26.02.2003

Alcopops

Bundesrat will Sondersteuer

Verärgerung bei Spirituosenhändlern -- Genugtuung bei SFA.

Alcopops sollen mit einer hohen Sondersteuer belegt werden. Mit dieser Massnahme will der Bundesrat Jugendliche davon abhalten, die alkoholhaltigen Süssgetränke zu konsumieren. Die Fachstelle für Alkoholprobleme freut dies, die Spirituosenbranche weniger. Folgt das Parlament dem Antrag des Bundesrats, besteuert der Bund Alcopops künftig mit einem Satz, der viermal höher liegt als der normale Steuersatz auf Spirituosen. Demnach würde die Steuer auf einem 2.75-Deziliter-Fläschchen zu 5.6 Volumenprozent ungefähr 1.80 Franken ausmachen.

Riegel schieben

Fast 40 Millionen Fläschchen Alcopops wurden letztes Jahr in der Schweiz konsumiert. Die Preise sind tief, typischer Alkoholgeschmack fehlt. Wegen des Zuckers und der Kohlensäure steigt dafür der Promillepegel im Blut schneller. Just dies macht das an Partys begehrte Modegetränk für Kinder und Jugendliche gefährlich. Alcopops spielten "eine wesentliche Rolle bei der Gewöhnung von neuen Konsumentinnen und Konsumenten an alkoholische Getränke und an das Rauschgefühl", hält der Bundesrat fest. Solchen Entwicklungen sei ein Riegel zu schieben. Er stützt sich auf Erfahrungswerte. Frankreich hat laut der Botschaft mit einer vergleichbaren Regelung grossen Erfolg erzielt: Dort liege der Konsum von Alcopops "fast bei null".

Spirituosenverband: 'Scheinheilig'

Dass der Alcopops-Markt nun auch in der Schweiz zum Erliegen kommen wird, davon geht auch der Schweizerische Spirituosenverband (SSV) aus. Damit habe der Bundesrat aber ein Eigentor geschossen. Dem Bund würden durch das Verschwinden der Alcopops rund 30 Mio. Steuereinnahmen entgehen. Der SSV mag auch nicht an einen positiven gesundheitspolitischen Effekt glauben und spricht von "Scheinheiligkeit". Der Konsum werde sich einfach auf Bier und Wein verlagern.


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