21.07.2026

Lindt & Sprüngli

Mehr Marketing, kleinere Packungen

Der Konzern intensiviert seine Werbeaktivitäten. Grund sind eingebrochene Absatzmengen nach den jüngsten Preiserhöhungen von 11,8 Prozent. Zusätzlich zu mehr Werbung setzt das Unternehmen auf kleinere Packungsgrössen, gezielte Preiskorrekturen in einzelnen Märkten sowie eine engere Zusammenarbeit mit dem Detailhandel.
Lindt & Sprüngli: Mehr Marketing, kleinere Packungen
Bei Kernprodukten wie Lindor will der Konzern künftig auch kleinere Packungsgrössen anbieten, um den Einstiegspreis für Konsumentinnen und Konsumenten zu senken. (Bild: Lindt & Sprüngli)

«Wir waren alle etwas überrascht von den Reaktionen in einigen Märkten», sagte Konzernchef Adalbert Lechner an einer Telefonkonferenz mit Journalisten am Dienstag. In Deutschland, der Schweiz und Grossbritannien hätten die Konsumenten – im Gegensatz zu früheren Jahren – nach den Preiserhöhungen deutlich vorsichtiger eingekauft.

Im ersten Halbjahr steigerte der Hersteller von Lindorkugeln, Pralinés und Schoggihasen den Umsatz zwar organisch um 4,3 Prozent. Das war aber deutlich weniger als im gesamten letzten Jahr mit 12,4 Prozent. Und das Wachstum beruhte erneut vollständig auf höheren Verkaufspreisen.

Um die stark gestiegenen Kosten insbesondere für Kakao auszugleichen, erhöhte Lindt die Preise im Zeitraum von Januar bis Juni gruppenweit um 11,8 Prozent, dies nach bereits happigen Aufschlägen im letzten Jahr. Gleichzeitig ging das Volumen-/Mix-Verhältnis um 7,5 Prozent zuück. Das bedeutet vereinfacht, dass deutlich weniger Produkte verkauft wurden.

In Schweizer Franken ging der Umsatz wegen ungünstiger Währungseffekte um 0,9 Prozent auf 2,33 Milliarden Franken zurück.

Europa besonders schwach

Besonders schwierig entwickelte sich der Kernmarkt Europa. Dort sank der Umsatz organisch um 2,1 Prozent. Neben den höheren Preisen belasteten ein schwaches Ostergeschäft, die verhaltene Konsumentenstimmung, weniger Reisende aus Asien und dem Nahen Osten sowie die Hitzewelle im Juni.

Deutlich besser lief das Geschäft in Nordamerika. Dort legte der Umsatz organisch um 12,7 Prozent zu. Gefragt waren unter anderem Lindor-Produkte, dunkle Schokolade, Saisonartikel und Produkte der Marke Ghirardelli.

Trotz des schwachen Mengenverlaufs konnte Lindt die Profitabilität leicht steigern. Der operative Gewinn (Ebit) stieg leicht auf 260,2 Millionen Franken. die entsprechende Marge verbesserte sich auf 11,2 von 11,0 Prozent. Lindt begründete dies mit straffer Kostenkontrolle, Effizienzsteigerungen und optimierten Abläufen. Der Reingewinn nahm um 1,6 Prozent auf 191,7 Millionen Franken zu.

Für das Gesamtjahr hält Lindt an seinen Zielen fest. Der Umsatz soll organisch um 4 bis 6 Prozent wachsen. Mittelfristig strebt der Konzern weiterhin ein jährliches organisches Wachstum von 6 bis 8 Prozent an. Im zweiten Halbjahr sollen sich die verkauften Mengen stabilisieren. Für 2027 strebt das Management wieder ein Absatzwachstum an.

Mehr Investitionen in Marke und Expansion

Um den Absatz zu stabilisieren, will Lindt in besonders preissensiblen Märkten die Preise ausgewählter Produkte korrigieren. Daneben setzt der Konzern auf kleinere und damit beim Kauf günstigere Packungen. So sollen Lindor-Produkte zusätzlich in Grössen von 100 oder 137 Gramm angeboten werden. Ergänzend zur 500-Gramm-Packung ist etwa auch eine Variante mit 337 Gramm vorgesehen. Der Preis pro Kilogramm soll damit nicht grundsätzlich sinken, wohl aber der Betrag, den Kunden an der Kasse bezahlen müssen.

Zusätzlich will Lindt enger mit den Detailhändlern zusammenarbeiten, die Werbung verstärken und seine Spar- und Effizienzprogramme ausbauen.

Die begleitende Investorenpräsentation, die Lindt & Sprüngli am selben Tag veröffentlichte, konkretisiert die angekündigten Marketingmassnahmen. Zur Stärkung des Kerngeschäfts nennt der Konzern drei Stossrichtungen: den Ausbau der Saisonartikel-Führerschaft, breitere Kernformate und Preispunkte sowie eine erhöhte Markenpräsenz mit mehr Investitionen in sozialen Medien.

Bei den operativen Kosten hält Lindt & Sprüngli fest, das Budget für Markenwerbung auf hohem Niveau gehalten zu haben, während in allen anderen Bereichen Kostendisziplin herrschte. In der Liste von acht Wachstumstreibern für die Branche führt der Konzern eine konsistente Kommunikation explizit als eigenen Punkt auf.

Als Beispiel für die Markenstrategie nennt die Präsentation die «Dubai Style Chocolade»: Ein virales Momentum in sozialen Medien sei in eine feste, permanente Produktlistung überführt worden, weitere Städte-Editionen seien in Vorbereitung.

Im Bereich des eigenen Ladengeschäfts verweist Lindt & Sprüngli zudem auf neue Vorzeigefilialen in Luzern, Oslo und München sowie auf Markteintritte in Shanghai, Indien, Saudi-Arabien und Malaysia; das eigene Filialnetz diene als Wegbereiter für neue Märkte mit positiver Ausstrahlung auf den Grosshandel.

Gute Ernte

Von einer Rückkehr zum früheren Preisniveau geht Lindt trotz der zuletzt gesunkenen Kakaopreise nicht aus. Die laufende Kakaoernte sei nahezu perfekt ausgefallen, sagte Finanzchef Martin Hug. Die nächste Ernte dürfte jedoch schwächer sein. Zudem erwartet Lindt eine leicht steigende weltweite Nachfrage.

An der Börse wurden die Zahlen mit Skepsis aufgenommen. Die Partizipationsscheine verloren im frühen Handel 1,2 Prozent. Zwar überraschte die verbesserte Marge positiv. Analysten warfen jedoch die Frage auf, ob Lindt nach den massiven Preiserhöhungen wieder zu nachhaltigem Absatzwachstum zurückfinden kann. (awp/sda/cbe)


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