17.03.2019

VBZ-Haltestellen

Warum «Kantonalbank» keine Werbung ist

Die Tramhaltestelle vor dem Hauptsitz der ZKB in Zürich hat nach 118 Jahren einen neuen Namen bekommen. Politiker erkundigten sich nach den Kriterien, schliesslich dürfen Stationsnamen nicht werberisch sein. Es gibt noch weitere Beispiele von Haltestellen mit Firmennamen.
VBZ-Haltestellen: Warum «Kantonalbank» keine Werbung ist
Am 9. Dezember 2018 wurde aus der Zürcher Tramhaltestelle «Börsenstrasse» die Haltestelle «Kantonalbank». (Bild: ZKB)
von Christian Beck

Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2018 gibt es die Haltestelle «Börsenstrasse» im Zürcher Bankenviertel nicht mehr. Die Station, die direkt vor dem Hauptsitz der Zürcher Kantonalbank (ZKB) an der Bahnhofstrasse liegt, heisst neu «Kantonalbank». Die Umbenennung diene einer besseren Orientierung der Fahrgäste, hiess es damals.


Klar ist laut der Verordnung des Bundesrats über die geografischen Namen: Haltestellen dürfen nicht aus dem Namen eines Unternehmens bestehen, es sei denn, dieser sei identisch mit einem geografischen Namen. «Deshalb heisst die Station nicht ‹Zürcher Kantonalbank›, sondern nur ‹Kantonalbank›», sagte Silvia Behofsits, Leiterin Unternehmenskommunikation der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ), im Dezember gegenüber dem «Tages-Anzeiger».

Einige Gemeinderäte wollten es genauer wissen und reichten eine schriftliche Anfrage ein. Nun liegt die Antwort des Stadtrats vor. Daraus geht hervor, dass das Bundesamt für Verkehr (BAV) die durch die Umbenennung entstandenen Kosten in der Höhe von 5000 Franken der Antragstellerin ZKB in Rechnung stellte. Die Bank übernahm zudem die Kosten des BAV-Entscheids von 500 Franken, die den VBZ als formelle Gesuchsteller auferlegt wurden.

«Nach der 150-Millionen-Sonderdividende und der geplanten Seilbahn ein weiteres selbstloses Geschenk ans Zürchervolk», spöttelt Autor André Müller in einer Glosse in der «Neuen Zürcher Zeitung». Und weiter: «Der neue Name, so schliessen wir, steht nicht für die Zürcher Kantonalbank, sondern für die Kantonalbank an sich, angesprochen ist das Kantonalbänkische in uns allen, das an dieser Stelle eben pulsiert und vibriert wie nirgendwo sonst.»

Haltestelle «Siemens» vor der Siemens

Obwohl Haltestellennamen nicht werberisch sein dürfen, gibt es auf Zürcher Stadtgebiet gleich mehrere solche Beispiele – wie «Siemens» in Albisrieden, «Micafil» in Altstetten oder «Rentenanstalt» am Mythenquai. «Die erwähnten Haltestellennamen stammen aus einer Zeit, in der diese Regelung noch nicht galt», so VBZ-Sprecher Tobias Wälti auf Anfrage von persoenlich.com. «Die gültige Verordnung über die geografischen Namen des BAV stammt aus dem Mai 2008.»

Der NZZ-Autor bringt in seiner Glosse eine Idee auf den Tisch. «Zahlreichen NZZ-Redaktorinnen und -lesern ist bereits aufgefallen, dass die Tramhaltestelle ‹Opernhaus› gar nicht neben dem Opernhaus liegt, sondern neben einem Zeitungsgebäude. Um diesen Makel zu beheben, liesse sie sich problemlos in ‹Zürcher Zeitung› umbenennen.» Damit könnte man für gerade mal 5000 Franken dem Zürcher Medienschaffen Reverenz erweisen. Und in Anspielung an die Haltestelle «Kantonalbank», die «mit der Bank gleichen Namens selbstverständlich nichts zu tun» habe, heisst es zum Haltestellenvorschlag «Zürcher Zeitung» weiter: «Der Name gälte nicht der ‹Neuen Zürcher Zeitung›, sondern der Zürcher Zeitung an sich, versteht sich.»

«Dammweg» soll verschwinden

Die nächste Umbenennung auf Stadtgebiet wird übrigens voraussichtlich auf den Fahrplanwechsel im Dezember 2019 hin stattfinden, wie aus der Antwort des Zürcher Stadtrats weiter hervorgeht. Das Präsidialdepartement wünscht, die Haltestelle «Dammweg» umzubenennen – in «Löwenbräu». Offenbar kein Problem, schliesslich wurde das Unternehmen 1984 von der Brauerei Hürlimann übernommen und die Betriebsstätte 1986 geschlossen.

 



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Kommentare

  • Hans Kaufmann, 05.04.2019 18:39 Uhr
    Sind dies die einzigen Probleme, die die Politiker haben?
  • Paul Burkhalter, 18.03.2019 12:22 Uhr
    In Basel gibt es seit "Menschengedenken" die Haltestelle "Bankverein" - als es ihn noch gab und auch nach der Fusion...also easy....Paul Burkhalter
Kommentarfunktion wurde geschlossen

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