09.12.2014

Neo Advertising

"Es fehlte an Innovation und Preisdruck"

APG und Clear Channel bekommen Konkurrenz: Mitte Oktober kündigte Neo Advertising, der Genfer Spezialist für digitale Aussenwerbung, an, auch ins Plakatgeschäft einzusteigen. Gegenüber persoenlich.com erklärt CEO Christian Vaglio-Giors wo er seine Chancen wittert und welches die Technologie sein wird, die den umständlichen QR-Code schon bald ablösen wird.
Neo Advertising: "Es fehlte an Innovation und Preisdruck"

Herr Vaglio-Giors, Sie kündigten an, nun auch ins traditionelle Plakatgeschäft einzusteigen. Verdienen Sie mit den digitalen Werbeanzeigen bisher nicht genug?
Doch, und der digitale Bereich wächst überproportional. Hauptsächlich aus zwei Gründen haben wir uns trotzdem für den Einstieg ins Plakatgeschäft entschieden: Erstens führt die Konvergenz zwischen Online- und Offline-Inhalten dazu, dass die Angebote viel schneller getaktet und aufeinander abgestimmt werden, was die spezialisierten Akteure zwingt, das vollständige Angebot anzubieten. Zweitens ergibt sich so für Neo Advertising die strategische Chance, noch stärker zu wachsen und sich als dritter nationaler Player im Aussenwerbebereich zu etablieren. In diesem Markt gab es bisher nur zwei Player; somit fehlte es an Innovation und Preisdruck. Es ist übrigens eine klare Empfehlung von Preisüberwacher Stefan Meierhans, Rahmenbedingungen zu schaffen, die mehr Wettbewerb in diesen Duopolmarkt bringen.

Wie gross ist das Marktpotential?
Der gesamtschweizerische Markt für Plakatwerbung beläuft sich auf 500 Millionen im Jahr. Marktleader APG hat einen Anteil von 290 Millionen, Clear Channel von 100 Millionen und wir, Neo Advertising, von 6 Millionen. Auch wenn der Vorsprung der anderen Marktteilnehmer gross scheinen mag, können sich die Verhältnisse rasch ändern, wenn man die jährlich rund 10 Millionen Franken Umsatzeinbussen im traditionellen Plakatwerbemarkt betrachtet.

Warum wird die Zusammenarbeit mit Clear Channel nicht weitergeführt (persoenlich.com berichtete)?
Ziel war es, in Einkaufszentren zusammenzuarbeiten und unsere digitalen Angebote gemeinsam zu vermarkten. Leider blieben die Resultate deutlich unter den Erwartungen; die Vereinbarung hat die Entwicklung von Neo Advertising eher gebremst. Allein können wir besser beschleunigen. Bis Februar 2015 werden wir fünf neue Einkaufszentren mit digitalen Werbeflächen ausrüsten.

Was konkret haben Sie für neue innovative Lösungen im Köcher?
Neo Advertising, das ist "Neo’s touch". Wir sind zu 100 Prozent digitalisiert. Und "Neo’s touch" ist in allen unseren Angeboten zu finden. Vom Marketing bis zu den Funktionalitäten, die im Support integriert sind: Die digitalisierten Prozesse erlauben es, die Buchungen von Werberaum und Kampagnen zu vereinfachen. Dank dieser effizienten Feinsteuerung und der Integration der mobilen Interfaces können die Werbeauftraggeber mitprofitieren – sie bekommen deutlich mehr Aufmerksamkeit pro investierten Franken.

Bisher sind Plakate noch nicht sehr crossmedial angelegt, ausser vielleicht durch die Verwendung des QR-Code. Haben Sie Zahlen, wie oft dieser genutzt wird?
Wir sind keine Anhänger des QR-Code. Die Performance ist mässig und wird sich wahrscheinlich nicht wesentlich verbessern - im Gegenteil.

Der QR-Code ist also eher ein Auslaufmodell.
Genau, seine Tage sind gezählt. Er ist relativ langsam und braucht zu viele Klicks, um in Gang zu kommen. Der QR-Code war ein spannender erster Versuch in Sachen Interaktivität, ist jetzt aber passé.

Welche Technologie wird ihn ablösen?
RFID und iBeacon scheinen uns vielversprechende, crossmediale mobile Technologien, um Produkt und Kunden in kurzer Zeit zusammenbringen zu können. iBeacon, das sind kleine Sender, die zum Beispiel in einem Shop montiert sind. Sie können über Bluetooth mit den Handys der Kunden Kontakt aufnehmen und in Erfahrung bringen, für welche Produkte sich diese interessieren. RFID, die Abkürzung für Radio-Frequency Identification, erlaubt die Identifikation über Funk. RFID ist eine interaktive Etikette, sie wird vermutlich den heutigen Barcode ablösen.


iBeacon wird von Neo Advertising gerade intensiv getestet, ist aber noch nicht kommerziell im Einsatz.

Wo werden wir demnächst vermehrt Neo-Advertising-Angebote im Einsatz sehen?
Neo-Advertising ist ein nationaler Player. Wir nehmen in der ganzen Schweiz an öffentlichen Ausschreibungen teil. Wir spüren, dass wir als junge und innovative Firma bei den städtischen Vergabestellen wie bei Privaten als Alternative zu den bestehenden Anbietern sehr willkommen sind. Wir sind mit einigen Kommunen in Verhandlung und hoffen auf baldige Abschlüsse im 2015.

Fragen: Edith Hollenstein, Bild: zVg


Christian Vaglio-Giors ist Mitbegründer und CEO von Neo Advertising.



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