Gegenüber Cash sagten Sie unlängst, Sie würden jetzt, mit sechzig, noch nicht über das Aufhören nachdenken. Nun haben Sie einen COO ernannt. Planen Sie also doch, in Rente zu gehen?
Sicher nicht, ich bleibe voll dabei. Aber ich plane gleichzeitig eine Verjüngung der Agentur.
Warum haben Sie den Posten nicht einem Ihrer Söhne übergegeben?
Meine Söhne sind noch voll in der Weiterbildung. Fidel hat zwei Jahre erfolgreich die Agentur in Berlin geführt und kommt nächstes Jahr nach Zürich -- dann wird man mehr von ihm hören. Raoul arbeitet sich ab kommendem Montag in Berlin ein, um die Agentur nach Fidels Rückkehr für zwei Jahre zu übernehmen.
Weshalb haben Sie sich für Stephan Oehen entschieden?
Ich kenne Oehen schon zehn Jahre. Die Umstellung vom Journalismus zu PR hat er gut gemacht -- das gelingt längst nicht jedem. Er ist ein ausgezeichneter, erfahrener und wichtiger Mann.
Wie gross ist Oehens Anteil an der Klaus J. Stöhlker AG?
Im Moment möchte ich, um Spekulationen zu vermeiden, über Anteile und Zahlen nichts sagen.
Wer ist sonst noch an der Firma beteiligt?
Die Agentur ist im Besitz von meiner Frau, mir und Stephan Oehen.
Die Kommunikationsbranche leidet, Sie offenbar nicht. Wie kommt das?
Die Kommunikationsbranche leidet überhaupt nicht, nur Werber oder gewisse Berater wie beispielsweise Sponsoringberater. Strategieberater -- und damit auch wir -- florieren. Wir betreiben dieses Geschäft seit zwanzig Jahren und wissen, was Kommunikation und was Unternehmensführung ist. Auch treiben wir im Theoriebereich viel Aufwand, und dieses Wissen ist gefragt. Es ist nicht überheblich, wenn ich sage, dass wir den anderen hier überlegen sind. Denn die meisten Berater bieten Medienarbeit und Aktionen etc. an. Wir hingegen helfen zusätzlich, intern eine Strategie der Kommunikation zu entwickeln und führen Trainings durch.
Man spricht von einem allgemeinen Trend Richtung PR. Wie sehen Sie das?
Der Trend hin zu PR ist ganz eindeutig. Die "klassische Werbung" (Inserate, Spots, Plakate) kämpft und wird weiterhin Schwierigkeiten haben. Wir setzen uns von dem ab, was ich "naive Kommunikation" nenne: Man meint nur zu kommunizieren. Wie etwa bei der CS oder bei der Zurich Financial. Oder jetzt wieder bei Skyguide. Das ist eine Katastrophe!
Wenn Sie sich dereinst doch zurückziehen: Werden Sie die Klaus J. Stöhlker AG verkaufen?
Im Lauf der kommenden Jahre lege ich die Agentur in die Hände der jungen Generation, nämlich meiner jungen Berater. Die sind hervorragend. Oehen ist hier ein erster wichtiger Schritt. Mein älterer Sohn ist ja inzwischen fünf Jahre in der Firma, und der jüngere drei. Ich halte die Kommunikation für eine hervorragende Wachstumsbranche.

