06.09.2011

Start-up-Serie

Kids Design setzt auf exklusive Kinderkleider

Unternehmerin Karin Grossenbacher im Interview.
Start-up-Serie: Kids Design setzt auf exklusive Kinderkleider

Es gibt ihn noch, den Schweizer Geschäftserfolg, und das trotz der Wirtschaftskrise. In einer losen Serie stellt persoenlich.com kleine Start-up-Unternehmen vor, die mit einer zündenden Idee eine Marktlücke erschliessen und mit kreativem Marketing auf eine grosse Kundenresonanz stossen. Den Auftakt macht Unternehmerin Karin Grossenbacher. Sie setzt mit Kids Design auf exklusive Kinderkleider und -Möbel am Zürichsee. Zum Interview:

Karin Grossenbacher, seit knapp acht Jahren verkaufen Sie im Kids Design Lakeside Thalwil exklusive Kinderkleider und Kindermöbel. Wie läufts?

Der Geschäftsgang entspricht meinen Erwartungen. Ich kann wirklich nicht klagen. Andernfalls hätte ich wohl kaum ein zweites Geschäft auf der anderen Seeseite in Erlenbach eröffnet.

Diesen zweiten Store haben Sie letzte Woche eröffnet. Was hat Sie nebst dem guten Geschäftsgang dazu bewogen zu expandieren?

Stillstand bedeutet Rückschritt. Jedes erfolgreiche Unternehmen versucht zu expandieren. Und wir sind erfolgreich.

Warum gerade in Erlenbach?

Es war schon länger unser Ziel, auf der anderen Seeseite ein zweites Geschäft zu eröffnen. Auf der Suche nach einem geeigneten Platz stiessen wir auf Erlenbach.

Haben Sie im Gebiet rund um den Zürichsee Mitbewerber oder sind Sie auf eine Marktlücke gestossen?

Die Kombination Kinderkleider und -Möbel ist einzigartig. Es gibt verschiedene Geschäfte, die bieten entweder das Eine oder das Andere an. Insofern decken wir eine Marktlücke ab.

Wie kamen Sie auf die Idee?

Ich wurde noch während meines Wirtschaftsstudiums an der HSG Mutter. Nach dem Abschluss wollte ich auf jeden Fall berufstätig sein, trotzdem aber auch Zeit haben für meine Tochter. Die ideale Gelegenheit bot sich mir bei der Übernahme einer kleinen Kinderkleiderboutique vor rund zehn Jahren. Abgesehen von der Nachfrage nach schöner Kindermode wurde die Nachfrage nach anderen tollen Kinderartikeln immer offensichtlicher. Zudem viel mir auf, dass es für Kinder und Kleinkinder in der Zürichsee-Region keine grosse Auswahl an Möbeln gab. So kam ich auf die Idee, nebst schönen Kleidern auch individuelle Kinderzimmer-Konzepte anzubieten. Die passende Lokalität fand ich in Thalwil, wo ich also vor acht Jahren Kids Design Lakeside Thalwil eröffnete. Mittlerweile zählen wir zwölf Angestellte, einen Monteur und drei Lehrlinge.

Was verkaufen Sie am besten?

Ein richtiger Einkauf ergibt einen guten Verkauf. Wir sind immer auf der Suche nach den neusten Trends in Sachen Möbel, Accessoires und Bekleidung. Hierfür investieren wir viel Zeit an Messen und bei Recherchen aller Art.

Können Sie ein konkretes Beispiel machen?

Begehrt sind alle Arten von Möbel, die man umbauen kann. Also zum Beispiel ein Bett aus dem man ein Hochbett machen kann. Bei den Kleidern gestaltet sich die Nachfrage entsprechend der Saison und Mode.

Wie reagieren Sie auf das schwierige wirtschaftliche Umfeld?

Wir reagierten sofort und geben den Kunden bei den diversen Lieferanten die entsprechenden Prozente weiter. Mittlerweile sind unsere Preislisten jedoch dem tiefen Euro meist angepasst, und sonst gibt's immer noch Prozente.

Wer sind Ihre Kunden?

Das sind inländische und ausländische Eltern (und Grosseltern), die Produkte in bester Qualität fordern, eine kompetente Beratung durch unser polyglottes Team in einem kinderfreundlichen Ambiente schätzen und die bereit sind, dafür auch einen angemessenen Preis zu zahlen.

Decken Sie in Erlenbach das gleiche Kundensegment ab oder unterscheiden sich die beiden Geschäfte voneinander?

Wir decken das gleiche Kundensegment ab, weil wir von unserem Geschäftsmodell überzeugt sind. Unsere beiden Geschäfte unterscheiden sich nur in optischer Hinsicht.

Inwiefern?

Wir haben heute andere Lieferanten als noch vor acht Jahren, deshalb ist das Interieur in Erlenbach anders gestaltet. Im Gegensatz zu Thalwil hat unser Kids Design in Erlenbach zwei Stockwerke. Die Kinder können mit der Indoor-Rutschbahn von oben nach unten gelangen. In Thalwil haben wir vor dem Geschäft ein Kinderkarussell. Sie sehen: Wichtig ist, dass sich an beiden Standorten nebst den Eltern vor allem auch die Kleinen wohl fühlen.

Billigläden wie Ikea sind heute salonfähig. Charles Vögele lässt Hollywoodstar Penelope Cruz für seine Kleider werben. Warum denken Sie, läuft das Geschäft mit nicht billigen Kinderartikeln trotzdem so gut?

Sie können doch nicht Äpfel mit Birnen vergleichen! Ikea verkauft Massenware über in jeder Beziehung billige Absatzkanäle. Unsere Kunden jedoch schätzen individuelle, also hochwertige Produkte und unsere persönlichen Dienstleistungen. Kurz: nicht der Preis, sondern das Preisleistungsverhältnis ist für den Erfolg am Markt bzw. den Geschäftserfolg entscheidend.

Würde Ihr Geschäft auch ausserhalb der "reichen" Zürichsee-Region florieren?

Ihre Frage suggeriert, dass nur die "oberen Zehntausend" unsere beiden Geschäfte frequentieren. Das ist kompletter Unsinn, denn auch der Mittelstand gehört zu unserer Kundschaft. Im Übrigen gibt es neben der "reichen" Zürichsee-Region noch andere "reiche" Regionen. Um Ihre Frage seriös beantworten zu können, müsste ich als Absolventin der Universität St. Gallen in einer solchen Region zuerst eine fundierte Markt- und Standortanalyse vornehmen.

Wie machen Sie auf Ihre Geschäfte aufmerksam?

Unsere beste Werbung sind zufriedene Kunden, vor allem Mund-zu-Mund-Propaganda. Bei vielen Kundinnen sind mittlerweile über das Geschäftliche hinaus tolle Freundschaften entstanden. Natürlich planen auch wir über das Jahr hinaus einen guten Marketingmix: Direktmarketing, Printwerbung über APG, Eventmarketing, Wettbewerbe (Osterhasen malen beispielsweise) und Medienberichte. Soeben wird zudem unsere Internetseite aufgefrischt. Neu wird sie angereichert sein mit Videos und verschiedenen Grafiken.

Sie setzen auch stark auf Eventmarketing. Warum?

Das sind Anlässe, die positiv in Erinnerung bleiben und Gross und Klein Spass machen. So hat Moderatorin Patricia Boser den Kindern schon Weihnachtsgeschichten vorgelesen oder die Kinder durften sich bei uns als Prinzessinnen verkleiden. Wir organisieren auch Anlässe mit verschiedenen Partnern.

Mit "Kinder für Kinder" (siehe auch: kinderfuerkinder.ch) engagieren Sie sich für soziale Anliegen. Das macht Sie sympathisch. Wie wichtig ist das?

Die Organisation dieser Events haben mehr mit meinem sozialen Gewissen zu tun. Ich habe im Kispi so viele kranke Kinder gesehen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Mit diesen Events kann ich einen kleinen Beitrag leisten, dass diesen Kindern besser geholfen werden kann. Ich bin überzeugt, soziales Engagement gehört zu jedem langfristig denkenden Unternehmen.

"Kinder für Kinder" findet das nächste Mal am 26. November im Hotel The Dolder Grand in Zürich statt. Was ist geplant?

Neben einem Galadiner gibt’s gute Unterhaltung: Rund 80 Kinder freuen sich bereits auf die Kids Design Modenschau und im Anschluss wird Exklusives durch Antoine Schuler von Schuler Auktionen versteigert. Durch den Abend führt Anna Maier. Mit dem Geld unterstützen wir zwei Projekte des Kinderspitals: Die Abteilung Nephrologie (nierenkranke Kinder); sie wird von nur zwei Fachärzten geführt und benötigt dringend Ressourcen. Das Zweite unterstützt den Kampf gegen Leukämie. Beim letzten "Kinder für Kinder" konnten wir übrigens 165'000 Franken ans Kinderspital überweisen.

Was wollen Sie bis Ende Jahr mit Kids Design erreichen?

Unser Ziel ist, in Erlenbach ebenso erfolgreich zu sein wie in Thalwil.

Welche längerfristigen Ziele haben Sie?

Unsere Marktposition in der Region zu festigen und zu stärken.

Bild: Kids Design Thalwil

Bild: Kids Design Erlenbach

Bild: Team Kids Design

Interview: Christine Schnyder


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