19.09.2000

"Den Marktplatz Messe wird es immer geben"

Bis im nächsten Frühjahr sollte klar sein, ob sich die Messen von Zürich und Basel zusammenschliessen. Hanspeter Meyer, Direktor der Messe Zürich AG, über die Zukunft der Züspa und des Messeplatzes Zürich.

Letztes Jahr hat die Züspa ihren fünfzigsten Geburtstag gefeiert - gibt es die Züspa in fünfzig Jahren noch ?

In der Form, wie sie heute besteht, wahrscheinlich nicht mehr. Ich bin aber überzeugt, dass es die Messe als Marktplatz - und wir reden von der Züspa als typischer Verkaufsmesse - immer geben wird. Es entspricht einem menschlichen Grundbedürfnis, vor Ort persönlich in Kontakt zu kommen mit den Anbietern von Waren und Dienstleistungen. Solche Messen werden aber angereichert werden durch virtuelle Angebote, und wir werden mehr und aufwändigere Sonderschauen sehen.

Der Trend geht aber doch Richtung Fachmessen. Sie erleben einen Boom, während Publikumsmessen stagnieren.

Wir müssen unterscheiden: Bei den thematisch fokussierten Publikumsmessen - bei uns etwa die "Zweirad" rund um Velo und Motorrad - stagnieren die Besucherzahlen überhaupt nicht. Bei den Verbrauchermessen wie Züspa, Olma, Muba und Bea ist es richtig, dass die Besucherzahlen nicht mehr gross zunehmen.

Messen wie die Züspa sind klassische Verkaufsplattformen für kleine und mittlere Unternehmen. Grosse Anbieter haben auch andere Möglichkeiten, sich im Markt bekannt zu machen. Sind Verkaufsmessen in Zukunft vor allem für die kleinen da?

Wir bieten tatsächlich Leuten Auftrittsmöglichkeiten, denen die gängigen Verteilkanäle des Detailhandels aus den verschiedensten Gründen - etwa Kosten oder Sortimentspolitik - nicht zur Verfügung stehen, und ich bin überzeugt, dass dies noch interessanter werden wird. Wir wissen aus der Marktforschung, dass Produkte, die Sie überall, in Hongkong, in amerikanischen Shopping Malls oder in Einkaufszentren in der Schweiz kaufen können, mit der Zeit langweilig werden. Bei uns dagegen findet man farbige, unerwartete, manchmal auch nicht ganz durchgestylte Auftritte von Anbietern mit Produkten, die es nicht überall gibt.

Das Schwergewicht der Messe Zürich AG liegt aber auf Fachmessen, und da ist die Konkurrenz unter den Messeorten sehr gross. Nicht nur Zürich hat in den letzten Jahr viel investiert in Bauten und Infrastruktur. Wie viel Überkapazität gibt es in der Schweiz?

Wir gehen davon aus, dass etwa ein Drittel der Hallenkapazitäten nicht genutzt wird in der Schweiz. Aber wir sehen bei den Fachmessen, dass der Standort und das wirtschaftliche Umfeld massgebend ist für den Erfolg. Da sind wir in Zürich gut positioniert, und wir haben nur noch wenige freie Daten. Bei allen Messen, die Richtung Weiterbildung, Informationstechnologie, Freizeit, Immobilien gehen, haben wir ein Wachstum. Es zeigt sich jetzt auch, dass unser Neubau gerade die richtige Grösse für solche Messen hat.

In der Schweiz kann der Messemarkt nur noch beschränkt wachsen, also muss der Blick über die Grenzen gehen.

Wir haben uns in der Vergangenheit stark auf das Schweizer Geschäft konzentriert und davon recht gut gelebt. Wir stellen jetzt aber fest, dass dies in Zukunft nicht mehr genügt. Wir müssen mehr ausländische Aussteller und Besucher für Messen in der Schweiz gewinnen. Das bedeutet einerseits, dass unsere Angebote auch international attraktiv sein müssen. Das heisst aber zweitens auch, dass wir eine Organisation für die Akquisition im Ausland aufbauen müssen - etwas, über das heute nur die Messe Basel verfügt.

Die Messe Zürich und die Messe Basel diskutierten in den letzten Monaten intensiv über eine enge Zusammenarbeit oder einen Zusammenschluss - mit welchem Resultat?

Wir diskutieren tatsächlich sehr intensiv und werden den Verwaltungsräten der beiden Messeunternehmen noch im Oktober konkrete Vorschläge vorlegen. Entscheidungen sollten vor Ende Jahr oder dann in den ersten paar Monaten des nächsten Jahres fallen. Aber ich kann noch nicht abschätzen, in welche Richtung die Entscheide gehen werden.

Sie selbst haben sich in der Wirtschaftszeitung Cash als Befürworter eines Zusammenschlusses der Messe Basel und der Messe Zürich zu erkennen gegeben mit dem Satz: "Entweder geht man zusammen richtig oder dann gar nicht ins Bett." Wie könnte eine solche Fusion aussehen?

Zuerst ein Wort zu diesem leicht frivolen Satz, den ich heute anders formulieren würde. Es ist natürlich schon so, dass bei einer nur lockeren Zusammenarbeit das lokale Standortdenken weiter dominiert und Überlegungen wie etwa: "Wer macht was wo am besten?" in den Hintergrund rücken. Ich bin deshalb ein Freund von Modellen einer engen Zusammenarbeit, wie immer sie aussehen. Wir pfeifen nicht etwa aus dem letzten Loch - im Gegenteil. Aber ich sehe, dass auf die Messewirtschaft Entwicklungen zukommen, wie wir sie in den letzten zwanzig Jahren nicht erlebt haben. Wenn wir im Marketing, in der Akquisition, in der Administration, in der Entwicklung des elektronischen Geschäfts nicht zusammenarbeiten, erreichen wir - international gesehen - in der Schweiz nicht die notwendige kritische Grösse für den Erfolg. Dabei haben wir sehr grosse Vorteile: die Verkehrsverbindungen, die Qualität der Dienstleistungen und die überschaubare Grösse der einzelnen Messestandorte.

Die Schweizer Messen sind an den meisten Orten, an denen sie stattfinden, stark verankert. Haben in der Diskussion um die Zukunft des Messeplatzes Schweiz lokale Überlegungen überhaupt noch Platz?

Wenn man die Entwicklung des internationalen Handels und des Warenverkehrs in den letzten Jahren verfolgt, muss man zum Schluss kommen, dass auch bei den Messen Lokalpolitik keinen allzu grossen Stellenwert mehr hat - im Gegenteil: Sie verlangsamt und hemmt den Wandel eher. Ich verstehe aber gut, dass es emotionale Bindungen an Messen gibt - aber wir müssen aufpassen, dass wir international den Anschluss nicht verpassen.

Erwarten Sie im Falle eines Zusammenschlusses mit Basel lokalpolitische Reaktionen in Zürich?

Ich hoffe nicht. Es wird sicher Leute geben, die fragen werden, ob dies überhaupt nötig sei. Immerhin ist das neue Messegebäude ja immer voll, und die Messe Zürich erklärt, sie sei erfolgreich. Da haben wir eine grosse Aufgabe vor uns, zu erläutern, warum wir diesen Weg für richtig halten.



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