26.04.2022

Tizian Gruner

«Sprüche von Zürchern muss man locker sehen»

Mit dem Mitgründer der Filmproduktionsfirma Grunerfilms hat ein Basler das Publicis-Tippspiel am Zürcher Sechseläuten gewonnen. Ein Gespräch mit Tizian Gruner über seinen Triumph, seine Begleitung für das Abendessen in der Kronenhalle und «Lex Netflix».
Tizian Gruner: «Sprüche von Zürchern muss man locker sehen»
«Ich glaube, die meisten waren etwas erstaunt, dass ein Basler am besten tippt», sagt Tizian Gruner, der 2018 zusammen mit seinem Bruder Patrice Grunerfilms gegründet hat. (Bilder: Tim Frei, Keystone/Ennio Leanza)
von Tim Frei

Herr Gruner*, Sie haben bei Ihrer ersten Teilnahme am Zürcher Sechseläuten auf Anhieb das Tippspiel beim Publicis-Apéro gewonnen – herzliche Gratulation. Wie waren die Feedbacks der Zürcher beim Werberanlass?
Vielen Dank. Zuerst einmal möchte ich mich herzlich bei der Publicis Groupe für die Einladung und den grosszügigen Preis bedanken. Es war ein toller Event! Ich glaube, die meisten waren etwas erstaunt, dass ein Basler am besten tippt. Aber als Aussenstehender hat man manchmal eine andere Sichtweise auf die Dinge. Ansonsten waren die Feedbacks durchaus positiv.

Mussten Sie sich Sprüche anhören? 
Klar. Aber die ist man als Basler in Zürich doch gewohnt. Muss man locker sehen.

«Die Stimmung war ausgelassen»

Wie wurde Ihr «Auswärtssieg» am Tag danach in Ihrer Heimat in Basel aufgenommen?
Als «Auswärtssieg» würde ich das jetzt nicht bezeichnen. Die Leute haben sich einfach gefreut und gratuliert.

Wie haben Sie Ihr erstes Sechseläuten und die Zürcher erlebt?
Für mich war das eine tolle Sechseläuten-Premiere. Die Stimmung war sehr gut und ausgelassen.

Sie haben als Preis ein Abendessen für zwei Personen in der prestigeträchtigen Kronenhalle gewonnen. Wer wird Sie begleiten? 
Mein Bruder und Geschäftspartner Patrice Gruner.

«Viele Leute vergessen, dass auch das lokale Gewerbe von einem Ja zu Lex Netflix profitieren würde»

2018 haben Sie zusammen mit Ihrem Bruder die Basler Filmproduktionsfirma Grunerfilms gegründet. Im vergangenen Sommer kam eine Tochterfirma Grunerfilms (US) dazu, die sich an internationalen Spielfilmen beteiligt. Für welchen Spielfilm haben Sie zuletzt produziert?
Der letzte Film war ein Kurzfilm («The Passenger»), den wir in Los Angeles gedreht haben und der auf der Kurzgeschichte «Rest Stop» von Stephen King basiert. Der für den Oscar nominierte Drehbuchautor Tab Murphy hat diese Geschichte für uns adaptiert. Den Filmsong hat Paris Jackson, die Tochter von Michael Jackson, beigesteuert. Der Film hat weltweit über 80 Awards an Filmfestivals gewonnen. Spielfilme sind derzeit zwei in Entwicklung.

Welche?
Ein Film lehnt an den erwähnten Kurzfilm an und wird in den USA produziert. Drehbeginn ist voraussichtlich Anfang 2023. Den anderen Film werden wir in der Schweiz produzieren. Er handelt von Max Emden, ein Kaufhauspionier, dem unter anderem das KaDeWe (Anm. d. Red.: Das Kaufhaus des Westens) in Berlin gehörte. Er war Deutscher jüdischer Herkunft, dessen Vermögen, darunter wertvolle Gemälde, Gegenstand von Restitutionsansprüchen aus der NS-Zeit waren. Er lebte bis 1940 auf den Brissago-Inseln im Tessin. 

In knapp drei Wochen wird über «Lex Netflix» abgestimmt. Ich nehme an, dass Sie als Player der hiesigen Filmbranche dafür sind. Weshalb wäre ein Ja so wichtig?
Mit einem Ja würde die Schweizer Filmbranche zusätzlich gefördert und unterstützt werden. Es wäre wichtig, um auch für internationale Co-Produktionen, die in der Vergangenheit sehr erfolgreich waren, attraktiv zu bleiben. Zudem vergessen viele Leute, dass nicht nur Filmschaffende in der Schweiz davon profitieren, sondern auch das lokale Gewerbe. Bis zu 30 Prozent des Geldes einer Filmproduktion bleiben in den Regionen für Hotellerie, Gastronomie, Handwerker et cetera.


 

*Tizian Gruner hat 2018 zusammen mit seinem Bruder Patrice die Filmproduktionsfirma Grunerfilms gegründet. 2021 erfolgte die Gründung der Tochterfirma Grunerfilms (US) in Los Angeles. Vor seiner Selbständigkeit war der 31-Jährige als Produzenten-Assistent von C-Films in Zürich tätig, wobei er an nationalen wie internationalen TV-Filmen («Lina» von Mike Schaerer) und Spielfilmen («Youth» von Oscar-Preisträger Paolo Sorrentino) mitwirkte. Anschliessend arbeitete er als Produktionsleiter bei diversen Werbeproduktionen in den USA, unter anderem Red Bull Media House. Tizian Gruner hat am SAE-Institute in Berlin Filmmaking studiert und mit einem Bachelor of Arts (First-Class Honors) abgeschlossen.



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