01.12.2020

Serie zum Coronavirus

«Die Branche hat gelernt, langfristig zu denken»

Folge 143: Agence Trio feiert 2021 seinen 90. Geburtstag. CEO Michael Kamm spricht im Interview über die Unterschiede der Werbung in der Romandie und der Deutschschweiz. Zudem sagt er, warum das Coronajahr auch motivierend war.
Serie zum Coronavirus: «Die Branche hat gelernt, langfristig zu denken»
von Matthias Ackeret

Herr Kamm, welche Auswirkungen hat Corona auf Ihr Business?
Konkret 20 Prozent weniger Einnahmen für 2020; dies ist konsequent und wir haben uns mit Agilität angepasst.

Haben Sie Kunden verloren, haben Sie neue gewonnen?
Das beidseitige Vertrauen hat sich verbessert. Wir haben in diesem Jahr fast keine Kunden verloren. Dies ist ganz sicher, weil wir uns ab März viel enger mit allen unseren Kunden auf strategischer Ebene ausgetauscht haben. Neue kurzfristige Mandate und Anfragen sind häufiger als sonst spontan reingekommen. Leider wurden einige wichtige Aufträge auf das nächste Jahr verschoben.

In der Romandie waren die Ansteckungszahlen zuletzt höher als in der Deutschschweiz. Können Sie sich dies erklären?
Sehr viele Spezialisten streiten sich über diese Frage. Ich glaube, die «Wellen» sind stark genug, um auch den Röstigraben von beiden Seiten zu überspringen.

Sie sind sowohl in der Welsch- wie auch der Deutschschweiz aktiv. Gehen die Leute anders mit der ganzen Geschichte um?
Sobald man die Nähe nicht nur spürt, sondern konkret Kollegen und Familienmitglieder kennt, die direkt betroffen sind, adaptiert man sehr schnell sein Verhalten!

Inwiefern wird Corona die Werbung langfristig verändern?
Diese turbulenten Zeiten zeigen, dass sich die Authentizität, das Vertrauen und die Kommunikation über den Wert einer Marke lohnen. Agence Trio hat dies immer in die Praxis umgesetzt, aber wir empfehlen es unseren Kunden in letzter Zeit noch stärker. Ich denke, dass die Branche in diesen Zeiten gelernt hat, langfristig zu denken.

Ist Homeoffice für Agence Trio in Zukunft ein neues Arbeitsmodell?
Wir glauben schon seit langem an ein Hybridmodell mit Tagen, die die Mitarbeiter selbst gestalten dürfen, und Tagen, wo man sich trifft, isst, kocht, austauscht und miteinander die Marke Agence Trio zusammen mit unseren Kunden lebt. Schon immer war «L’esprit d’équipe» das wichtigste Programm unserer Agentur.

Agence Trio feiert nächstes Jahr das 90-Jahr-Jubiläum und ist damit wohl die älteste Werbeagentur des Landes. Planen Sie spezielle Aktivitäten?
Wir hoffen, dass wir unseren Geburtstag am 19. Oktober mit einem Monster-Apéro feiern können. Dann benötigen wir zehn Jahre, um uns davon zu erholen und unseren hundertsten Geburtstag vorzubereiten.

Was ist der grösste Unterschied der Werbung in der Romandie und derjenigen in der Deutschschweiz?
Sicherlich das Bewusstsein und der Respekt, dass eine gute Kampagne alle Sprachregionen der Schweiz erreichen muss.

Sie selbst stammen ursprünglich aus dem Kanton Glarus. Hatten Sie nie Lust in Ihre alte Heimat zurückzukehren?
Ich bin ein intensiver Schweizer Bummler und fühle mich in der ganzen Schweiz sehr wohl. Ab und zu bereite ich mir einen Teller «Zigerhöreli» zu. Der bringt mich sofort zum Tödi und ins Klöntal zurück. Aber auch Zürich liebe ich. Doch wer kann widerstehen, wenn der Zug aus dem Tunnel kommt und sich der Blick auf den «Lac Léman» öffnet? Magique!

Was war für Sie das prägendste Erlebnis der letzten Wochen?
Kurz vor Jahresende habe ich so ein merkwürdiges Empfinden, dass dieses verflixte Jahr 2020 auch verdammt motivierend war. Dies zeigt sich in der Solidarität und dem Engagement meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, in einer wirtschaftlich heiklen Situation gemeinsam voranzukommen. Die Ressourcen, die der Mensch in einer solchen Extremsituation aufbringen kann, überraschen mich immer wieder.


Was bedeutet die Corona-Pandemie für die verschiedenen Akteure der Schweizer Medien- und Kommunikationsbranche? Bis auf Weiteres wird persoenlich.com regelmässig eine betroffene Person zu Wort kommen lassen. Die ganze Serie finden Sie hier.



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