf eine 1.-August-Rede, ging nach Hause, konnte aber nicht schlafen, weil ich innerlich immer noch aufgewühlt war. Die ganze Schweiz war wegen Trumps Zollankündigung im Schockzustand. Ich dachte, wenn es Frau Keller-Sutter schlecht geht, soll es «meinem» Präsidenten nicht besser gehen. Das war der Ausgangspunkt von «EVA.». Und wenn jemand die Schweiz und auch die Welt retten kann, ist es eben Eva – zusammen mit Elon.

«Keiner meiner bisherigen Romane ist realistischer – und auch aktueller – als dieser»

Dein Roman handelt nicht nur im Hotel Belvédère, sondern auch in Bosco-Gurin, dem Bundeshaus, im Mar-a-Lago, Manhattan oder – ganz am Ende – im Zürcher Nobelhotel Baur au Lac. Wie hast du recherchiert?
An den meisten Orten war ich wirklich vor Ort – sogar vor den Toren von Mar-a-Lago. Wichtig war vielmehr, dass die Geschichte einen Zug hat, logisch ist und zu einem guten Ende kommt. Dafür «benutzte» ich auch viele meiner Bekannten namentlich. Ich glaube, keiner meiner bisherigen Romane ist realistischer – und auch aktueller – als dieser.

Gibt es noch Plätze für die Lesung im Kaufleuten?
Ja, klar, ich freue mich über alle, die kommen. Die Abendkasse ist offen. Aus Bundesbern haben sich prominente Gäste angekündigt, aber auch aus Deutschland und vor allem aus Graubünden. Es soll auch ein literarischer Widerstandsabend des rätoromanischen Volkes werden.


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