17.09.2020

FRZ Flughafenregion Zürich

Immobilien-Summit fand grossen Anklang

Über 400 Personen sind in die Samsung Hall nach Dübendorf gekommen. Das Thema war: Wandel.
FRZ Flughafenregion Zürich: Immobilien-Summit fand grossen Anklang
Keynote-Speaker Sigmar Gabriel, deutscher Spitzenpolitiker und neu gewählter Aufsichtsrat der Deutschen Bank, referierte über «Europa in einer unbequemen Welt». (Bilder: zVg.)

Im Eingangsreferat ging André Ingold, frisch gewählter Präsident der FRZ Flughafenregion Zürich (FRZ), auf die geplanten Bauprojekte in der Flughafenregion ein. Rund 20 grosse Bauprojekte sind entweder in Planung, im Bau oder vor Fertigstellung. Exemplarisch erwähnte er den neu geplanten Stadtteil Steinacker in Kloten. Entlang der Glattalbahn soll ein buntes Stadtgebiet entstehen mit 6700 Einwohnerinnen und Einwohnern sowie weiteren 4000 Beschäftigten, heisst es in einer Mitteilung.

Sigmar Gabriel als Keynote-Speaker 

Keynote-Speaker Sigmar Gabriel, deutscher Spitzenpolitiker und neu gewählter Aufsichtsrat der Deutschen Bank, referierte über «Europa in einer unbequemen Welt». Darin ging es um die Zukunft Europas und die grossen Herausforderungen wie Brexit, Corona und die transatlantischen Verstimmungen. Nur gemeinsam und mit diplomatischem Geschick werde es zu Lösungen kommen, meinte Gabriel. Eine Entkoppelung von China und Amerika hätte gravierende Folgen für die europäischen Volkswirtschaften und den Arbeitsmarkt. China soll in eine faire internationale Ordnung eingebunden werden.

Gemäss Gabriel würden wir derzeit einen echten kalten Krieg zwischen den USA und China erleben. Am Ende einer weiteren Eskalation der Handelsstreitigkeiten stehe die Entkoppelung von China oder den USA vom Rest der Welt. Es sei leicht auszumalen, welche gravierende Folgen dies auf die deutsche Automobilproduktion und die Zulieferbetriebe in Europa haben werde. Europa laufe Gefahr, vor dem Hintergrund der aufstrebenden Märkte in Asien, der technologischen Weltmacht USA und der russischen Militärmacht mit ständigen Cyber-Angriffen irrelevant zu werden. Darüber hinaus versuche Donald Trump, den Sicherheitspakt der Nato zu spalten. Die Flugzeugträger würden vom Atlantik in den Pazifik verschoben. 

Europa müsse den Willen aufbringen, gemeinsam zu kooperieren und die Zukunft zu wagen. Die Stärkung von Europa soll einhergehen mit dem Euro als immer wichtigere Reservewährung der Welt. Eigentlich möchten die Deutschen nichts anderes als die Schweiz: Wirtschaftlich erfolgreich und politisch neutral sein. Europa sei in der Defensive: «Wir in der EU sind die letzten Vegetarier in einer Welt der Fleischesser. Und wenn die Briten aus der EU austreten, dann glauben alle, wir seien Veganer.» Mit Grossbritannien verlasse eine strategisch relevante Nation die EU, gab Gabriel zu bedenken. Er kritisierte die uneinheitliche Aussenpolitik der EU-Staaten. Gleichzeitig wehrte sich Gabriel gegen das Konzept der «Vereinigtes Staaten von Europa». Die einzelnen Staaten wie zum Beispiel Polen sollten ein gesundes Wir-Gefühl einer historisch gewachsenen Nation bewahren. 

Gabriel mag die Klagen von Deutschland als Nettozahler in der EU nicht mehr hören. Deutschland als Export-Weltmeister und Export-Europameister profitiere davon, dass mehr Leute im Ausland deutsche Produkte kaufen als umgekehrt. 

Was rät Gabriel der Schweiz? «Die Entwicklung der Schweiz spricht dafür, dass der bisherige Weg dieses Landes richtig war.» Ebenso wahr sei: «Die Schweiz hat sich gerade wegen dem engen und entspannten Verhältnis zur EU so gut entwickelt.» Wenn es bessere Alternativen geben würde, könnte man diesen Weg verlassen – ihm würden jedoch keine solche Alternativen einfallen. Gefragt von der Moderatorin Miriam Rickli, wer im Wettrennen um die Weltmacht als Sieger hervorgehen werde, antwortet Gabriel pfeilschnell: Kein Land, schon gar nicht Europa.

Von 2013 bis 2017 war Sigmar Gabriel Bundesminister für Wirtschaft und Energie sowie Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland und anschliessend bis 2018 Bundesaussenminister. 2005 bis 2009 war er Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

Keine Immobilien-Krise in Sicht

Wird die gegenwärtige Rezession eine Immobilienkrise auslösen? Von der Moderatorin hart nachgefragt, meinte der Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann: «In den nächsten ein bis zwei Jahren liegt die Wahrscheinlichkeit einer Immobilienkrise bei null Prozent.» Es sei weder ein Zinsschock zu befürchten, noch ein ruinöser Verdrängungswettbewerb. Auch attestiert Straumann der Schweiz eine solide gesetzliche Regulierung. Einzig beim Kriterium «Nachfrageschock» mit einhergehendem Preissturz gebe es gewisse Fragezeichen.

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Wie entwickeln sich Airport Cities weltweit? Wohin geht die Entwicklung des Flughafens Zürich? Auf diese Fragen antwortete Daniel Scheifele, Chief Real Estate Officer und Mitglied der Geschäftsleitung der Flughafen Zürich. Auf die drängendste Frage, wann der Flugbetrieb wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht haben werde, antwortete Scheifele: «Wir rechnen im Jahr 2024 oder 2025 wieder mit gleichen oder höheren Flugbewegungen.» Scheifele machte auf den Wirtschaftsfaktor des Flughafens Zürich aufmerksam: «Ein Drittel aller Feriengäste erreichen die Schweiz per Flugzeug. Ein Drittel des Wertes aller Transportgüter verlassen die Schweiz per Luftfracht. Mit dem Flughafen Zürich sind 280 Firmen, 27'000 Arbeitsplätze und eine Wertschöpfung von 5 Milliarden Franken existenziell verbunden.» Nicht nur das Passagierwachstum würde weitere wichtige Investitionen auslösen. Treiber der Entwicklung seien die Erneuerung der Gebäude und Anlagen, neue Regulierungen sowie höhere Ansprüche der Kunden. 

Built to Build

Geschaffen, um zu bauen: André Wyss, CEO der Implenia, erklärte, wie ein multinational führender Baudienstleister entsteht. Implenia setzt mit 10'000 Beschäftigen 4,4 Milliarden Franken um (Zahlen 2019). Der Auftragsbestand beträgt rund 150 Prozent des Jahresumsatzes. Der Bauindustrie bieten sich gemäss Wyss grosse Chancen: durch Megatrends wie Urbanisierung und steigende Mobilitäts- und Infrastrukturbedürfnisse. Aber auch mit der weiteren Industrialisierung, Digitalisierung sowie dem Fokus auf Nachhaltigkeit. «Die Bauindustrie ist mit 13 Prozent des globalen BIP die weltweit grösste Industrie», unterstrich Wyss die Bedeutung seiner Branche. Gleichzeitig sieht er Defizite: «In den letzten 20 Jahren ist die Produktivität in der Bauindustrie jährlich um weniger als 1 Prozent gestiegen». Eine weitere Konsolidierung im Markt könnte dies verändern. Implenia entstand im Jahr 2006 aus der Fusion von Zschokke (Nummer 1 der Schweiz) und Batigroup (Nummer 2). Wyss betonte die internationale Strategie. 2011: Markteintritt in Norwegen. 2013 Markteintritt in Österreich. 2015: Ausbau Infrastruktur Geschäft (Akquisition von Bilfinger Construction mit 1900 Mitarbeitenden). 2016: Markteintritt in Frankreich. 2017: Akquisition von Bilfinger Hochbau mit 1000 Mitarbeitenden. 

André Wyss

Es gehe um die rasche Skalierung von Innovationen: Investitionen in die bestehenden digitalen Baukompetenzen, fortlaufende Integration neuer Angebote, den Innovation Hub und industrielles Bauen (z.B. vorfabrizierte Module). Eine effiziente Organisation basiert auf Unternehmertum (vier unternehmerische Divisionen mit voller Gewinn-Verlust-Verantwortung), globale Exzellenz (Skalierbare und effektive Geschäftspartner für die Divisionen), Project Excellence (Exzellenz und Effizienz bei der Projektakquisition und -umsetzung) und lokale Executive Committees (Nähe zu Stakeholdern).

Vier globale Megatrends  

Was erwartet uns aus wirtschaftlicher Sicht und mit zeitlichem Abstand nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie? Dies fragte Christine Novakovic, Vorstandsvorsitzende von UBS Europe. Die Vermutung, dass Europa in diesem Umfeld wenig Möglichkeiten für Unternehmer und Anleger bietet, möge daher naheliegen – und sei doch falsch. «Insbesondere in vier von globalen Megatrends getriebenen Bereichen sollte Europa stärker als jemals zuvor aus der Krise hervorgehen Automatisierung und Robotik, globale Marken, Elektromobilität sowie Medizin- und Gesundheitstechnik.»

Corona-Pandemie sei ein Game Changer, meinte Novakovic. Auch gelte: «Jede Krise ist auch eine Chance.» Das Wort «normalerweise» gelte nicht mehr. «Ungewissheit ist mehr denn je zu unserem ständigen Begleiter geworden.» Die Herausforderungen der neuen Welt heissen: Covid-19, Wirtschaftseinbruch, Geldwertstabilität, Staatsverschuldung, maximale Verunsicherung, Protektionismus und Nationalismus, Niedrigzins. Novakovic kam zum Schluss: «Unsere neue Welt wird digitaler, weniger global und stärker verschuldet sein. Die Prioritäten der Anleger seien zu berücksichtigen. Sie zitierte eine Umfrage: «83 Prozent der Anleger wünschen sich in Zeiten wie diesen mehr Beratung.» Um sich an die neue Normalität anzupassen, würden Anleger eine Änderung ihres Lebensstils planen. Reisen sei in der Präferenzliste nicht mehr so weit oben. Smart Mobility sei hingegen eine Top Opportunity. Es gelte, die Weichen zu stellen für die neue Welt: 75 Prozent der Anleger hätte die Pandemie dazu veranlasst, darüber nachzudenken, was ihnen am wichtigsten ist. Die nachhaltige Wirtschaft gewinnt an Bedeutung. Was ebenfalls aus einer aktuellen Befragung hervorgeht: «79 Prozent der Anleger betrachtet die Volatilität an den Märkten als Chance.»

Transformationsprozess

Über Erfolgsfaktoren für integrale Energie und Mobilitätslösungen sprach Romeo Deplazes, Bereichsleiter Solutions und Mitglied der Geschäftsleitung von Energie 360°. Deplazes: «Wir befinden uns in einem Transformationsprozess: Schritt für Schritt ersetzen wir fossile durch erneuerbare Energie. Diese Transformation erfordert ein Umdenken aller, denn es verändert unsere interne Organisation ebenso wie die Zusammenarbeit mit unseren Kundinnen und Kunden, Partnerunternehmen und Gemeinden.» Dies gelte gleichermassen bei der Entwicklung und Umsetzung von integralen Energie- und Mobilitätslösungen für Gebäude und Areale wie auch von Energieverbünden, beispielsweise auf Basis von Seewasser oder Holz, die Gas- und Ölheizungen ablösen. Romeo Deplazes zeigte anhand von aktuellen Projekten, wie dies aussehen kann.

Integrale Energie- und Mobilitätslösungen für Areale und Immobilien seien aus einer Hand anzubieten. Smartes Energiemanagement und technisches Facility Management stünden im Fokus. «Gemeinsam mit unseren Kundinnen und Kunden schaffen wir die nachhaltigen Energie- und Mobilitätslösungen der Zukunft. Wir transformieren unser Unternehmen und liefern bis 2050 ausschliesslich erneuerbare Energie.» 

Folgende Faktoren sind für Deplazes zentral: Dynamische Nutzung der vorhandenen Informationen, Ausreizung der Limitationen und Schaffung von Zusatznutzen durch Automatisierung. Als Fallbeispiel erwähnte er die Wohnüberbauung Rätschengässli in Kloten: Energie 360° war früh im Projekt dabei. Dies ermöglichte die gemeinsame Entwicklung. Es galt, die Komplexität der Technik über den gesamten Lebenszyklus zu meistern.  

Shift von Global Economic Power

Der «Shift von Global Economic Power» nach Asien wird gemäss Rudolf Tschopp, Partner bei Asia Green Real Estate, auch nach dem Höhepunkt der Coronavirus-Krise weitergehen. In Asien seien die Immobilienmärkte primär durch ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum, die Urbanisierung und die wachsende Mittelschicht getrieben. Im Vergleich dazu würden in Europa die Risiken in den liquiditätsgetriebenen Immobilienmärkten stetig zunehmen. Tschopp: «In Zukunft genügt es nicht mehr, einfach nur Wohn- oder Gewerbefläche zu bauen. Der zukünftige Mieter und Konsument will seinen eigenen kleinen Kosmos mit möglichst hoher Lebens- und Aufenthaltsqualität. Integrale Nachhaltigkeit am Bau ist einer der Schlüsselfaktoren dazu.» In Asien gibt es gemäss Tschopp mehrere Beispiele von Städten, die zeigen, in welche Richtung der Immobilienmarkt in Zukunft gehen könnte. Er verwies auf herausragende Projekte sowie des Vorzeige-Standorts Singapur – gerade wenn es um Nachhaltigkeit geht.

Beim Kriterium Nachhaltigkeit sei ein Aufwärtstrend auch in Europa erkennbar. Danach ist es mit den Gemeinsamkeiten vorbei. Nur positive Trends sieht Tschopp für Asien bei den übrigen Kriterien: Anzahl Deals, Projektrealisation, Konstruktionsqualität, Rechtssicherheit und Attraktivität für Investoren. Bezüglich der Auswirkungen von Covid-19 auf die Immobilienverkäufe sieht er positive Signale in Asien: «Die Verkäufe von Immobilien in chinesischen Grosstädten sind Mitte Jahr über das Niveau vor dem COVID-19 gestiegen.» Er betonte das langfristiges Potential für Kapitalwertsteigerungen von Immobilien-Anlagen. Generell: «Immobilienpreise steigen parallel zum BIP-Wachstum.» Bezüglich der Preisentwicklung in der Schweiz hielte er sich weitgehend bedeckt. Nur so viel: Das Preis-Gefälle von der Schweiz zum Ausland dürfte sich allerdings in Zukunft tendenziell verkleinern. 

Der 7. Immobilien-Summit wird am 24. Juni 2021 in der Samsung Hall stattfinden. (FRZ)



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