«Marken sind längst zu Broadcastern geworden»

Dylan - Nik Hartmann und David Schärer gründen mit Gadget Entertainment die Agentur Dylan – und wollen die Lücke zwischen Entertainment und Marketing schliessen. Die neue Zürcher Agentur verspricht direkten Zugang zur Entertainmentwelt. Im Interview sprechen Hartmann und Schärer über Strategie, Stars und Sendungsbewusstsein.

von Christian Beck

Nik Hartmann, David Schärer, sind Sie Bob-Dylan-Fans?
David Schärer: Wie wohl alle habe ich grossen Respekt vor seinem Werk. Fan bin ich allerdings nicht.

Nik Hartmann: Dylan ist einzigartig.

Ihre neue Agentur heisst Dylan (persoenlich.com berichtete). Weshalb?
Hartmann: Es war anfänglich ein Projektname: Er steht für grossartige Populärkunst.

Schärer: Es ist die typische Karriere eines Arbeitstitels. Irgendwann verstetigt er sich. Er ist eingängig und damit merkfähig, in der Agenturbranche unbesetzt und semantisch mit einem breiten kulturellen Spektrum konnotiert. Nach der Diskussion um Alternativen sind wir wieder bei Dylan gelandet.

Was war der Auslöser für Dylan? Warum jetzt?
Hartmann: Im Grunde genommen passierte es während eines gemeinsamen Nachtessens als David, Oliver Rosa und ich entschieden, unsere Kommunikations-, Medien- und Entertainment-Fähigkeiten zusammenzulegen. Dylan bietet durch die Beteiligung der Gadget Entertainment Group einen direkten Zugang zur Musik- und Entertainmentwelt. Damit haben wir etwas, was keine Agentur so  anbieten kann.

David Schärer, am Montag sagten Sie an einer Feier, David Schaerer Studio, das Sie vor einem Jahr lancierten, werde in DS Studio umbenannt. Gleichzeitig nimmt Dylan an Fahrt auf. Verwässern Sie damit nicht ihre eigene Marke?
Schärer: David Schaerer Studio beziehungsweise DS Studio und Dylan haben je eine klare Proposition. DS Studio hat sich mit einem mittlerweile fünfköpfigen Team in der strategischen Kommunikation mit gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, politischen und auch juristischen Themen gut etabliert. Abstimmungskampagnen, Wahlkämpfe, auch Public Affairs, Reputationsmanagement, Krisenkommunikation und so weiter. Dylan hingegen verdichtet den Zugang zur Entertainmentindustrie mit Strategie und Contentproduktion. Verkürzt kann man sagen: Dylan ist eher im Absatzmarkt tätig, DS Studio im Meinungsmarkt. Überschneidungen gibt es, wir sehen sie als Synergien.

«Das war quasi ein Soft Launch»

Nik Hartmann, Sie posteten bereits vor fast einem halben Jahr auf LinkedIn über Dylan. Warum folgt erst jetzt die offizielle Kommunikation?
Hartmann: Wir kommunizierten im März die Idee von Dylan im Rahmen des «360° Entertainment-Forums» in Andermatt. Das war quasi ein Soft Launch. Jetzt haben wir auch Kunden und mit Maude Federspiel eine äusserst erfahrene Branchenkennerin als Account Director and Content Lead und den Copywriter Daniel Koch im Team.

Wie gross soll das Team werden?
Hartmann: So klein wie möglich und so gross wie nötig.

Oliver Rosa von Gadget Entertainment, war in Ihrem LinkedIn-Post als Mitgründer angekündigt, steht nun aber nicht mehr namentlich in Ihrer Medienmitteilung. Ist er noch dabei?
Hartmann: Beteiligt an Dylan ist Gadget Entertainment. Oliver Rosa vertritt die Partnerschaft von Gadget an Dylan. Wir sind alle zusammen mit unseren Arbeitsplätzen an der Lagerstrasse 119 in Zürich.

Bei CH Media haben Sie Entertainment und Marken zusammengebracht – bei den «Swiss Music Awards», «Sing meinen Song - das Schweizer Tauschkonzert» oder «MasterChef». War das der Steilpass für Dylan?
Hartmann: Absolut. Und dieses Know-how zwischen Produktion und Kommerz überführen wir in eine Welt der Marken, die selbst längst zu Broadcastern geworden sind.

Dann haben Marken also heute kein zu kleines Sendungsbewusstsein?
Hartmann: Im Gegenteil. Zum Glück haben sie ein grosses Sendungsbewusstsein. Darum klappt das mit Dylan. Wir liefern den Content, die richtigen Kanäle und das Publikum.

«Die beiden Tätigkeiten sind klar abgegrenzt voneinander»

Sie übernehmen Ende September «Happy Day» bei SRF als Nachfolger von Röbi Koller und sind gleichzeitig General Manager von Dylan. Wie vereinbaren Sie «Happy Day» mit der Agenturführung?
Hartmann: Ich wusste bereits vor dem «Happy Day»-Angebot, dass ich mit David und Oliver zusammen Dylan gründen will. So konnten wir die Details bei meinem «Happy Day»-Engagement mit SRF transparent vertraglich regeln. Die beiden Tätigkeiten sind klar abgegrenzt voneinander. Meine Tätigkeit bei Dylan hat keinen Einfluss auf redaktionelle Entscheidungen bei «Happy Day».

«Happy Day» bringt Prominente auf die Bühne – genau das Umfeld, in dem auch Dylan für Kunden arbeiten will. Ist diese Nähe nicht problematisch?
Hartmann: Nein, auch das ist klar abgegrenzt. Wer bei «Happy Day» auftritt, insbesondere auch Bands und Musiker:innen, entscheide nie ich, sondern ist Aufgabe der Redaktion.

Apropos Röbi Koller: Er führt seit 2023 in einer Zürcher Bar einen «Dylan Talk». Was hat Kollers Talk mit Ihrer Agentur zu tun?
Hartmann: Das ist ein purer Zufall. Die Idee des Namens Dylan kam von Gadget.

David Schärer, Sie hatten ein Mandat der SRG. Führen Sie dieses in der heissen Phase der kommenden Halbierungsinitiative weiter?
Schärer: Mein Mandat war von Beginn weg befristet und ist per Ende Juli ausgelaufen. 

«Es gibt wohl keine Agentur auf der Welt, die nicht an die Kraft der Emotionen glaubt»

Dylan macht laut eigenen Angaben «Affective Marketing». Was ist das konkret?
Schärer: Es gibt wohl keine Agentur auf der Welt, die nicht an die Kraft der Emotionen glaubt. Geschenkt. Mit dem Kern des Entertainments dank des Zugangs von Gadget und der strategischen und konzeptionellen Kompetenz sind wir überzeugt davon, das Publikum da anzusprechen, wo es am empfänglichsten ist.

Mit welchen konkreten Projekten starten Sie?
Hartmann: Wir arbeiten zurzeit an Aufgaben zum Beispiel von Pro Juventute oder Raiffeisen Schweiz. Wir erzählen Ihnen dann, wenn die Sachen on air sind – garantiert.

Was wären für Sie Erfolgsindikatoren nach dem ersten Jahr?
Hartmann: Wenn wir im Büro an der Lagerstrasse eine Hintertür einbauen müssen, weil sie uns vorne die Bude einrennen.

«Like a Rolling Stone» war Bob Dylans Durchbruch. Was wird Ihr «Like a Rolling Stone»-Moment?
Hartmann: Unser Ziel ist es, nachhaltige Kommunikations-Hits zu produzieren. Aber eine kleine Anmerkung habe ich. Der Song handelt vom sozialen Abstieg. Ich hoffe, bei uns kommt es nicht so weit.