10.05.2026

Andermatt Swiss Alps

«Luxus ist ein ganzheitliches Versprechen»

Schon Goethe fand das Urserental eine der schönsten Landschaften der Welt. Seit 2009 entwickelt die Andermatt Swiss Alps AG das Gebiet Andermatt Reuss zur «Prime Alpine Destination» – mit Hotels, Apartments, Golfplatz und Konzerthalle. CEO Raphael Krucker über Luxus, Wachstum und Verantwortung.
Andermatt Swiss Alps: «Luxus ist ein ganzheitliches Versprechen»
«Glaubwürdigkeit entsteht durch konkrete Massnahmen, nicht durch abstrakte Versprechen», so Raphael Krucker, CEO Andermatt Swiss Alps. (Bilder: iStockphoto, zVg)

Herr Krucker, wie definieren Sie Luxus im Kontext einer ganzjährigen Alpendestination – und wie übersetzen Sie dieses Verständnis konkret in Ihre Unternehmensstrategie?
Luxus bedeutet für uns Zeit, Aufmerksamkeit und Relevanz. In einer ganzjährigen Alpendestination heisst das unter anderem individuelle Erlebnisse, persönlicher Service auf höchstem Niveau und eine Atmosphäre, die Natur, Ruhe und Inspiration verbindet. Wir investieren gezielt in Ganzjahreserlebnisse. Unser Anspruch ist nicht nur eine hochwertige Infrastruktur, sondern ein konsistentes Erlebnis auf internationalem Spitzenniveau. Luxus ist für uns kein Produkt, sondern ein ganzheitliches Versprechen.

Wie gelingt es Ihnen, eine starke Luxusmarke aufzubauen, die sowohl internationale High-End-Kunden als auch anspruchsvolle Schweizer Gäste anspricht?
Entscheidend ist Authentizität. Internationale Gäste suchen Exzellenz, Professionalität und Schweizer Präzision. Schweizer Gäste erwarten Glaubwürdigkeit, Qualität und Substanz. Unsere Marke strahlt international aus, bewahrt aber die lokale Verankerung. Es ist eine Fusion von Innovation und Tradition. Wir setzen auf einzigartige Architektur, starke Hotelmarken und klar definierte Servicestandards. Gleichzeitig bleiben wir eng mit der Region verbunden und integrieren lokale Identität, alpine Tradition und Schweizer Qualitätsverständnis in das Gästeerlebnis. Diese Verbindung schafft Vertrauen im Heimmarkt und internationale Strahlkraft.

«Für uns war die konsequente Festlegung auf das Premiumsegment zentral»

Welche Führungsentscheidungen waren entscheidend, um Andermatt Swiss Alps langfristig im Premiumsegment zu positionieren?
Für uns war die konsequente Festlegung auf das Premiumsegment zentral. Das bedeutete, bewusst in Qualität und exzellente Infrastruktur zu investieren. Diese Entscheidung hat die wirtschaftliche Logik und die langfristige Entwicklung des Projekts geprägt. Zudem war die Auswahl der richtigen Partner entscheidend. Führung bedeutet hier, Partner sorgfältig auszuwählen, gemeinsame Werte zu definieren und diese Standards konsequent einzufordern. Ebenso entscheidend war der langfristige Horizont. Reputation im Luxussegment entsteht durch Kontinuität, Investitionen in Mitarbeitende und konsequente Qualitätsführung über Jahre hinweg.

Wie schaffen Sie es, dass das Marketingversprechen und das tatsächliche Gästeerlebnis vollständig übereinstimmen – insbesondere in einem so komplexen Ökosystem aus Hotellerie, Immobilien und Infrastruktur?
Konsistenz entsteht durch Governance und Kultur. Wir verstehen Andermatt Swiss Alps als integriertes Ökosystem. Marketing, Betrieb, Immobilienentwicklung und Infrastruktur arbeiten zusammen und mit einem gemeinsamen Qualitätsverständnis. Wir messen systematisch die Gästezufriedenheit. Gleichzeitig fördern wir in unserer Unternehmenskultur, dass jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin Verantwortung übernimmt, und das über Abteilungsgrenzen hinweg.

Welche Rolle spielt emotionale Markenführung im Luxussegment – und wie integrieren Sie Storytelling in die strategische Gesamtführung des Unternehmens?
Menschen entscheiden sich nicht nur für ein Produkt, sondern für ein Lebensgefühl, für Zugehörigkeit und für eine bestimmte Haltung. Es ist also eine emotionale Entscheidung. Wir erzählen die Geschichte einer modernen alpinen Destination, die Natur, Architektur, Sport und Gemeinschaft verbindet. Dieses Narrativ ist nicht nur Teil der Kommunikation, sondern prägt auch unsere Angebotsentwicklung, unsere Eventstrategie, unsere Servicekultur und unsere Partnerschaften. Storytelling gibt unserer Organisation eine klare Identität und schafft Orientierung für strategische Entscheidungen.

Wie balancieren Sie Exklusivität und Wachstum? Gibt es einen Punkt, an dem Skalierung dem Luxusgedanken widerspricht?
Wachstum ist möglich, solange Serviceintensität, Individualität und Qualität erhalten bleiben. Es gibt jedoch klare Grenzen. Wenn Komplexität oder Dichte die persönliche Betreuung beeinträchtigen, widerspricht das dem Luxusanspruch. Deshalb entwickeln wir in Phasen und stellen sicher, dass operative Exzellenz und personelle Ressourcen mit dem Wachstum Schritt halten. Skalierung darf nie zulasten des Gästeerlebnisses gehen.

«Im heutigen Premiumsegment ist Nachhaltigkeit eine Voraussetzung»

Inwiefern beeinflussen Nachhaltigkeit und verantwortungsvolle Entwicklung Ihre Positionierung im Luxusmarkt – und wie kommunizieren Sie diese Werte glaubwürdig?
Im heutigen Premiumsegment ist Nachhaltigkeit eine Voraussetzung. Anspruchsvolle Gäste erwarten, dass ökologische und gesellschaftliche Verantwortung selbstverständlich integriert sind. Darum ist die Nachhaltigkeit in unserer Strategie verankert. Unsere Initiative Andermatt Responsible steht für nachhaltige Betriebsführung, energieeffiziente Infrastruktur, regionale Partnerschaften und faire Arbeitsbedingungen. Wir definieren klare Ziele, messen Fortschritte und kommunizieren transparent über unsere Entwicklung. Glaubwürdigkeit entsteht durch konkrete Massnahmen im täglichen Betrieb, nicht durch abstrakte Versprechen.

Was unterscheidet Ihrer Meinung nach die Führung eines Luxusprojekts wie Andermatt Swiss Alps von klassischen Immobilien- oder Tourismusentwicklungen?
Im Zentrum steht nicht die einzelne Immobilie, sondern ein Dorfteil mit einer lebendigen, ganzjährig funktionierenden Community und einem einzigartigen Gästeerlebnis. Genau darin liegt der Unterschied zu klassischen Entwicklungsprojekten. Führung bedeutet in diesem Kontext, wirtschaftliche, touristische, nachhaltige und gesellschaftliche Dimensionen strategisch zu integrieren und auf ein gemeinsames Qualitätsniveau auszurichten. Es geht nicht nur um Quadratmeter oder Logiernächte, sondern um die langfristige Positionierung. Entscheidend ist der ganzheitliche Ansatz: Wir steuern ein komplexes Ökosystem und übernehmen Verantwortung für eine Entwicklung, die für Gäste, Eigentümerinnen und Eigentümer sowie für die Region dauerhaft Wert schafft.



Dieses Interview mit Raphael Krucker ist zuerst in der persönlich-Printausgabe vom März erschienen.


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