26.10.2016

Schweizerische Lauterkeitskommission

Ein Vorbild in Sachen Selbstregulierung

Die Schweizerische Lauterkeitskommission (SKL) wird 50 Jahre alt. Welche Bedeutung hat diese Instanz heute? Einige Fallbeispiele und eine Umfrage bei führenden Branchenvertretern, darunter Doris Leuthard, Sara Stalder oder Frank Bodin.
Schweizerische Lauterkeitskommission: Ein Vorbild in Sachen Selbstregulierung
Auf diese Beschwerde ist die Lauterkeitskommission nicht eingetreten: Denn bei Stopp Aids handelt es sich nicht um kommerzielle Kommunikation (Bild: «persönlich» November)


Leuthard

Doris Leuthard, Bundesrätin, ehemalige Präsidentin SLK

«Selbstregulierung statt Staatsregulierung. Die Lauterkeitskommission schützt ohne staatliche Eingriffe die verfassungsmässige Wirtschaftsfreiheit. Seit fünfzig Jahren arbeitet die Kommission und vermeidet oft teure und aufwendige Gerichtsverfahren. Dank unabhängigen Kontrollen und erarbeiteten Spielregeln für lautere Werbung entstehen faire Geschäftspraktiken in der kommerziellen Kommunikation. Das schafft Vertrauen. Es gibt allerdings immer wieder schwarze Schafe, die mit unlauterer Werbung Profit machen wollen. Interventionen der Kommission oder im Einzelfall auch einmal eine Strafanzeige führen zu guten Resultaten. In der Politik bleiben Wettbewerbsbeschränkungen ein Dauerthema. Ebenso dürfte die Digitalisierung nach neuen Spielregeln rufen. Fazit: Die SLK ist gut – es braucht sie auch in Zukunft!»

 

 

Bulliard

Christine Bulliard-Marbach, Nationalrätin/Präsidentin SLK

«Die Lauterkeitskommission ist von jeher bestens organisiert. Sie reagiert höchst kompetent, schnell und kostengünstig. Das ermöglicht gerade auch Unternehmen, die gegen einen Konkurrenten Beschwerde ein­ reichen, Entscheide, die nahe an ein Gerichtsurteil herankommen, den langwierigen Weg an die Justiz jedoch ersparen. Seit 1966 hat sich die SLK auf diese Weise hohe Akzeptanz erworben, nicht nur in der Kommunikationswirtschaft, sondern auch in Politik, Justiz und Konsumentenorganisationen. Heute ist die Selbstregulierung aktueller denn je. Sie trifft den Nagel auf den Kopf, weil die Betroffenen selber gemeinsam nach Lösungen suchen. Das ist meist die bessere Lösung als ein Totalverbot und entspricht einer langen Tradition der Kompromissbereitschaft in der Schweiz.»




Bodin

Frank Bodin, Chairman und CEO Havas Worldwide, Präsident ADC Switzerland

«Konsumentinnen und Konsumenten sowie die Wirtschaft sind gleichermassen daran interessiert, dass die Regeln der lauteren kommerziellen Kommunikation eingehalten werden. Die Schweizerische Lauterkeitskommission ist seit fünfzig Jahren ein Vorbild in Sachen Selbstregulierung und hat im Verlauf ihrer Tätigkeit bei der Anwendung des schweizerischen Lauterkeitsrechts zahlreiche Grundsätze für die Praxis entwickelt. Übrigens hat es nie geschadet, das Präsidium zu übernehmen: Doris Leuthard wurde Bundesrätin und Pascale Bruderer Ständerätin.»

 

stalder

Sara Stalder, Geschäftsleiterin Stiftung für Konsumentenschutz (SKS)

«Werbung ist lasch reguliert. Solange es die SLK gibt, bleibt dieses Manko zementiert, was natürlich ganz im Sinne der Branche ist. Damit lässt man den Werbetreibenden freie Hand, denn allfällige Korrekturen der SLK kommen zu spät: In der Regel fallen die Entscheidungen, wenn die umstrittenen Werbeaktionen bereits Vergangenheit sind. Gute Entscheidungen hat die SLK beim grossen Ärgernis der unerwünschten Werbeflut in Briefkästen getroffen.»




René Schuhmacher, Verleger, publizistischer Leiter «Saldo»

«Der grösste Erfolg der SLK ist wohl ihre präventive Wirkung: Wer heute in der Schweiz wirbt, weiss um die Selbstkontrolle der Branche. Er hütet sich, von der SLK wegen unlauterer Werbung kritisiert zu werden. Das erspart uns viele irreführende, schlitzohrige und menschenverachtende Anzeigen.»

 

Holenstein

Beat Holenstein, Leiter Partner & Product Management sowie Mitglied der Unternehmensleitung APG|SGA

«Seit über hundert Jahren ist die APG|SGA in der Schweiz die Nummer eins im Bereich Aussenwerbung, und seit fünfzig Jahren begleitet uns die SLK auf dem Weg zu noch besserer Out-of-Home-Kommunikation. Es versteht sich von selbst, dass es bei Werbung, die sich im öffentlichen Raum abspielt und die damit auch sehr viel Öffentlichkeit erhält, immer wieder engagierte Diskussionen um die Fairness und Lauterkeit dieser Werbung gibt. Die neutrale Beurteilung durch die SLK hat sich hier bestens etabliert und wird sowohl von unseren Kunden als auch von unseren Vertragspartnern – egal, ob privat oder öffentliche Hand – akzeptiert und geschätzt. Wir sind überzeugt, dass sich die Selbstregulierung der Werbung dank der SLK nicht nur behaupten, sondern noch weiter entwickeln wird. Die APG|SGA wird sich dafür weiterhin mit aller Kraft engagieren. Wir wünschen der SLK auch für die Zukunft alles Gute und uns allen möglichst viel gute und faire Werbung.»

 
 




In ihrer Tätigkeit hatte die SKL eindeutige, aber auch sehr abstruse Beschwerden zu beurteilen, so etwa diese beiden Fälle:

Stecker

«nicht sexistisch» und ...

Milch

... «nicht irreführend oder unwahr», so die SKL.




Im Rahmen des Jubiläums zeigt die SKL in der ADC Gallery in Zürich Wiedikon vom 27. Oktober bis 10. November aussergewöhnliche Fällen aus ihrer Praxis. Die Ausstellung dürfte alles andere als pädagogisch trocken ausfallen, wie die Beispiele oben und weitere, in der November-Ausgabe von «persönlich» abgedruckten Plakate zeigen. 


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