08.05.2022

Plastikrecycling

Migros erntet Kritik für Alleingang

Mit Sammelsäcken: Die Detailhändlerin will im Sommer einen Pilotbetrieb für das Plastikrecycling in vier Zürcher Filialen starten. Bei Aldi, Lidl und Co. kommt das schlecht an – weil die Branche erst vor Kurzem beschlossen hat, eine schweizweite Lösung zu suchen.
Plastikrecycling: Migros erntet Kritik für Alleingang
Von den Kunden abgegebene Plastikrecycling-Säcke der Migros Zentralschweiz: Die Swiss Retail Federation kritisiert das Vorpreschen des orangen Riesen. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Vor zwei Jahren wurde das Projekt der Migros, Plastik in ihren Filialen zu sammeln, von den Behörden gestoppt. Nun wagt der orange Riese einen neuen Anlauf, wie der SonntagsBlick berichtet (online nicht verfügbar). Demnach will die Detailhändlerin in Zusammenarbeit mit der Stadt Zürich im Sommer einen Pilotbetrieb für das Plastikrecycling in vier Filialen starten. Kundinnen und Kunden könnten dort Sammelsäcke kaufen, um sie mit Plastikabfällen zu füllen und zurück in die Filiale zu bringen. Bisher sind nur in der Zentralschweiz sowie in den Regionen Freiburg und Lausanne entsprechende Sammelstellen in Betrieb.

Nur: Vor Kurzem hat die Branche gemäss Medienbericht eigentlich beschlossen, unter dem Namen «Sammlung 2025» eine gemeinsame Lösung für ein schweizweites System für Plastikrecycling zu entwickeln. Zu dieser Vereinbarung gehören nicht nur Coop, Aldi und Lidl – sondern auch die Migros.

Bei der Swiss Retail Federation, die unter anderem die Interessen von Aldi, Lidl und Volg vertritt, kommt dieser Alleingang der Migros gar nicht gut an: «Aus Sicht des Verbands wäre es besser und wichtiger, das Projekt Sammlung 2025 voranzutreiben», wird Geschäftsführerin Dagmar Jenni im SoBli zitiert: «Wenn jetzt lokale, opportunistische Fakten geschaffen werden, könnte es die Einführung eines nationalen Systems deutlich schwieriger haben». Und überhaupt: «Die gemeinsamen Bemühungen sollten jetzt nicht torpediert werden.»

Migros will «Plastikkreislauf schliessen»

Die Migros selber betont gegenüber dem SonntagsBlick, dass es ihr Ziel sei, den «Plastikkreislauf zu schliessen» – und dass sie die Bestrebungen einer Branchenlösung begrüsse: «Mit dem Sammelsack kann die Migros wichtige Erfahrungen sammeln, die sie nun auch in die Ausgestaltung einer möglichen Branchenlösung und eines nationalen Systems eingibt.» 

Zudem heisst es im Bericht von der Migros weiter: «Sollten sich innerhalb des Projekts Sammlung 2025 andere Optionen auftun, die zum gleichen Ziel der konsequenten Kreislaufschliessung führen, sind wir offen für andere Lösungen.» (tim)



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Kommentare

  • Anita Krebs, 09.05.2022 14:23 Uhr
    Schön wäre, dort anzusetzen, wo das «Übel» beginnt; nämlich beim Verpacken. Ich glaube manchmal nicht, was ich an Plastikmüll nach Hause schleppen muss. Auch oder gerade für Bio-Produkte. Macht es nicht viel mehr Sinn, die Umverpackungen zu minimieren? Es gibt Verpackungen, die kann ich ohne Messer, Schere oder sonstiges Werkzeug nicht öffnen. Und wenn ich mir dann überlege, wie lange die halten - da wird mir fast schlecht. Hinterlassen wir den kommenden Generationen nicht schon viel zu viele Altlasten, als dass wir einfach sorglos so weitermachen können???
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