Herr Biver, Hublot sponsert die Zeitmessung an der Europameisterschaft. Was erhoffen Sie sich davon?
Den gleichen Effekt wie vor vier Jahren, als Hublot erstmals als Fussballsponsor an der Europameisterschaft in der Schweiz und Österreich auftrat. Dadurch wurde unser Name plötzlich weltberühmt, und man setzte uns mit Milliardenfirmen wie Heineken oder Nike, die auch als Sponsoren auftraten, gleich. Für uns sind aber nicht die Spiele in der Ukraine und Polen das Wichtigste, sondern die TV-Übertragungen, die Millionen von Zuschauern garantieren.
Können Sie Ihre Präsenz überhaupt messen?
Nein, dies erfolgt gefühlsmässig. Gerade die Japaner haben uns immer wieder auf unsere Fernsehpräsenz während der Weltmeisterschaft 2010 angesprochen. Wir hängten anschliessend die Bilder in die Schaufenster unserer Läden und appellierten so an den Wiedererkennungswert, was sich äusserst positiv auf den Bekanntheitsgrad von Hublot auswirkte. Gleichzeitig sind die Europameisterschaften eine gute Plattform, um wohlhabende und berühmte Kunden, Juweliere oder Journalisten an ein Spiel einzuladen. Gegenüber einem normalen Cocktail nehmen rund 80 Prozent der Angeschriebe- nen die Einladung an. Eine Europameisterschaft ist in jeder Beziehung etwas Aussergewöhnliches.
Verkaufen Sie Uhren während der Europameisterschaft?
Nein, wir nicht. Aber selbstverständlich verkaufen die Juweliere in Polen und der Ukraine während der Euro Hublot-Uhren.
Wie sieht dann Ihr Auftritt an der Europameisterschaft aus?
Unsere Message ist ganz einfach: Wir wollen immer die Ersten oder anders als die anderen sein. Manchmal geht es, manchmal nicht. Wichtig ist aber, dass man sich immer diese Frage stellt. Als wir uns erstmals mit Fussballsponsoring beschäftigten, mussten wir einen neuen Weg suchen, um unsere Präsenz zu markieren. Plötzlich kamen wir auf die Idee, unter dem Schild, mit welchem der Schiedsrichter die Nachspielzeit andeutet, den Schriftzug "Hublot" anzufügen. Dies gab es bis 2008 nicht! Diese Idee haben wir bis zur Weltmeisterschaft in Katar auch geschützt. Ich bin wirklich stolz, eine neue Wer- beplattform erfunden zu haben.
Jetzt präsentieren Sie zwei Spezialmodelle in den Landesfarben von Polen und der Ukraine. Was bezwecken Sie damit?
Diese Uhr ist auch nicht auf 30 Minuten terminiert, sondern auf 45 Minuten, also auf die Länge einer Fussballhalbzeit. Wir wollen diese Uhren nicht nur in Polen und der Ukraine verkaufen, sondern auf der ganzen Welt. Es handelt sich dabei um eine kleine Erinnerung an unvergessliche Spiele.
Die nicht ganz billig ist ...
Nein, die Edition ist auf maximal 250 Exemplare limitiert. Eine Uhr kostet rund 30 000 Franken. Ich werde beispielsweise eine an meinen Sohn weitervererben. Uhren in dieser Preisklasse sollen vor allem Emotionen vermitteln. Wer die genaue Uhrzeit haben will, kauft sich besser eine Swatch oder ein iPhone. Ein Träger dieser Sonderedition wird sich aber ein Leben lang an den wun- derbaren Fussballevent erinnern.
Was haben Sie für eine Beziehung zur Ukraine?
Ehrlich gesagt, bin ich heute zum ersten Mal hier. Doch der Eindruck ist überwältigend. Das Stadion in Kiew ist sogar noch besser als dasjenige in Basel. Wenn Sie dort in der ersten Reihe sitzen und es beginnt zu regnen, werden Sie nass. In Kiew ist dies nicht der Fall. Dies ist doch bereits ein erheblicher Fortschritt.

Die meisten Fans können sich eine solche Uhr gar nicht leisten. Was erhoffen Sie sich überhaupt von einem solchen Fussballsponsoring?
Wir wollen mit unserem Sponsoring vor allem diejenigen Jugendlichen erreichen, die sich heute noch keine Hublot leisten können, später aber über das notwendige Kleingeld verfügen. Diese Käuferklasse erreicht man vor allem mit Fussball und der Formel 1. Wer sich im Polo engagiert, spricht vor allem die aktuelle Käuferklasse an. Oder kennen Sie einen Jugendlichen, der morgens um drei Uhr wegen einem Polospiel aufsteht? Mit Fussball erreichen Sie hingegen zwei verschiedene Zielgruppen: die aktuelle und die zukünftige.
Wie viel kostet Sie dieses Euro-Engagement?
Wir kommunizieren keine Zahlen. Um diese offenzulegen, braucht es zwei: die UEFA und uns. Nach meiner Einschätzung kostet unser Engagement weitaus weniger, als es schlussendlich einbringt. Wir haben dank unserer Sponsorentätigkeit bei der Euro 2008 und der WM 2010 in Südafrika unseren Bekanntheitsgrad massiv verstärken können. Gerade in Japan und China kennt uns mittlerweile jedes Kind.
Wie viel Prozent des Budgets geben Sie für Marketing aus?
Rund ein Fünftel.
Was sind Ihre nächsten Ziele? Angeblich haben Sie im letzten Jahr 300 Millionen Franken Umsatz erzielt.
Wir haben im vergangenen Jahr einen noch höheren Umsatz erzielt. Insgesamt ein Drittel mehr als im Vorjahr. Trotzdem haben wir unsere Flughöhe noch nicht erreicht. Unser Ziel ist es, unseren Umsatz in den nächsten fünf Jahren um 40 Prozent zu steigern. Diese Steigerung sollte aber nicht nur durch die Ausweitung der Produktion erfolgen, sondern durch die Wertsteigerung der einzelnen Uhren. Der durchschnittliche Ladenpreis einer Hublot-Uhr beträgt 25 000 Franken, unser Ziel ist es, diesen auf 27000 Franken zu erhöhen.

Sie haben soeben an der Basler Uhrenmesse die teuerste Uhr der Welt präsentiert, welche 4,5 Millionen Franken kostet. Wie realistisch ist überhaupt dieser Preis?
(Lacht.) Die teuerste Uhr der Welt war mit Diamanten ausgestattet. Und mit Diamanten kann man wirklich alles machen. Tatsache jedenfalls ist, wir haben mit diesem Modell sehr viel Beachtung bekommen.
Wie wird sich der Schweizer Uhrenexport insgesamt entwickeln?
Ich glaube, dass in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren sogar eine Verdoppelung des Uhrenexportes möglich ist. Dies würde eine Steigerung von 20 auf 40 Milliarden Franken bedeuten. Wir haben unser Potenzial vielleicht in Deutschland, Frankreich oder der Schweiz erreicht, in Asien oder Südamerika können wir immer noch zulegen. Auch das Problem der fehlenden Arbeitskräfte wird sich in den nächsten Jahren lösen lassen.
Haben Sie keine Angst vor einer Blase?
Nein, warum auch?
Sie wollen 2013 Ihre Produktionsfläche in Nyon verdoppeln ...
Wir investieren momentan in den Ausbau unserer Anlagen 30 Millionen Franken. Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass wir in vier Jahren 180 Angestellte mehr beschäftigen, insgesamt also rund 500. Wir werden ab 2013 rund 80 Prozent der Uhrwerke selbst produzieren, was in der Schweiz einmalig ist. Die Quarzwerke hingegen produziert weiterhin ETA für uns.
Sie sind mittlerweile nicht mehr im operativen Geschäft tätig, sondern nur noch Verwaltungsrat. Was bedeutet dies für Sie?
Ich muss mich wirklich ein bisschen zurücknehmen (lacht). Ob es mir gelingt, weiss ich nicht. Mein Arzt jedenfalls hat mir fest dazu geraten. Ich bin wie ein Pferd, dass einen sehr, sehr langen Bremsweg hat.
Was ist Ihre momentane Aufgabe?
Die Strategie und auch die Medienkontakte. Neu habe ich nur noch 55 Arbeitstage. Früher leistete ich mir lediglich über Weihnachten eine Woche Ferien.
Das vollständige Interview von Matthias Ackeret lesen Sie in der aktuellen "persönlich"-Printausgabe.

