29.05.2024

Post

Abbau von weiteren eigenen Filialen

Die Schweizerische Post schliesst bis 2028 rund jede fünfte ihrer Filialen. Damit werden in vier Jahren noch 600 Poststellen und 2000 bediente Standorte zur Verfügung stehen. Stellen dürften deswegen keine abgebaut werden. Die Gewerkschaften kritisieren die Pläne auf Schärfste. Sie kämen einem Abbau des Service public gleich.
Post: Abbau von weiteren eigenen Filialen
Post-CEO Roberto Cirillo gibt am Mittwoch zur angekündigten Schliessung von 170 Poststellen ein Interview. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

«Wir müssen anerkennen, dass in den letzten vier Jahren eine Veränderung stattgefunden hat, was das Verhalten unserer Kundschaft angeht», sagte Post-Konzernchef Roberto Cirillo der Nachrichtenagentur Keystone-SDA am Mittwoch. Die Dienstleistungen am Schalter würden immer weniger in Anspruch genommen. Deswegen müsse die Post ihr Netz anpassen.

Welche Standorte geschlossen werden, ist gemäss Cirillo noch nicht entschieden. Die Post werde zusammen mit den Gemeinden Nachfolgelösungen suchen. Es werde weiterhin ein flächendeckendes Netz gewährleistet mit 600 eigen-betriebenen Filialen und 2000 bedienten Standorten überall in der Schweiz, «in den Tälern wie auch in den Städten».

Das wären rund 763 Agenturen mehr als Ende 2023. Er sei deshalb «zuversichtlich, dass die Bevölkerung auch in Zukunft eine hohe Qualität des Service public der Post in Anspruch nehmen kann», sagte Cirillo.

Mehr Stellen besetzen als abbauen

Zu Kündigungen werde es durch den Abbau nicht kommen, hiess es bei der Post auf Anfrage. Möglich seien jedoch Arbeitsplatzwechsel. «Ob es dann punktuell an einem bestimmten Standort anders sein wird, werden wir sehen müssen», sagte der Post-Konzernchef.

Sein Vize und Chef des Poststellennetzes Thomas Baur geht davon aus, dass die Post mit dem Umbau des Netzes bis 2028 rund 30 Millionen Franken einsparen und 680 Vollzeitstellen weniger benötigen wird, wie er gegenüber der Online-Plattform blick.ch sagte. Doch wegen der Pensionierungen und sonstiger Abgänge müsse das Unternehmen bis dahin rund 1380 Stellen neu besetzen. Unter dem Strich seien also noch 700 neue Leute gesucht.

«Nicht akzeptabel»

Trotzdem kritisierte die Gewerkschaft Syndicom die Pläne der Post auf Schärfste. Sie kämen einem Abbau des Service public gleich. Syndicom werde alles in ihrer Macht stehende unternehmen, um so viele Postfilialen wie möglich zu erhalten.

Auch für die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB) ist ein weiterer Abbau nicht akzeptabel. In Berggebieten und ländlichen Räumen sei das Postellennetz bereits heute zu stark ausgedünnt. Und die alternativen Angebote böten nicht den gleichen Umfang an Dienstleistungen.

Auch Kundschaft betroffen

Der Personalverband Transfair teilte mit, es sei jetzt wichtig, dass die Angestellten ihre Arbeitsplätze behalten könnten und sie dem Gesamtarbeitsvertrag der Post unterstellt seien. Auch die Kundschaft werde den Abbau zu spüren bekommen, insbesondere ältere Menschen und Menschen mit Beeinträchtigung. Hier erwarte Transfair besondere Anstrengungen von der Post.

Die Eidgenössische Postkommission (Postcom) hielt auf Anfrage fest, das Postgesetz lege keine Anzahl von Poststellen oder -agenturen fest sondern nur Erreichbarkeits- und Dichte-Kriterien. Sichergestellt sein müsse eine flächendeckende und für alle zugänglich und finanzierbare postalische Grundversorgung.

Solange die Post diese Verpflichtungen erfülle, könne sich die Postcom nicht zu einem Abbau äussern. Denn bei deren Umsetzung verfüge die Post über einen gewissen Handlungsspielraum, sagte Postcom-Präsidentin und alt Ständerätin Anne Seydoux-Christe (Mitte/JU) Keystone-SDA. (sda/cbe)


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