13.09.2019

Post-Pitch

Agenturen kritisieren Vergabe-Verfahren

Ein Fass ohne Boden: Öffentliche Ausschreibungen würden immer aufwändiger, kritisieren die Agenturen von Leading Swiss Agencies. Aktuelles Beispiel sei die Post. Besser mache es Graubünden oder das Bundesamt für Gesundheit.
Post-Pitch: Agenturen kritisieren Vergabe-Verfahren
Für 20 Millionen Franken über vier Jahre verteilt die Post Budgets in den Disziplinen «klassische Werbeagenturen», «Branding Agenturen», «Digital Agenturen» und «Direct Marketing Agenturen». (Bild: post.ch)
von Edith Hollenstein

Die Schweizerische Post vergibt ihren Kommunikationsetat neu. Aktuell läuft ein Pitch, der am 30. Januar 2020 abgeschlossen sein soll. Das Verfahren sei zeitraubend und koste beide Seiten unnötig viel Geld, bemängelt der Verband der führenden Kommunikationsagenturen der Schweiz, Leading Swiss Agencies (LSA). «Es fordert einen unverhältnismässig hohen Aufwand an strategischer und administrativer Arbeit und ist mit einem Kriterienraster versehen, der äusserst preisgetrieben ist», schreibt Catherine Purgly, Geschäftsführerin des LSA, in einem Artikel in der aktuellen September-Ausgabe der gedruckten Fachzeitschrift «persönlich».

«Preis ist zu hoch gewichtet»

Das Verfahren der Post sieht mehrere Stufen vor. So werden ausgewählte Agenturen vier verschiedenen Agentur-Pools zugeordnet, die zusammengenommen ein Volumen von 20 Millionen Franken verteilt über vier Jahre ausmachen: «klassische Werbeagenturen», «Branding Agenturen», «Digital Agenturen» und «Direct Marketing Agenturen». Das findet der LSA umständlich. «Agenturen, die bei diesen Pools teilnehmen, haben keine Garantie auf Auftragsvergabe, es wird kein Mindestumsatz gewährt, und der Rahmenvertrag kann einseitig abgeändert werden. Ein Fass ohne Boden», kritisiert Purgly.

Laut der LSA-Geschäftsführerin gewährt die Post denjenigen Agenturen den Zuschlag, die von Beginn weg das beste Angebot einreichen, also beim Kriterium «Wirtschaftlichkeit» respektive «Preise» die Maximalpunktzahl erreichen. Dass der Preis so hoch gewichtet werde, sei gefährlich. Denn es könne zur Folge haben, dass nicht die leistungsstärksten, sondern die günstigsten Anbieter zum Zug kommen würden.

«WTO-Ausschreibung sind aufwändig»

Die Post gibt sich offen für Kritik. In diesem Fall jedoch handle es sich um ein Vorgehen, dass bei WTO-Verfahren üblich sei, «wenn nicht gar vorgeschrieben», wie Post-Sprecher François Furer am Donnerstag auf Anfrage von persoenlich.com sagt. «Die Offerten-Eingabe für eine WTO-Ausschreibung ist zwangsläufig mit erheblichem Aufwand verbunden. Darum bemühen wir uns beispielsweise, gewisse Unterlagen und Nachweise möglichst erst bei jenen Anbietern zu verlangen, die für eine Zuschlagserteilung infrage kommen», so Furer. Das sei auch beim vorliegenden Pitch der Fall. Weil die Ausschreibung noch nicht abgeschlossen sei, könne er keine weiteren Angaben machen.


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Wenn dieser Post-Pitch so aufwändig und teuer ist: Warum machen trotzdem fast vierzig LSA-Agenturen mit, wie Purgly in ihrem Artikel schreibt? Sie könnten doch einfach mit der Schulter zucken und sich stattdessen auf einen Boykott einigen. «Wir stellen fest, dass öffentlich-rechtliche Ausschreibungen immer aufwändiger werden, insbesondere im administrativen Bereich. Wir möchten auf diesen Missstand hinweisen und mit der Auftraggeberseite nach Lösungen suchen. Boykotte erachten wir aus Verbandssicht als nicht zielführend», präzisiert Purgly auf Anfrage.

BAG und Graubünden als Vorbilder

Der LSA sagt, dass «auch WTO-Ausschreibungen schnell und effizient durchgeführt» werden können. Als Positivbeispiele nennt Purgly die Ausschreibungen des Bundesamts für Gesundheit, die in der Präqualifikationsphase mündliche Briefings und Agenturbesuche vorsehen, um die Teams und deren Kompetenzen hinter den Agenturen kennenzulernen. Oder Graubünden: Dort werde in der Präqualifikation hauptsächlich auf Kompetenzen und Referenzprojekte als Auswahlkriterium fokussiert. Beide Verfahren haben laut Purgly eines gemeinsam: «Sie konzentrieren sich auf das gemeinsame Verständnis für die Aufgabe, die Kernkompetenzen des Agenturteams und eine passende Chemie.»

 

 

 



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