15.07.2026

Zuversichtsstudie

«Zuversicht ist keine Lösung auf Knopfdruck»

Eine Woche nach Start der Kampagne «Sicher geht das» doppelt Helvetia nach: Eine repräsentative Studie zeigt, dass 80 Prozent der Schweizer Bevölkerung zuversichtlich aufs nächste Jahr blicken. Raul Serrat, Kreativchef von Serviceplan Suisse, und Markus Bucheli, Marketingchef von Helvetia, erklären im Interview, wie die Studie die Kampagne geprägt hat.
Zuversichtsstudie: «Zuversicht ist keine Lösung auf Knopfdruck»
«‹Sicher geht das› heisst nicht, dass alles leicht wird. Es heisst: Es lohnt sich, nach vorne zu schauen»: Raul Serrat (links), Chief Creative Officer & Partner Serviceplan Suisse im House of Communication Zurich, und Markus Bucheli, Head Marketing & Market Communications Helvetia. (Bild: zVg)

Herr Bucheli, wann haben Sie sich das letzte Mal gesagt: «Sicher geht das»?
Markus Bucheli: Als Anfang Februar 2026 klar wurde, wie wenig Zeit uns bis zur Lancierungskampagne und zum Rebranding in der Schweiz und in Deutschland bleibt. Da war ziemlich schnell klar: Das wird sportlich. Aber genau in solchen Momenten muss man sich sagen: Sicher geht das.

Und Sie, Raul Serrat?
Raul Serrat: Für mich war es der Moment, als wir den Pitch gewonnen haben. Aus einer Idee wurde plötzlich ein echter Auftrag, mit allem, was dazugehört: Marke entwickeln, Rebranding vorbereiten, Kampagne lancieren. Und das alles – Herr Bucheli hat es erwähnt – in kurzer Zeit. Da merkt man sehr schnell, ob ein Team nur eine schöne Idee hat oder wirklich daran glaubt. «Sicher geht das» war für uns deshalb nicht nur eine Kampagnenzeile, sondern fast schon die Arbeitsweise.

«Der Satz erklärt sich fast von selbst»

«Sicher geht das» ist die Leitidee Ihrer neuen Kampagne, die seit einer Woche live ist. Welche Feedbacks haben Sie bisher dazu erhalten?
Bucheli: Viele Rückmeldungen kamen aus dem Vertrieb. Dort wurde sehr positiv aufgenommen, dass wir Helvetia noch stärker als ermutigenden Lebensbegleiter positionieren wollen. Für uns bringt «Sicher geht das» ziemlich gut auf den Punkt, welche Rolle wir einnehmen möchten: In einer Welt, die immer komplexer wird, wollen wir ein verlässlicher Partner sein.

Serrat: Das Schöne ist: Der Satz erklärt sich fast von selbst. Viele verstehen sofort, welche Haltung dahintersteckt. Er klingt nicht grossspurig, sondern zuversichtlich. Und er funktioniert nicht nur nach aussen. Auch intern hat er Energie ausgelöst.

Passend zur Leitidee veröffentlichen Sie nun eine Studie, die zeigt, dass 80 Prozent der Schweizer Bevölkerung zuversichtlich aufs nächste Jahr blicken. War diese Studie die inhaltliche Grundlage für die Markenplattform, oder wurden Kampagne und Studie unabhängig voneinander entwickelt und erst später zusammengeführt?
Bucheli: Am Anfang stand die Beobachtung, dass Entscheidungen für viele Menschen schwieriger geworden sind. Die Welt fühlt sich unsicherer an, vieles verändert sich schneller. Das wollten wir besser verstehen. Aus dieser Auseinandersetzung entstand die Idee zur Studie. Besonders spannend war für uns die Erkenntnis, dass Zuversicht sehr stark aus Beziehungen entsteht, also aus Familie, Freundschaften und Nähe. Diese Einsicht hat dann auch unsere Kampagnenmotive geprägt.

Serrat: Mich hat vor allem dieser Widerspruch interessiert: Die Menschen schauen grundsätzlich positiv nach vorne, trauen sich aber gleichzeitig oft weniger zu, als sie könnten. Genau in dieser Spannung liegt die Kraft von «Sicher geht das».


Die Studie zeigt gleichzeitig, dass fehlende finanzielle Mittel eines der grössten Hindernisse sind, um Lebensziele zu erreichen. Wie passt das zu einer Kampagne, die von 80 Prozent Zuversicht spricht?
Bucheli: Zuversicht heisst nicht, dass alles einfach ist. Wenn es konkret um Lebensziele geht, wird das Bild differenzierter, vor allem bei jüngeren Menschen. Familie und Ehe werden noch sehr zuversichtlich betrachtet. Bei Wohneigentum, beruflicher Erfüllung, Gesundheit im Alter oder finanziellem Wohlstand nimmt die Zuversicht ab. Und wenn man fragt, was die Menschen zurückhält, werden finanzielle Mittel sehr oft genannt. Genau deshalb ist es wichtig, früh über Sparen, Vorsorge und gezieltes Anlegen zu sprechen.

Serrat: Zuversicht ist keine Lösung auf Knopfdruck. Aber sie ist oft der Anfang davon. Sie bringt Menschen überhaupt erst dazu, sich mit einem Ziel auseinanderzusetzen und den ersten Schritt zu machen.

Weshalb hat sich Helvetia entschieden, die Studie nicht als reines Sorgenbarometer, sondern explizit als «Zuversichtsstudie» anzulegen? War das eine bewusste Antithese zu bestehenden Umfragen wie dem Sorgenbarometer?
Bucheli: Über Sorgen wissen wir schon sehr viel. Geopolitik, Migration, steigende Gesundheitskosten, Lebenshaltungskosten, Klimawandel oder Altersvorsorge tauchen regelmässig weit oben auf. Uns interessierte die andere Seite: Was gibt Menschen trotz all dieser Themen Halt? Was ermutigt sie, ihre Lebensziele trotzdem anzugehen? Genau dort wollen wir als Helvetia ansetzen, sei es beim beruflichen Neuanfang, beim Eigenheim, bei einer längeren Ausbildung oder beim Wunsch, früher in Pension zu gehen.

«Über Sorgen wird in der Schweiz viel gesprochen. Über Zuversicht weniger»

Wird die Studie zu einer wiederkehrenden Grösse, die Helvetia jährlich oder periodisch wiederholt, ähnlich wie andere Sorgenbarometer?
Bucheli: Das ist noch offen. Wir wissen heute noch nicht, ob wir die Studie in dieser Breite wiederholen – und wenn ja, in welcher Kadenz. Klar ist aber: Wir werden weiterhin genau hinhören, was unsere Kundinnen und Kunden beschäftigt, was sie brauchen und wo sie Unterstützung erwarten.

Serrat: Ich fände es sehr spannend. Über Sorgen wird in der Schweiz viel gesprochen. Über Zuversicht weniger. Dabei ist sie oft der Moment, in dem Veränderung überhaupt beginnt.

Die Studie zeigt Unterschiede nach Einkommen, Alter und Sprachregion, etwa deutlich weniger Zuversicht in der Romandie und bei tieferen Einkommen. Beeinflusst das die Ansprache in der Kommunikation, oder bleibt die Kampagne bewusst einheitlich?
Serrat: Für mich war entscheidend, nicht bei den Unterschieden stehen zu bleiben. Mich interessiert, was Menschen verbindet. Deshalb ist die Kampagne bewusst breit angelegt. «Sicher geht das» ist keine Botschaft für eine einzelne Gruppe, sondern eine Haltung.

Bucheli: Natürlich schauen wir sehr genau hin, wen wir wie ansprechen. Die Kampagne soll sowohl bei bestehenden Kundinnen und Kunden als auch bei unseren definierten Zielgruppen funktionieren. Die Grundhaltung bleibt aber dieselbe.

Auffällig ist der Geschlechterunterschied beim Druck rund um Finanzen und Wohneigentum. Spiegelt sich das in der Bildsprache oder den Kampagnenmotiven wider?
Serrat: Nein, nicht im Sinne einer direkten Übersetzung der Studienergebnisse. Wir zeigen Lebensmomente, die viele Menschen kennen. Unterschiedliche Menschen, unterschiedliche Situationen, unterschiedliche Lebensentwürfe. Genau daraus entsteht die Vielfalt der Kampagne.

Bucheli: Die Unterschiede nehmen wir ernst. Gleichzeitig war uns wichtig, keine Kampagne zu machen, die Menschen in Schubladen steckt. Die Botschaft soll für alle Geschlechter funktionieren.

Die Kampagne verschiebt den Fokus «weg von der Absicherung des Schadenfalls, hin zur Ermöglichung von Entscheidungen». Wie belastbar ist dieser Anspruch aus Sicht der Studie? Zeigen die Daten tatsächlich, dass Menschen Versicherungen heute anders wahrnehmen wollen?
Bucheli: Die Studie hat nicht direkt abgefragt, wie Menschen Versicherungen wahrnehmen. Für uns bleibt klar: Schadenfälle sauber und zuverlässig abzuwickeln, ist und bleibt zentral. Gleichzeitig möchten wir in Bereichen wie Vorsorge, Vermögen und Eigenheim mehr sein als reine Absicherung. Wir wollen Menschen helfen, Entscheidungen zu treffen und ihre nächsten Schritte zu planen.

Serrat: Versicherungen sprechen sehr oft über Risiken. Das ist verständlich. Uns interessierte aber die Frage dahinter: Was macht Sicherheit möglich? Wenn Sicherheit Menschen hilft, etwas anzugehen, wird sie plötzlich viel aktiver. Genau das wollten wir erzählen.

Zum Schluss nochmals zurück zum Anfang: Was würden Sie den 20 Prozent sagen, die eben nicht zuversichtlich aufs nächste Jahr blicken? «Sicher geht das»?
Bucheli: Ich würde nicht einfach sagen: «Kopf hoch, das wird schon.» So einfach ist es nicht. Die Studie zeigt aber, dass Zuversicht dort entsteht, wo Menschen Halt erleben: in Beziehungen, in der Gesundheit, im Selbstvertrauen und auch in finanzieller Sicherheit. Bei diesem letzten Punkt können wir als Helvetia konkret unterstützen. Wir wollen da sein, wenn es darauf ankommt, und Menschen helfen, ihre Ziele Schritt für Schritt anzugehen.

Serrat: «Sicher geht das» heisst nicht, dass alles leicht wird. Es heisst: Es lohnt sich, nach vorne zu schauen. Und manchmal beginnt genau dort die Veränderung.


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