Schon lange vor seinem Tod hat Marcel Reich-Ranicki entschieden, was mit seinen Büchern geschehen soll. Der am Mittwoch verstorbene Literaturkritiker hinterliess den grössten Teil seiner Bücher der Universität Marburg. Das bestätigte die mittelhessische Hochschule.
Marcel Reich-Ranickis Sohn Andrew sagte in einem Interview der "Bild"-Zeitung vom Freitag, es handle sich um "Abertausende" Bände. Bereits 2006 habe Reich-Ranicki einen Teil seiner Sammlung - mehr als 1000 Bücher - nach Marburg gegeben, erklärte die Leiterin der Bibliothek Germanistik und Medienwissenschaft, Lydia Kaiser. Wie viele Bücher nun noch dazukommen, sei unklar. Es werde wohl der wertvollere Teil der Sammlung sein: Als die Hochschule seinerzeit die ersten Bücher abgeholt habe, habe Reich-Ranicki die Lieblingsautoren zurückgehalten.
"Das ist was für später", habe er gesagt. Seit 2010 gibt es in Marburg eine "Arbeitsstelle Marcel Reich-Ranicki für Literaturkritik in Deutschland". Ihr Leiter, Thomas Anz, kennt Reich-Ranicki über die gemeinsame Arbeit bei der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Über ihn sei der Kontakt zustande gekommen, berichtete Kaiser. Einen Tag nach dem Tod seines Vaters habe Andrew Ranicki Anz angerufen. "Wir haben das Erbe sehr gern angenommen", sagte Kaiser.
Nicht nach Marburg kommen Bücher mit persönlichen Widmungen: Der eigentliche Nachlass geht an das Deutsche Literaturarchiv in Marbach in Baden-Württemberg. Reich-Ranicki hatte dem Archiv bereits 2003 grosse Teile davon übergeben. Zum Nachlass zählen neben seiner Korrespondenz mit berühmten Autoren auch die signierten Bücher. (sda/dpa)

