08.04.2021

Serie zum Coronavirus

«Politische Diskussionen sind bisweilen hart»

Folge 168: Nationalratspräsident Andreas Aebi (SVP) stellt während der Pandemie eine App für Besucher durch das Bundeshaus vor. Was ist der Zweck?
Serie zum Coronavirus: «Politische Diskussionen sind bisweilen hart»
Präsentiert zusammen mit den Parlamentsdiensten eine App mit einem audiovisuellen Rundgang rund um das Bundeshaus: Andreas Aebi. (Bild: Keystone/Anthony Anex)
von Matthias Ackeret

Herr Aebi, inwiefern hat sich während der ganzen Pandemie der Job der Nationalratspräsidenten verändert?
Meine Arbeit hat sich nicht grundlegend verändert. Die Leitungsgremien des Parlaments haben in der Zusammenarbeit mit den Parlamentsdiensten alles Notwendige unternommen, um den Ratsbetrieb fortzusetzen und an die Situation anzupassen – so wie das alle Betriebe und Institutionen tun müssen.    

Von aussen hat man den Eindruck, in Bundesbern sei die Stimmung sehr gehässig. Erleben Sie dies aus Ihrer Warte auch so?
Ich teile diesen Eindruck nicht. Politische Auseinandersetzungen sind bisweilen hart. Und Corona ist im Moment das alles überragende Thema, es beschäftigt alle. Und ist daher auch emotional beladen. Die Frühlingssession war reich befrachtet, intensiv, und Sitzungen dauerten bis spät nachts. Der Nationalrat konnte jedoch in voller Präsenz tagen. Das ist positiv.

Wo stellen sich für Sie als Nationalratspräsidenten während Corona die grössten Herausforderungen?
Sie bestanden darin, dass der Ratsbetrieb immer wieder an die Gesundheitsvorgaben angepasst werden musste. Zuerst zog das Parlament vorübergehend in die Hallen der BernExpo. Für die Herbstsession wurde jeder Arbeitsplatz mit Plexiglas-Schutzscheiben ausgerüstet. Wir machten möglich, dass Nationalrätinnen und Nationalräte in Quarantäne oder Isolation von zuhause abstimmen können. Und wir bieten PCR-Speicheltests für Ratsmitglieder, Mitarbeitende der Parlamentsdienste und weitere Personen an, die regelmässig ins Parlamentsgebäude müssen. Dies sind nur einige vieler Massnahmen, die wir eingeführt haben.

Wann glauben Sie, wird wieder Normalität einkehren?
Wenn ich das wüsste! Haben Sie eine Ahnung?

Leider nein. Nun präsentieren Sie zusammen mit den Parlamentsdiensten eine App mit einem audiovisuellen Rundgang rund um das Bundeshaus. Was bezwecken Sie damit?
Jährlich besuchen 100'000 Personen das Parlamentsgebäude. Seit mehreren Monaten gibt es keine Führungen mehr, und Besucher können auch nicht mehr vor Ort die Session verfolgen. Daher wurde diese Audioführung entwickelt, mit der Interessierte Bundesbern auf eigene Faust erkunden können. Viele Bürgerinnen und Bürger wissen gar nicht, welche Gebäude rund um das Parlamentsgebäude dazu gehören. Nur wenige sind zudem öffentlich zugänglich.

Welche Stationen besucht man bei diesem Rundgang?
Nebst dem Parlamentsgebäude gibt es unter anderem die Standorte «Bernerhof», wo Finanzminister Ueli Maurer arbeitet. Das Hotel Bellevue Palace, die Nationalbank, der Bundesplatz oder das Gebäude an der Inselgasse, wo das Departement des Innern untergebracht ist, sind weitere Stationen des Rundgangs. 

Diese App ist eine Reise in die Vergangenheit. War Politik früher einfacher?
Die App greift zwar Geschichtliches auf, zeigt aber genauso die Gegenwart. Was verstehen Sie unter früher? Wenn Sie die Zeit vor Corona meinen, würde ich sagen: Ja, es war einfacher.   

Was war für Sie das prägendste Erlebnis der letzten Wochen?
Dass das Parlament das gesamte Sessionsprogramm abschliessen konnte und dass nur ein Covid-Test positiv war. Das zeigt doch, dass die Schutzmassnahmen taugen und auch während der Krise das Parlament reibungslos arbeiten kann.

 


Was bedeutet die Corona-Pandemie für die verschiedenen Akteure der Schweizer Medien- und Kommunikationsbranche? Bis auf Weiteres wird persoenlich.com regelmässig eine betroffene Person zu Wort kommen lassen. Die ganze Serie finden Sie hier.




 





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