25.02.2019

Contexta

Wenn plötzlich über den Tod gesprochen wird

Die Kampagne des Bundesamts für Gesundheit soll motivieren, sich für eine Organspende zu entscheiden. Herzstück ist ein humorvoller Clip. Mit dessen Umsetzung hat die Berner Werbeagentur die erfolgreichen Giger Brüder beauftragt.

«Rede über Organspende. Deinen Liebsten zuliebe», so die Botschaft der neuen Sensibilisierungskampagne, die das Bundesamt für Gesundheit (BAG) zusammen mit Swisstransplant am Montag lanciert hat. Gemäss Umfragen befürworten 80 Prozent der Schweizer Bevölkerung die Organspende, doch nur die wenigsten teilen ihren Willen den Angehörigen mit. Ziel der Kampagne ist es denn auch nicht, Überzeugungsarbeit zu leisten, sondern auf die Entlastung der Angehörigen hinzuweisen, wie es in einer Mitteilung heisst.

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Jede und jeder kann plötzlich mit der Frage konfrontiert sein, ob die Organe eines verstorbenen Angehörigen zur Entnahme freigegeben werden sollen oder nicht. Dies ist ein sehr schwieriger Entscheid. Wer also seinen Willen zur Organspende frühzeitig kundtut, entlastet seine Familie ungemein – und entscheidet selber, was nach dem Tod mit dem eigenen Körper geschieht.

Für die Umsetzung setzte die Berner Agentur Contexta auf die renommierte Filmproduktion Stories und ihre Jungtalente, die Giger Brüder. Der 23-jährige Flurin, verantwortlich für Drehbuch und Regie, und der 21-jährige Silvan, verantwortlich für die Kamera, schafften 2016 mit ihrem ersten Kurzfilm «Ruah» einen Exploit: Sie wurden zu den internationalen Filmfestspielen von Venedig eingeladen. 2018 lief ihr zweiter Kurzfilm «Schächer» bei der Semaine de la Critique in Cannes. Das Duo hatte trotz ihres jungen Alters schon Grössen wie Johnny Depp oder Judi Dench vor der Linse.

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Dass der Entscheid auf die beiden Ausnahmetalente gefallen ist, sei kein Zufall, heisst es in der Mitteilung. Denn Menschen dazu zu bewegen, sich mit dem Tod und der Organspende auseinanderzusetzen, benötige Fingerspitzengefühl. In ihrem Kurzfilm «Schächer» über die Unausweichlichkeit des Todes hätten die Giger Brüder gezeigt, dass sie darüber verfügen. «Wir wollten den Betrachter auf das Thema Organspende ansprechen, ohne aufdringlich zu sein. Durch eine witzig-skurrile und doch ernste fiktionale Geschichte, die zum Reden anregen soll», wird Flurin zitiert.

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Herzstück der Kampagne ist ein Spot für Social Media und TV, der das heikle Thema der Organspende auf humorvolle Weise anspricht. Entstanden ist zudem ein Printsujet.

Der Bevölkerung stehen überdies ein Informationsfilm zur Willensäusserung und eine Informationsbroschüre mit integrierter Organspende-Karte zur Verfügung.

Weitere Informationen sind auf der Seite leben-ist-teilen.ch zu finden.

Die Kampagne erstreckt sich über drei Jahre bis 2021. Das jährliche Budget liegt bei 1,17 Millionen Franken. Ende 2018 wurde eine neue Höchstzahl von 18,6 Spender pro Million Einwohner erreicht. Mit der Verlängerung des Aktionsplans «Mehr Organe für Transplantationen» soll diese Zahl bis 2021 auf 22 Spender pro Million Einwohner erhöht werden.

Verantwortlich beim Bundesamt für Gesundheit BAG: Adrian Kammer (Leiter Sektion Gesundheitsinformation und Kampagnen), Cinzia Pastore Ferrari (Co-Projektleiterin Kampagnen), Susanne Nyfeler (Co-Ltg. Sektion Transplantation und Fortpflanzungsmedizin und Co-Ltg. Organspende-Kampagne), Christa Käser (Co-Projektleiterin); verantwortliche Agentur: Contexta; Produktion: Stories, Regie: Flurin Giger, DoP: Silvan Giger, Executive Producer: Yves Bollag, Producer: Angelique Ingold, Postproduction Producer: Billy Bains, Schnitt: Flurin Giger, Silvan Giger & Noëmi Preiswerk, Color Grading: Adriel Pfister, Sprachaufnahmen: UKO, Musik & Sound Design: Fabian Sturzenegger, Sound Mix: Michael Schwarz/Jingle Jungle, Media: Mediascheider Bern. (pd/as)


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KOMMENTARE

Roland Graf
26.02.2019 11:33 Uhr
Die neue Kampagne ist kein Fortschritt gegenüber der alten. Über die Organentnahme nach Therapieabbruch / Herz-Kreislaufstillstand wird immer noch nicht aktiv informiert. Im Organspendeausweis und im Spenderegister kann man zwischen den zwei Entnahmearten nach klassischem Hirntod und Herz-Kreislaufstillstand nicht unterscheiden. Die dazu gehörende Broschüre setzt leider immer noch auf irreführende Weise die beiden Organentnahmearten gleich. Desinformation für 1,17 Millionen pro Jahr!
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