Als erster staatlicher Fernsehsender in der muslimischen Welt hat die türkische Fernsehanstalt TRT mit der Ausstrahlung der Holocaust-Dokumentation "Shoah" begonnen. Die ersten beiden Stunden des mehr als neunstündigen Films wurden in der Nacht zum Freitag ausgestrahlt. Das teilte der Direktor des Aladdin-Projektes für jüdisch-muslimische Verständigung, Abraham Radkin, der Nachrichtenagentur AFP in Istanbul mit. Der Regisseur von "Shoah", Claude Lanzmann, würdigte die Ausstrahlung bei TRT zum internationalen Holocaust-Gedenktag als Ereignis von historischer Bedeutung.
Radkin sagte, TRT werde "Shoah" in den kommenden Wochen in jeweils einstündigen Segmenten ausstrahlen. Das 2009 mit Hilfe der Uno-Kulturorganisation Unesco gegründete Aladdin-Projekt bemüht sich um interkulturelle Verständigung, insbesondere zwischen Juden und Muslimen. Der 1985 entstandene Film "Shoah" erzählt die Geschichte des Holocaust anhand von Interviews mit Opfern und Tätern. In der Türkei wird der Film mit türkischen Untertiteln gezeigt.
In einer Grussbotschaft an die offizielle Holocaust-Gedenkveranstaltung der Türkei in Istanbul am Donnerstagabend betonte Lanzmann, die Ausstrahlung seines Films in der Türkei sei ein wichtiges Signal für andere muslimische Länder. Nach Angaben des Aladdin-Projektes war eine persische Version von "Shoah" im vergangenen Jahr von einem US-Satellitensender ausgestrahlt worden, doch bisher habe es keine Verbreitung durch eine staatliche Fernsehanstalt in einem muslimischen Land gegeben. (sda/afp)

