15.11.2006

Marcel Perren

"Die Popularität von Luzern stagniert"

Interview mit dem neuen Luzerner Tourismus-Direktor.
Marcel Perren: "Die Popularität von Luzern stagniert"

Marcel Perren wurde Ende Oktober zum neuen Tourismusdirektor von Luzern gewählt. Auf den Walliser wartet eine schwierige Aufgabe: Nach den Personalwirren im vergangenen Frühling, die im Abgang seines Vorgängers Urs Kamber mündeten, blieb Luzern Tourismus lange Zeit führungslos. Im Interview mit "persoenlich.com" erläutert Perren, wie er der "Weltmarke" Luzern zu neuer Anziehungskraft verhelfen will.

Herr Perren, Ihre zwei Vorgänger hätten Luzern Tourismus zu einem Scherbenhaufen gemacht, schrieb die SonntagsZeitung vergangenen Sommer. Wie besorgniserregend ist der Zustand von Luzern Tourismus bei ihrem Amtsantritt?

Ich bin erst seit kurzer Zeit im Amt. Es ist also für mich zu früh, eine Analyse zu machen. Klar ist aber, dass es im letzten halben Jahr bei Luzern Tourismus keine Leitung im Marketing und Sales gegeben hat. Für mich, der seine Kernkompetenz in diesem Bereich hat, gibt es also einiges zu tun. Insgesamt ist mein erster Eindruck aber keineswegs, dass ein Chaos herrscht. Es gibt jedoch zweifellos eine gewisse Verunsicherung bei den Mitarbeitern und Partnern, da man lange Zeit nicht genau wusste, wie es weiter geht.

Wo sehen Sie die grössten Baustellen?

Wir müssen erstens vor allem im Bereich Marketing & Sales in den Märkten aktiver werden. Zweitens gilt es nun, zusammen mit unseren Partnern wieder Vertrauen aufzubauen und aktiver zu kommunizieren.

Ihre Vorgänger sind an der schwierigen Aufgabe, die Tourismusorganisationen der Region zusammenzuführen, gescheitert. Halten Sie an diesem Ziel fest?

Ja. Die Zusammenarbeit in der Region ist ein sehr wichtiges Anliegen. Denn wir müssen den Gast in den Fokus nehmen. Und für ihn ist es wichtig, dass wir die Kräfte in der Region bündeln können. Ich will deshalb versuchen, der Region einen gemeinsamen Auftritt zu verschaffen.

Wie kann dies gelingen?

Die einzelnen Kantone sind über Leistungsverträge mit Luzern verbunden. Im Moment laufen die Verhandlungen über die Erneuerung der Verträge.

Mit welchen konkreten Aktivitäten will Luzern in naher Zukunft auf sich aufmerksam machen?

Es stehen zwei, drei grosse Projekte an. An den Olympischen Spielen 2008 in Peking werden wir präsent sein. Und im nächsten Jahr planen wir gemeinsam mit der Raiffeisen Bank eine Promotion hier in der Zentralschweiz. Vorgesehen ist zudem eine aktive Zusammenarbeit in den europäischen Märkten. Insbesondere in Deutschland und England wollen wir die Märkte aktiver bearbeiten. Ebenfalls werden wir in Norditalien stärker auftreten. Zudem wird Luzern ab 2007 auch A-Partner in der Städtepromotion von Schweiz Tourismus.

Die Tourismusdestination Luzern hat an Anziehungskraft verloren, seit Verkehrsdirektor Kurt H. Illi die Fäden nicht mehr in der Hand hat. Wie stark ist die Weltmarke Luzern heute noch?

Luzern ist touristisch immer noch eine sehr bekannte Marke. Wahr ist aber auch, dass wir in den letzten Jahren nicht gross zulegen konnten und die Popularität von Luzern stagniert. Für uns bedeutet dies, dass wir unsere Arbeit an der Marke intensivieren müssen.

Illi sagt: "Seit ich pensioniert bin, hat Luzern seine einstige Popularität verspielt".

Illi hat in den 22 Jahren, in denen er als Verkehrsdirektor von Luzern tätig war, sehr gute Arbeit geleistet. Er war es, der die Marke Luzern -- gerade im Bereich der Gruppengeschäfte -- im asiatischen Markt positioniert hat. Heute jedoch befinden wir uns in einer neuen Situation: Das Individualgeschäft ist wichtiger geworden. Illis Einschätzung ist subjektiv. Ob sie korrekt ist, müsste man im Rahmen einer Umfrage klären.

Wie stark wirkt die langjährige Identifikationsfigur Illi denn eigentlich heute noch nach?

Eine schwierige Frage. Ich habe Illi persönlich getroffen, kurz nachdem ich nach Luzern gekommen bin. Wir haben miteinander diskutiert. Wie stark die Position Illis heute noch ist, ist für mich schwierig abzuschätzen. Illi hatte sicherlich eine erfolgreiche Zeit hier in Luzern und die Stadt weltweit positioniert. Ich respektiere diese Leistung, aber ich persönlich verfolge einen eigenen Stil und habe meine eigenen Vorstellungen und Ideen.

Sie hegen nicht die Befürchtung, dass sie nun an seinen Leistungen gemessen werden?

In keiner Art und Weise. Ich wäre als Tourismusdirektor nicht am richtigen Ort, wenn ich mir nicht selbst zutrauen würde, meine Arbeit hier gut zu machen.

Begegnet man Ihnen als Walliser in der Zentralschweiz mit dem nötigen Vertrauen?

Ich kenne Luzern mittlerweile gut. Ich habe versucht, meine Produktkenntnisse zu verbessern, seit ich hier arbeite. Wichtig ist doch, dass man in meinem Amt über das nötige Knowhow verfügt. Zugleich habe ich viele unserer Partner besucht. In den neun Jahren, in denen ich als Vizedirektor bei Wallis Tourismus amtete, habe ich ein grosses Netzwerk aufbauen können, das mir auch in Luzern hilft. Ebenso weiss ich, wie man eine Destination verkauft. All dies sind Basisvoraussetzungen, damit ich hier in Luzern einen guten Job machen kann.

Hatten Sie, als Sie im Mai nach Luzern kamen, bereits den Posten des Tourismusdirektors im Visier?

Für mich war es immer ein Ziel, die Direktion bei Luzern Tourismus zu übernehmen. Als dann die Ausschreibung zum Tourismusdirektor kurzfristig kam, wollte ich mir diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. Es war ja in der Branche keine grosse Überraschung, dass ich in kurzer Zeit das Amt des Luzerner Tourismusdirektors übernehmen konnte. Die Ausgangslage war jedoch speziell, da es infolge der Krankheit meines Vorgängers Urs Kamber eine längere Übergangsphase gab.


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Kommentarfunktion wurde geschlossen