09.05.2022

Onlinehandel

Ältere Kundschaft kauft lieber im Laden ein

Eine Digitec-Galaxus-Analyse zeigt, dass in der Schweiz während der Pandemie wenig von einem Kaufrausch der «Silver Surfer» zu spüren war. Zudem: Der Umsatz des E-Commerce durch Einkäufe der über 60-Jährigen ist nur unwesentlich gewachsen.
Onlinehandel: Ältere Kundschaft kauft lieber im Laden ein
Der Anteil der über 60-Jährigen an der gesamten Kundschaft von Digitec Galaxus ist während der Pandemie auf 12 Prozent geschrumpft. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Was bereits viele Studien gezeigt haben, trifft auch für die Kundschaft von Digitec Galaxus zu: Die Corona-Pandemie hat dem Onlinehandel einen «nie zuvor gesehenen Boom» beschert, wie es in einer Mitteilung des Warenhauses heisst. 2021 hätten demnach 2,23 Millionen Privatkundinnen und Privatkunden mindestens einmal etwas bei Digitec oder Galaxus gekauft – 980'000 mehr als im Jahr 2019. Der Umsatz der beiden Onlineshops ist in derselben Zeit um 85 Prozent gestiegen, während der gesamte Schweizer Onlinehandel um 45 Prozent zulegen konnte.

Verschiedentlich wurde gemäss Mitteilung die Vermutung geäussert, dass vor allem die «Silver Surfer» fürs starke Wachstum verantwortlich sind, sprich die Konsumentinnen und Konsumenten ab 60 Jahren. In Deutschland vermeldete etwa der «Bundesverband E-Commerce und Versandhandel», dass dort die über 60-Jährigen im Jahr 2020 bereits für 31 Prozent der Online-Umsätze verantwortlich waren – nach bloss 23 Prozent im Jahr zuvor. Und Marktforscher Euromonitor sieht in den Einkäufen der «digital Seniors» einen der wichtigsten Konsumtrends des Jahrs 2022.

100'000 Silver Surfer gewonnen

In der Schweiz ist von einem Kaufrausch der Seniorinnen und Senioren dagegen wenig zu spüren – zumindest nicht bei der Kundschaft von Digitec Galaxus, wie es weiter heisst: Zwar hätten 2021 rund 100'000 Silver Surfer mehr beim laut eigenen Angaben grössten Onlinehändler der Schweiz eingekauft. Das seien knapp 40 Prozent mehr als 2019. Deren Anteil an der gesamten Kundschaft hat damit aber abgenommen, und zwar auf 12 Prozent. Zum Vergleich: In der Schweiz war Ende 2020 ein Viertel der Bevölkerung älter als 60.

Überdurchschnittlich gewachsen sei zwischen 2019 und 2021 einzig die Zahl der unter 30-jährigen Kundinnen und Kunden, und zwar von 17 auf über 22 Prozent. Das mittlere Alterssegment der 30- bis 49-Jährigen sei zwar anteilsmässig geschrumpft, mache aber immer noch über die Hälfte der Kundschaft aus, die mindestens einmal im Jahr 2021 bei Digitec oder Galaxus etwas eingekauft habe.

Doch die Anzahl Kundinnen und Kunden je Alterssegment sei laut Mitteilung «bloss die halbe Wahrheit, schliesslich spricht der genannte E-Commerce-Verband von Umsätzen». Und hier zeigt sich tatsächlich ein Wachstum bei den «Silver Surfern» – wenn auch bloss ein kleines: Zwischen 2019 und 2021 hat der Umsatz-Anteil der über 60-Jährigen um 0,4 Prozentpunkte auf 7,6 Prozent zugenommen. Das ist allerdings noch weiter von den in Deutschland proklamierten 31 Prozent entfernt als die erwähnten 12 Prozent Anteil an der Kundschaft. Und Digitec Galaxus sei kein Einzelfall: Auch beim Lebensmittelhändler Migros Online betrage der Anteil der Senioren und Seniorinnen an der Gesamtkundschaft 12 Prozent.

«In den letzten beiden Jahren haben sich zwar viele ältere Konsumentinnen und Konsumenten an den Einkauf im Internet gewöhnt, z.B. wegen der bequemen Lieferung nachhause», lässt sich Martin Walthert, Marketingverantwortlicher von Digitec Galaxus, in der Mitteilung zitieren: «Die jüngere Kundschaft fühlt sich aber offensichtlich noch stärker von der Dienstleistung und vom Marken-Auftritt von Digitec beziehungsweise Galaxus angesprochen».

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Wird der Anteil der Alterskohorten, die 2021 mindestens einmal bei Digitec Galaxus eingekauft haben, mit dem Umsatz verglichen, die diese Kohorten in den beiden Jahren generiert haben – dann zeigt sich gemäss Mitteilung: Die 30- bis 49-Jährigen sind «überdurchschnittlich kauffreudige Kundinnen und Kunden». Die unter 30-jährige Kundschaft hinke dagegen etwas hinterher. Und je älter die Kundschaft sei, desto weniger kauft sie online ein.

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«Ich vermute, dass sich das Gewicht unserer Kundschaft und deren Umsätze in den nächsten Jahren nach und nach in die höheren Alterssegmente verschieben werden», so Walthert weiter. Denn mit der demografischen Entwicklung würden mehr und mehr Menschen in die älteren Kohorten rücken – Menschen, für die der Einkauf im Internet längst Alltag ist. (pd/tim)



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