03.05.2021

VSM

Schweizer Medienschaffende machen Schule

Lie Detectors, das von der EU ausgezeichnete europaweite Nachrichtenkompetenzprojekt, startet in Zusammenarbeit mit dem Verlegerverband Schweizer Medien ein Programm für Klassenbesuche in der Schweiz.

Die «Lügendetektoren», die bereits in Österreich, Belgien und Deutschland aktiv sind, werden zusammen mit Schweizer Medien bis zu 75 Schweizer Medienschaffende auswählen und sie für interaktive Workshops zur Nachrichtenkompetenz in deutschsprachigen Klassenzimmern in der Schweiz schulen. So heisst es in einer Mitteilung vom Montag.

«Mit erfolgreichen Einsätzen in bisher drei EU-Ländern und drei Sprachen freuen wir uns sehr über den Start in der Schweiz», lässt sich Juliane von Reppert-Bismarck, Geschäftsführerin von Lie Detectors, zitieren. «Es ist grossartig, mit dem Verlegerverband Schweizer Medien zusammenzuarbeiten, der breit anerkannt ist und in der Schweiz einen wichtigen Schwerpunkt auf die Förderung der Medienkompetenz legt.»

«Die Förderung der Medienkompetenz ist ein Schwerpunktthema des Verlegerverbandes Schweizer Medien», sagt Stefan Wabel, künftiger Geschäftsführer von Schweizer Medien. «Wir freuen uns sehr, in diesem wichtigen Thema mit Lie Detectors zusammenzuarbeiten und so unsere eigenen Programme und Aktivitäten zu ergänzen.»

Im Laufe eines Jahres wird Lie Detectors Klassenbesuche von Journalistinnen und Journalisten für Schüler im Alter von 10 bis 15 Jahren und ihre Lehrkräfte organisieren, in denen es darum geht, wie sie Falschmeldungen auf sozialen Plattformen enttarnen können und wie der professionelle Journalismus funktioniert. Während der Pandemie finden Besuche per Videokonferenz statt. Medienschaffende benutzen für die interaktiven Schulungen ein Konzept, das Lie Detectors mit Kindern, Lehrkräften und Psychologen entwickelt hat. All dies kostenlos für Schulen: Lie Detectors ist eine gemeinnützige Organisation, die von Hansjörg Wyss und der Wyss Stiftung finanziert wird.

«Die Pandemie hat weiter verdeutlicht, welch wichtige Rolle kritische Medienkompetenz bei der Eindämmung der Desinformation und den damit verbundenen Risiken für Demokratie und Sicherheit spielt», sagt von Reppert-Bismarck. «Die Schweiz besetzt eine wichtige Rolle in der internationalen Debatte hierzu, die auf UN- und OECD-Ebene geführt wird», sagt von Reppert-Bismarck.

«Die Lie Detectors Workshops beschäftigen sich mit einem hochaktuellen und wichtigen Thema», sagt Marianne Läderach, Leitern des Medieninstituts des Verlegerverbands Schweizer Medien. Sie koordiniert die Initiative in der Schweiz. «Jugendliche lernen, wie sie Informationen kritisch bewerten und Desinformation in einer zunehmend komplizierten digitalen Medienlandschaft erkennen können. Gleichzeitig geben die Medienschaffenden einen spannenden Einblick in ihre Arbeit. Sie zeigen auch, wie Fehler im alltäglichen Journalismus passieren können und inwieweit sich diese von absichtlichen Fälschungen unterscheiden.»

Lie Detectors wurde im Rahmen eines Wettbewerbs der Europäischen Kommission mit dem Digital Skills Award 2018 im Bildungsbereich ausgezeichnet. Mit diesem Preis wird anerkannt, dass Schulungen an verschiedene Sprachen und Medienlandschaften angepasst sind. Es ist auf Englisch, Deutsch und Französisch aktiv und berät EU-Institutionen und Regierungen in Bezug auf intelligente Maßnahmen zur Eindämmung von Desinformation und deren negative Auswirkungen auf die Demokratie. Es befürwortet die systematische Integration der Nachrichtenkompetenz in Lehrpläne an Schulen und in die Lehrerbildung.

«Die überwiegende Mehrheit von Schüler reist bereits sehr weit und vor allem allein im Internet und in den sozialen Medien und nimmt viel von dem auf, was als Information zirkuliert. Wir erinnern sie an das, was die meisten als Kleinkinder lernen: Es ist unklug, Süßigkeiten von Fremden anzunehmen. In Zeiten einer Überflutung von Information benötigen wir alle die entsprechenden Fähigkeiten, um nicht alles zu schlucken, was wir online finden, und auch, um den Wert und die Eigenschaften zuverlässiger Informationen zu erkennen», sagt von Reppert-Bismarck. (pd/lol)



Kommentar wird gesendet...

Kommentare

Kommentarfunktion wurde geschlossen

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Zum Seitenanfang20210805

Die Branchennews täglich erhalten!

Jetzt Newsletter abonnieren.