26.11.2021

Black Friday

Freitag und Co boykottieren Shopping-Event

Mehrere Marken – darunter auch zwei aus der Schweiz – haben einen gemeinsamen Aufruf zum Black-Friday-Verzicht unterzeichnet. Derweil zeichnet sich gemäss den Detailhändlern ab, dass sich die Umsätze etwa auf dem Niveau von 2020 bewegen.
Black Friday: Freitag und Co boykottieren Shopping-Event
Der Black Friday dürfte den Internet-Händlern gemäss Experten noch zusätzlichen Schwung verleihen. (Bild: Keystone/Valentin Flauraud)

Trotz der immer grösseren Bedeutung des Black Fridays gibt es nach wie vor Detailhändler, die dieses Jahr an diesem Tag keine Rabatte anbieten. So zum Beispiel das Zürcher Kaufhaus Jelmoli: Das Warenhaus nimmt stattdessen zum dritten Mal am so genannten «Giving Tuesday» teil (persoenlich.com berichtete).

Es will sich damit für bewussten Konsum einsetzen und spendet Geld für wohltätige Zwecke, wie eine Sprecherin der Nachrichtenagentur AWP sagte. Auch einige weitere Hersteller und Geschäfte boykottieren den Schnäppchentag. 

So setzt etwa der Zürcher Taschenhersteller Freitag ein Zeichen gegen den «Shoppingwahn», wie er auf seiner Website schreibt. Er verzichtet nicht nur auf Aktionen, sondern hält seinen Internetshop am Tag gar ganz geschlossen. Dafür ruft das Unternehmen seine Kunden dazu auf, gebrauchte Taschen miteinander zu tauschen. 

Zwei Schweizer Unternehmen unterzeichnen Verzicht

Mit dem Taschenhersteller Freitag haben noch weitere Marken einen gemeinsamen Aufruf zum Black-Friday-Verzicht unterzeichnet. Darunter findet sich etwa die Schweizer Seifenmanufaktur Soeder oder der spanische Hersteller von veganen Sneakers Flamingos' Life.

Der Schweizer Weinhändler Delinat wiederum hält seinen Online-Shop zwar geöffnet. Im Rahmen eines «Green Friday» kosten jedoch alle Produkte zehn Prozent mehr als sonst. «Den Mehrerlös aus diesem Aufpreis spenden wir Pro Natura», schrieb das Unternehmen auf seiner Website. 

Kritik auch von Hilfswerk 

Kritik an der «Konsumorgie» hatte diese Woche bereits die Nichtregierungsorganisation Solidar Suisse geäussert. Das Hilfswerk hatte eine Petition lanciert, um die Detailhändler aufzufordern, den Black Friday zu stoppen. Bis am Freitagvormittag haben diese rund 24'000 Menschen unterschrieben. 

Die Gewerkschaft Unia nutzte den Black Friday derweil, um eine Entlastung der Arbeitnehmenden zu fordern. Lange Arbeitstage ohne absehbaren Arbeitsschluss und unbezahlte Überstunden drohten den Beschäftigen. Am Freitagmorgen belud die Gewerkschaft nun in einer symbolischen Aktion Statuen in der Stadt Zürich mit schwarzen Päckli.

Umsätze etwa auf dem Vorjahresniveau

Seit Freitagnacht läuft der Black Friday. Wegen der Coronapandemie shoppen erneut viele Kunden von zu Hause aus. Die Umsätze bewegen sich dabei laut Händlern etwa auf dem Niveau von 2020. «Der Besucheransturm seit Aufschaltung der Angebote bis jetzt entwickelt sich ungefähr auf demselben hohen Niveau wie im Vorjahr», sagte etwa Daniel Rei, Unternehmenssprecher vom Internethändler Brack, auf Anfrage auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP.

Ähnlich klingt es bei der Migros-Tochter Digitec Galaxus. Bezüglich Website-Zugriffen, Bestellungen und Umsatz liege Digitec Galaxus «auf ähnlichem Niveau wie im Vorjahr.» Bereits kurz nach Mitternacht seien aber die ersten Produkte ausverkauft gewesen. Konkurrent Brack verspürte ebenfalls bereits am Vorabend einen ersten Peak im Online-Shop, zwischen 22 Uhr und 1 Uhr nachts. «So ab 5 Uhr morgens ging es dann wieder massiv los», sagte Rei. 

Elektronikprodukte hoch im Kurs

Was die Produkte anbelange, so stünden Elektronikprodukte hoch im Kurs, allen voran Fernseher und Notebooks, heisst es bei Brack. Unter den Top-Produkten in den anderen Kategorien fänden sich Duvets, smarte Beleuchtung, Fitnessgeräte, Windeln und Getränke.

Eine Enttäuschung zeichnet sich am diesjährigen Black Friday indes für Gamer ab. Digitec Galaxus etwa verzichtet auf die bei Zockern beliebten Grafikkarten-Deals. Diese Produkte sind derzeit stark von der weltweiten Halbleiterknappheit betroffen, weshalb es Lieferprobleme gibt.

Überhaupt hielten die globalen Lieferkettenprobleme die Detailhändler dieses Jahr vor dem Black Friday auf Trab. «Der Einkauf war mehr gefordert als sonst», teilte eine Sprecherin der Coop-Töchter Interdiscount und Microspot mit. Immerhin habe man aufgrund des grossen Sortiments «fast immer» auf Alternativprodukte zurückgreifen können.

Vereinzelt müssten Kunden auch mit längeren Lieferzeiten rechnen. «Im Fall von längeren Lieferzeiten als gewöhnlich sind diese bereits bei der Bestellung für die Kundinnen und Kunden ersichtlich», erklärte sie.

Post erwartet Päckli-Rekord

Den Shopping-Rausch der Konsumenten spürt man übrigens auch bei der Post. Man stehe in den nächsten Tagen und Wochen vor einem Belastungstest, schrieb sie in einem am Freitag publizierten Communiqué. «Zwischen Black Friday und Weihnachten erwarten wir Rekordmengen bei Pakten», wurde Logistik-Services-Leiter Johannes Cramer zitiert.

«Der Black Friday ist also nur der Startschuss», so Cramer. Er rechnet damit, dass die Post ab Samstag bis Weihnachten jeden Tag rund 1 Million Pakete zustellen wird. Zum Vergleich: Der Rekord von einer Million Paketen pro Tag wurde erst 2020 erstmals geknackt. Dieses Jahr rechnet die Post an Spitzentagen gar mit 1,5 Millionen Paketen am Tag.

Viel gefälschte Ware 

Nicht alles, was als Markenartikel angeboten wird, ist auch echt. Wenn der Preis deutlich unter dem normalen Angebot liege, sollte man vorsichtig werden und genau hinschauen, mahnt Stop Piracy, die Schweizer Plattform gegen Fälschung und Piraterie, im Gespräch mit AWP.

Selbst auf etablierten Plattformen seien Konsumenten nicht immer sicher vor gefälschten Produkten. Zudem seien «Fake Shops» teilweise sehr professionell gestaltet und würden oft gefälschte Gütesiegel verwenden. Für Konsumenten werde es daher immer anspruchsvoller, die Fake Shops zu erkennen.

Experten warnen vor Schuldenfalle

70 Prozent Rabatt auf einen neuen Fernseher, die Spielkonsole zum halben Preis: Mit solchen Angeboten locken Detailhändler auch dieses Jahr wieder am Black Friday die Kunden. Doch Experten warnen vor dem Kauf auf Pump. Es drohe die Schuldenfalle.

Der Schweizer Detailhandel hat die Corona-Pandemie dieses Jahr zu spüren bekommen. Die Umsätze im stationären Geschäft gingen zurück. Derweil erlebte das Online-Shopping einen deutlichen Zuwachs. Und der Black Friday dürfte den Internet-Händlern noch zusätzlichen Schwung verleihen.

Allerdings kaufen über vier Fünftel der Internet-Kunden ihre Produkte zumindest teilweise auf Pump. Grund hierfür sind die im Onlinehandel üblichen Bezahlungsarten. So kaufen die Kunden meist mit der Kreditkarte oder auf Rechnung. 

Bei beiden Arten der Bezahlung wird der Betrag erst mit einiger Verspätung tatsächlich beglichen oder dem Konto der Kunden abgebucht. Auch Ratenzahlungen sind häufig möglich. Im Vergleich dazu bezahlen die Konsumenten im stationären Geschäft meist mit Bargeld oder mit Debit-Karten, bei denen der Betrag direkt dem Konto abgebucht wird. 

Shoppen kann «ins Auge gehen» 

Die Entwicklung hin zu mehr Online-Shopping ist somit nicht ungefährlich. «Viele verschaffen sich mit einem Zahlungsaufschub Spielraum auf dem Konto. Gerade bei höheren Beträgen kann das in der gegenwärtigen Situation aber ins Auge gehen», sagt Comparis-Experte Michael Kuhn am Freitag zur Nachrichtenagentur AWP. 

Gerade in der anhaltenden Coronakrise solle man Vorsicht walten lassen, rät Kuhn. Wegen dieser drohe nach wie vor ein Einkommensverlust durch Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit oder tiefere Umsätze bei Selbstständig-Erwerbenden. Gerade bei Menschen mit tieferen Einkommen könnte das ungehemmte Black-Friday-Shopping somit zur Schuldenfalle werden. (awp/sda/tim)

 



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