09.02.2001

Publicis übernimmt Fisch.Meier.Direkt

Die Publicis-Gruppe Schweiz erwirbt mit 52 Prozent die Aktienmehrheit an der Adliswiler Dialogmarketingagentur Fisch.Meier.Direkt. Die beiden Geschäftsführer und Mitinhaber Gilbert Fisch und Nik Meier werden während den nächsten fünf Jahren weiterhin die Geschäftsleitung innehaben. Fredy Collioud, Country Chairman Publicis, nimmt seinerseits Einsitz in den Verwaltungsrat der Fisch.Meier.Direkt. "persoenlich.com" wollte von Gilbert Fisch (Bild) wissen, was die Beweggründe für den Verkauf waren. Das Interview:
Publicis übernimmt Fisch.Meier.Direkt

Herr Fisch, warum haben Sie verkauft?

Fisch.Meier.Direkt war 1999 die achtgrösste Agentur in der Schweiz und hatte somit eine Grösse erreicht, bei der wir uns überlegen mussten, wo unsere grundsätzliche strategische Ausrichtung in der Zukunft liegen sollte. Wir sind zur Überzeugung gekommen, dass wir innerhalb einem europäischen Netzwerk wie das der Publicis die besten Aussichten haben, im Markenkommunikationsbereich weiterhin zu wachsen. Auch wir müssen laufend professioneller werden, und da bot sich der Deal mit der Publicis an – vorallem, da wir im Bezug auf unsere Kundenlisten kaum Konfliktpotential haben.

Mit 52 Prozent haben Sie die Mehrheit aus der Hand gegeben. Warum das?

Netzwerke haben in der Regel den Anspruch, Mehrheiten zu übernehmen. Obwohl die Beteiligung durch die Publicis signifikant ist, sehen wir uns als eigentlichen Partner. Abgesehen davon haben wir die Weichen so gestellt, dass mein Partner Nik Meier und ich das Geschäft auch weiterhin nach unseren Wertvorstellungen ausbauen können. Mit aus diesem Grund haben wir uns dazu verpflichtet, in den nächsten fünf Jahren mitzuarbeiten.

Wieviel Franken hat sich die Publicis das Aktienpaket kosten lassen?

Darüber wurde absolutes Stillschweigen vereinbart. Ich kann Ihnen aber versichern, dass es sich dabei um einen fairen Marktpreis handelt (lacht).

Publicis war daran, unter der Leitung von Stefan Wilk eine eigene Direktmarketing-Abteilung aufzubauen. Anscheinend ist dieser Versuch gescheitert, sonst wäre Fredy Collioud ja wohl kaum auf Sie zugekommen?

Publicis musste merken, dass es sehr viel Zeit braucht, um solch' einen Zweig aufzubauen. Nik Meier und ich machen diesen Job bereits seit vierzehn Jahren, wobei wir fast acht Jahre gebraucht haben, um an signifikante Budgets und Kunden im Markenbereich zu bekommen. Heute sind wir eine gewachsene Agentur mit vielen speziellen Angeboten zu allen Dialogstrategien. Ohne die Publicis Dialog jetzt schlecht machen zu wollen: Es braucht einfach seine Zeit, um eine Dialogagentur aufzubauen. Fredy Coilloud hat sich darum entschieden, die Publicis Dialog in Fisch.Meier.Direkt aufgehen zu lassen.

Mit was für personellen Konsequenzen?

Nun, es werden keine Köpfe rollen. Sowohl unsere Leute als auch die der Publicis Dialog sind am Donnerstabend über die Zusammenlegung informiert worden. Vorgesehen ist, schrittweise sowohl die Mitarbeiter der Publicis Dialog als auch ihre Kunden in die Fisch.Meier.Direkt zu überführen. Wir haben das allergrösste Interesse, dass die Leute zu uns kommen.

Fisch.Meier.Direkt hat in letzter Zeit mehrere grössere Budgets verloren, u.a. Qualiflyer, Direktmarketing-Mandate der Post und das Joker-Programm von Swisscom. Mit ein Grund, an Publicis zu verkaufen?

Überhaupt nicht. Es ist tatsächlich so, dass wir anfangs 2000 mehrere signifikante Budgets verloren haben. Wobei wir das Schweizer Post-Budget zurückgeben mussten, nachdem wir uns einen grossen Etat der Deutschen Post an Land gezogen hatten – übrigens unser grösster Kunde zur Zeit. Der Joker-Etat betraf nur das zweimal jährlich erscheinende Joker-Magazin und war somit keine grosse Sache. Abgesehen davon ist dort auch noch nicht fertig diskutiert. Viel schlimmer waren mehrere Etats, die aus was für Gründen auch immer bereits nach zwei oder drei Wochen kundenseitig wieder gestoppt wurden. Da hatte man zehn Leute auf ein neues Projekt angesetzt und dann so etwas. Der Hintergrund der Übernahme ist aber ganz klar der, dass wir besser werden wollen. Abgesehen davon haben wir ja auch bereits wieder ein paar grosse Etats gewonnen, zum Bsp. Netto-Reisen oder auch Net Jets.

Fisch.Meier.Direkt hält ja auch den Cumulus-Etat der Migros. In der klassischen Werbung setzt die Migros aber in dem Bereich auf Pucci, Sulzer. Besteht jetzt nicht die Gefahr, dass Sie dieses Budget oder auch weitere verlieren könnten, nachdem Sie ja nun zum Publicis-Netz gehören?

Nein, schliesslich waren wir ja auch vorher bereits in einem Netz – mit Lowe Lintas.

In wieweit verlieren Sie jetzt die Freiheit, mit anderen Agenturen zusammen zu arbeiten?

Gar nicht. Das wäre ja auch nicht sinnvoll. Mit dem Verkauf an Publicis suchen wir zwar ein Höchstmass an Kooperation, wir müssen uns aber dennoch im Markt weiterhin frei bewegen können.

Sie haben kürzlich einen Etat von Saab gewonnen, der in die klassische Werbung fällt. Für die klassische Werbung ist in der jetztigen Konstellation aber Publicis zuständig. Werden Sie sich in Zukunft aus dem klassischen Werbebereich raushalten müssen?

Fisch.Meier.Direkt benützt die klassische Medien als Kanal. Wenn wir eine Anzeige machen, dann ist die so strukturiert, dass der Leser die klare Möglichkeit zur Reaktion hat – sei das per Telefon, Coupon oder auch Internet. Unsere Kunden messen uns fast ausschliesslich nach der Anzahl der Reaktion, die wir erzielen – sei das im Fernsehen, sei das im Print. So gesehen werden wir uns auch zukünftig im klassischen Medienbereich bewegen. Saab ist ein Budget mit einer kritischen Grösse – jeder Franken muss einen Kundenkontakt generieren. Es wäre eigentlich logisch gewesen, wenn Lowe Lintas den klassischen Part übernommen hätte. Aus finanziellen Gründen hat der Kunde aber entschieden, uns ein eigentliches Paket schnüren zu lassen.

Sie und Nik Meier behalten in den nächsten fünf Jahren weiterhin die Geschäftsleitung von Fisch.Meier.Direkt. Warum das?

Nun, wir beide machen diesen Job wie bereits gesagt seid rund vierzehn Jahren. Nik ist 46 Jahre alt, ich 44 und ich nehme mal an, dass wir beide noch ein paar gute Jahre vor uns haben (lacht). Was in fünf Jahren ist, weiss keiner. Mit den fünf Jahren, für die wir uns verpflichtet haben, wollten wir aber sowohl gegenüber unseren Mitarbeitern als auch unseren Kunden klare Signale setzen. Erstens: Wir haben noch immer viel Spass an unserem Job und in der Folge auch noch viel vor. Zweitens: Es ging uns nicht darum, mit dem Verkauf an Publicis den grossen Reibach zu machen. Und drittens: Wir haben auch nicht vor, uns jetzt einfach in die Karibik abzusetzen.

Publicis-Gruppe Schweiz

Die Publicis Schweiz wurde 1950 gegründet (damals noch Dr. Rudolf Farner Werbeagentur). Sie umfasst die Agenturen Publicis, Zürich; Publicis, Lausanne; Optimedia, Zürich; Publicis Dialog, Zürich; Publicis Consultants, Zürich; Saatchi & Saatchi, Nyon, und beschäftigt rund 170 Mitarbeiter. Country Chairman ist Fredy Collioud. Der Brutto-Betriebs-Ertrag belief sich im Jahr 2000 auf über 40 Mio. Franken; 1999 auf 37,3 Mio. Franken und 1998 auf 34,2 Mio Franken. Die Schwerpunkte der Agenturgruppe liegen bei der klassischen Werbekommunikation und der integrierten Markenführung. Die Publicis-Gruppe gehört zur Publicis Worldwide mit 250 Agenturen in 76 Ländern und 10,3 Milliarden US-Dollar Umsatz.

Fisch.Meier.Direkt


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