28.03.2023

Swiss Marketing Forum

«Die Leute lechzen nach Live-Learnings und Networking»

Erstmals nach 48 Monaten findet der Marketing Tag wieder im KKL Luzern statt. Uwe Tännler, Präsident des Swiss Marketing Forum, sagt, warum er trotz Pandemie und schwieriger Weltlage nie an einer erneuten Durchführung gezweifelt hat.
Swiss Marketing Forum: «Die Leute lechzen nach Live-Learnings und Networking»
«Die ganze Gesellschaft hat sich verändert», sagt Uwe Tännler, Präsident vom Swiss Marketing Forum, im Rückblick auf die Coronapandemie. (Bild: Jerry Gross)

Herr Tännler, erstmals seit vier Jahren findet wieder ein physischer Marketing Tag im KKL Luzern statt. Was bedeutet das für Sie als Veranstalter?
Erst einmal grosse Freude und dann viel Arbeit. Einen Grossanlass wie den Marketing Tag von null auf hundert hochzufahren, erfordert viel Herzblut und Vertrauen, auch von unseren treuen Partnern, die über drei Jahre grosse Geduld und Zuversicht aufbrachten. Auf allen Ebenen mussten nicht nur die personellen Ressourcen neu aufgestellt werden, sondern auch das gesamte Ökosystem – Thema, Speakerinnen und Speaker, Inhalte, Programm, Format, Location, Technik, Screen-Design, Catering und Markom – musste hinterfragt und teilweise angepasst, neu konzipiert und wieder zusammengesetzt werden.

Was hat Sie bewogen, den Marketing Tag weiterzuführen?
Was für eine Frage! Die Welt ohne Marketing Tag – das geht doch gar nicht! Aber Spass beiseite. Es ist die Lust an der Freude. Wir haben lange zugewartet, doch jetzt ist es an der Zeit, dass wir wieder loslegen. Die Leute lechzen nach Live-Learnings, Face-to-Face, Handshake und Networking. Der aktuelle Erfolg beim Ticketverkauf zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind und die Entscheidung richtig war.

Was hat sich in Ihrer Branche seit Ausbruch der Coronapandemie verändert?
Veränderungen sind nicht nur in der Branche spürbar. Die ganze Gesellschaft hat sich verändert. In einem Wort: Egomanie. Noch nie zeigte sich unsere Neidgesellschaft so direkt und konkret. Mittlerweile hat das jedoch extreme Züge angenommen. Auf Social Media dreht sich alles nur noch um das eigene Ich. So sehe ich in vielen Timelines, ob auf Instagram oder Facebook, vor allem Selbstporträts. Es geht also um «me, myself and I». Der Schnitt dieser Selbstdarstellerinnen und -darsteller liegt auf Instagram wohl bei über 70 Prozent. Ich nenne jetzt keine Namen, wir können das am Marketing Tag gerne noch vertiefen. Etwas anderes sind fundierte Tipps zu Reisen, Büchern, Essen, Produkten oder Locations, die nehme ich gerne an. Auch solche zum Thema Klima, das uns ja alle bewegt. Und das ist auch gut so. Was ich jedoch vermisse, ist die Konsequenz. Sind selbst ernannte Klimaaktivistinnen und -aktivisten, die per Flieger in die Ferien jetten, konsequent? Wohl eher nicht. UHU-Zelten wäre angebracht. Ja, Klimaschutz hat eine hohe Priorität. Die Frage ist: Wie bewerkstellige beziehungsweise erreiche ich das Ziel? Es beginnt vor der eigenen Haustüre. Über die abstrusen Aktivitäten der sogenannten Last Generation lasse ich mich an dieser Stelle aber nicht noch einmal aus.

Welche Auswirkungen hat Corona auf den Marketing Tag 23? Wird er anders?
Wir haben lange genug zugewartet, sodass wir den Marketing Tag 23 wie gewohnt durchführen können. Will heissen: ohne jegliche Einschränkungen. Das war das Ziel. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass an Masken- und Online-Events nicht wirklich Freude aufkommt. Nichts kann das persönliche Face-to-Face-Gespräch ersetzen. Für Business-Meetings mögen Zoom-Calls mittlerweile ein probates Mittel sein. Aber «a day out of the office» ist für einen Event wie den unseren noch immer das Mass aller Dinge.

Wo setzen Sie dieses Jahr den programmlichen Schwerpunkt?
Es wird ein guter Mix aus Wissensvermittlung, Best Practices, neuen Inputs und Erkenntnissen – mit einem Schuss Unterhaltung und der Verleihung des Marketing Excellence Award, des Marketing-Oscars. Das Thema geniesst eine sehr hohe Aktualität: «Meine Marketing-Agenda 2023: Fokus». Denn wenn immer mehr möglich ist, wird immer weniger machbar. Exzellentes Marketing verlangt von uns allen – persönlich und auch unternehmerisch – einen scharfen Fokus. Weg vom Möglichen und hin zum Notwendigen. Sie denken: Fokus – das klingt einfach, ist es jedoch nicht. Denn Studien zeigen: Überall auf der Welt bricht unsere Aufmerksamkeitsfähigkeit zusammen. In den USA können sich College-Studierende im Durchschnitt gerade einmal 65 Sekunden auf eine Aufgabe konzentrieren und Büroangestellte drei Minuten. Das Resultat ist eine überforderte Gesellschaft mit grosser Tendenz zum Burnout. Fokussierung ist daher dringend notwendig.

Spüren Sie Zurückhaltung in der Marketingbranche aufgrund der weltpolitischen Ereignisse?
Es ist nicht Zurückhaltung, die ich spüre, es ist Überforderung im Alltag. Wenn die Reaktionszeit bei E-Mails mittlerweile eine Woche und mehr beträgt, Meetings immer kurzfristiger abgesagt werden und sogar Termine für Telefongespräche über eine Woche im Voraus gebucht werden, dann stimmt etwas nicht. Die Krönung sind E-Mails mit der Aufforderung: Ruf mich mal an! Hallo? Schliifts eigentlich ... Und geradezu respektlos sind gänzlich unbeantwortete E-Mails. Das ist Unverbindlichkeit in Reinkultur.

Wie sieht Ihre persönliche Marketing-Agenda für 2023 aus?
Topaktuell: Markom und Verkauf von Tickets für den Marketing Tag 23. Dann stehen Gesundheit und Work-Life-Balance im Vordergrund. Denn irgendwie sind meine Hemden während der Pandemie aus unerfindlichen Gründen eingegangen. Mal schauen, ob sich da etwas machen lässt. Und schliesslich Wertschätzung und Verbindlichkeit. Diese gehen in unserer Gesellschaft ja zusehends verloren. Auch einfach mal wieder ein ehrliches Danke oder verbindliche Zusagen wären daher schön. Sonst mache ich nie zu langfristige Pläne und setze mich daher auch nicht unnötig unter Druck. Mein Motto: Eins nach dem andern, dafür richtig gut. Ich bin eher der spontane Mensch. So kann ich zum Beispiel von heute auf morgen die Koffer packen.        

Der Marketing Tag 2023 vom Swiss Marketing Forum (SMF) findet am 18. April im KKL Luzern statt. persoenlich.com ist Medienpartner der Veranstaltung.

 

 


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