12.06.2026

ADC Switzerland

Wenn man den ADC neu erfinden dürfte

Mehr Frauen, mehr Junge, mehr Treffen – und weniger Fokus auf Awards: Das ADC-Jubiläum war Anlass, den Club grundsätzlich zu hinterfragen – mit überraschend selbstkritischen Tönen, auch von ganz oben.
ADC Switzerland: Wenn man den ADC neu erfinden dürfte
Panel zur Neugründung des ADC Switzerland am Donnerstagnachmittag im Kraftwerk Zürich (v.l.): Jan Kempter, Josephine Jeanguenin, Moderatorin Sherin Kneifl und Thomas Wildberger. (Bild: persoenlich.com/cbe)

Am späten Donnerstagnachmittag diskutierten ADC-Präsident Thomas Wildberger, «Werber des Jahres» Jan Kempter und ADC Young Member Josephine Jeanguenin am Kreativfestival, wie der ADC Switzerland heute aussehen würde, wenn man ihn neu gründete.

Ausgangspunkt war eine Frage aus dem ADC-Jubiläumsmagazin: Was wäre, wenn man den Club auflöst und neu aufbaut? Moderatorin Sherin Kneifl stellte sie einem grösseren Publikum – und löste eine lebhafte Debatte aus. Wildberger ergänzte: «Wenn man 50 wird, kann man sich ruhig mal ein wenig mit sich auseinandersetzen und einen neuen Weg einschlagen.» Er selbst sei vor zwei Jahren auch 50 geworden.

«Nicht so viele weibliche Vorbilder»

Ein erstes Thema war das Geschlechterverhältnis. Jeanguenin verwies darauf, dass nur 16 Prozent der Jurymitglieder Frauen seien. «Es gibt nach wie vor nicht so viele weibliche Vorbilder», sagte sie. «Wenn man eigene Thematiken hat – auf wen geht man dann zu?» Wildberger räumte ein: «Würden wir den Club heute neu gründen, wäre es von Anfang an ausgeglichen. Der Club wurde vor 50 Jahren ausschliesslich von Männern gegründet – und die Entwicklung ist genauso weitergegangen.»

Zweites Thema war die Öffnung des Clubs. Wildberger erinnerte daran, dass der Club bewusst von «Art Directors Club» zu «ADC» umbenannt worden sei, um zu signalisieren, dass er nicht nur klassischen Werbern offensteht. «Es geht wirklich um Kreativität. Zu der kann jeder etwas beitragen.» Kempter plädierte dafür, den ADC weniger eng zu definieren: «Ich würde den Club weniger exklusiv machen – mehr Leute aufnehmen, aber kreative Exzellenz bleibt wichtig für die Jury.»

Die jüngere Generation fühle sich zwar gehört, so Jeanguenin, aber es fehle an Durchmischung: «Ich fände es mega cool, wenn auch zwei Young Members im Vorstand wären.» Kempter ergänzte, er wünsche sich ein Mentor-System und echten gegenseitigen Austausch: «Man kann sicherlich jeden Tag zusammen lernen.»

Diskutiert wurde auch, ob Engagement für den Nachwuchs und die Branche künftig stärker gewichtet werden sollte – nicht nur Awards. «Wenn jemand dafür brennt und engagiert ist, dürfte das auch eine Wertung bekommen», so Jeanguenin. Und alle drei waren sich einig: Der Club solle sich künftig nicht nur einmal jährlich treffen, sondern regelmässiger – kleiner, aber häufiger. Wildberger fasste es so zusammen: «Wir müssen den Club-Gedanken neu definieren. Man muss es schaffen, dass man sich tatsächlich viel mehr trifft.»


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KOMMENTARE

Inken Rohweder von Trotha
13.06.2026 00:36 Uhr
Es wäre dem ADC zuträglicher, wenn Roger Federers gebrauchte ON-Schuhe, die bei der Tombola verlost werden, statt diesem Beitrag eine Plattform bekämen. «Der Club wurde vor 50 Jahren ausschliesslich von Männern gegründet – und die Entwicklung ist genauso weitergegangen.» Na, dann wissen wir Frauen ja endlich, wo wir stehen seit 50, 100 oder 5000 Jahren. Nämlich ganz am Anfang.
Markus Tränkle
12.06.2026 23:26 Uhr
Der Club wird sich von selbst auflösen, weiter in der Bedeutungslosigkeit verschwinden und das ist gut so. Was einmal wichtig war, die genaue Dokumentation, um der Branche zu helfen, wird sträflich vernachlässigt.
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