18.07.2020

Österreich

Coronakampagne kostete zehn Millionen Euro

Dies geht aus der Beantwortung einer FPÖ-Anfrage an Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hervor. Dass die Agentur Wavemaker ohne Ausschreibung betraut wurde, sehen Politiker wie Alois Kainz bei allem Verständnis für gebotenes schnelles Handeln skeptisch.
Österreich: Coronakampagne kostete zehn Millionen Euro
Ein Hinweisschild für Corona-Sicherheitsmaßnahmen aufgenommen am Donnerstag, 9. Juli 2020, in der Linzer Innenstadt. (Bild: Keystone/Helmut Fohringer)

Mehr als 10 Millionen Euro kostete die Schaltung von Coronavirus-Aufklärungs-Inseraten, Spots in privaten TV- und Radiokanälen und Online-Info in Österreich. Dies galt für den Zeitraum von März bis Ende Mai.

Ausnahmesituation als Grund

Man habe das österreichische Bundesvergabegesetz eingehalten und in Abstimmung mit der Finanzprokuratur gehandelt, versicherte Kurz in der Anfragebeantwortung. Die ersten Phasen der Kampagne habe man angesichts der «Ausnahmesituation» mittels Verhandlungsverfahren ohne vorherige Bekanntmachung – also per «Notvergabe» – in Auftrag gegeben. Für die späteren Phasen der Kampagne wurde für einen Rahmenvertrag laut Kurz am 19. März ein Verhandlungsverfahren nach Bekanntmachung gestartet.

Für die Agentur Wavemaker (im Eigentum der Werbeagentur Young & Rubicam) entschied man sich laut Kurz wegen ihrer «hohen Expertise und Erfahrung im Bereich von Medienkampagnen» sowie früherer «erfolgreicher Zusammenarbeit». Auf die Einholung von Vergleichsangeboten habe man «aufgrund der Dringlichkeit abgesehen», zumal sich das Entgelt «im normalen Rahmen» bewege.

Aufgabe von Wavemaker war die Abwicklung der – vom Roten Kreuz entworfenen – Aufklärungskampagne, von der strategischen Planung der Medienschaltungen bis zur Buchung in tagesaktuellen Medien. Zwischen 14. März und 31. Mai (Phase 6 ist nur veranschlagt, noch nicht abgerechnet) wurde in 263 Inseraten in Tageszeitungen und Magazinen über Corona informiert, das kostete laut Kurz 6,2 Millionen Euro. Für 2273 Spots im privaten Hörfunk und 6183 im Privat-Fernsehen bekam Wavemaker 2,7 Millionen Euro. Für Online-Information wurden bis Ende Mai 1,7 Millionen Euro verrechnet.

Weitere Fragezeichen

Anfragesteller Kainz zeigte sich in einer Stellungnahme «skeptisch, warum genau Wavemaker den Auftrag bekommen hat». Dies auch, weil Kurz seine Frage nach Verwandtschaftsverhältnissen zwischen der Wavemaker-Geschäftsführung und Regierungs- beziehungsweise Kabinettsmitgliedern nicht beantwortet habe.

Er könne nicht nachvollziehen, warum keine Angebote von anderen Unternehmen eingeholt worden seien. Und Wavemaker habe vor kurzem von der Regierung einen weiteren Auftrag in Höhe von 25 Millionen Euro für Mediaagenturleistungen und -schaltungen bekommen. Da stelle sich schon die Frage, «wie gewissenhaft und korrekt hier gearbeitet wurde», meinte Kainz. (sda/apa/lol)



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