27.02.2003

Otto Ineichen wird neuer SMC-Präsident

Der SMC hat am Samstag Otto Ineichen zum neuen Präsidenten gewählt. Der Wahl des Schweizer Marketing Clubs gingen sechs turbulente Monate voraus, nachdem der frühere Präsident, Roman Zenoni, auf Druck einer Task Force im Herbst zurücktreten musste. Der SMC soll jetzt grundsätzlich modernisiert werden. Das Interview mit Otto Ineichen:
Otto Ineichen wird neuer SMC-Präsident

Mitte Oktober trat Roman Zenoni als Präsident vom SMC, der über 2500 Mitglieder zählt, auf Druck einer Task Force zurück, die von der Generalversammlung zur Untersuchung von Vorwürfen am 14. September des letzten Jahres eingesetzt worden war. Weitere Mitglieder des Zentralvorstandes traten in der Folge auch zurück. Ende November wurde sodann eine sogenannte Selektionskommission gewählt, welche die Vorselektion für einen neuen Präsidenten und auch für den Ersatz des Zentralvorstands vorzunehmen hatte.

Sie schlug am 15. Februar mehrere Kandidaten dem Gesamtvorstand vor, der aus den Präsidenten aller 56 SMC-Regionen und dem Zentralvorstand besteht: Der SMC ist vor allem stark regional verankert. Nominiert wurde der Unternehmer Otto Ineichen. Für den Zentralvorstand wurde weiter Walter Stampfli, Chef der Collano AG (ehemals Ebnöther-Konzern) nominiert, der das Ressort Kommunikation und Events übernehmen wird.

Als neuer Direktor wurde Patrick R. Duss eingesetzt, früher GL-Mitglied von Waser Büro und Netlink AG, der den Umbau der Führung initiierte, und nun den SMC modernisieren soll.

Der SMC, der sich stark in der Ausbildung engagiert, hat pro Jahr rund 3000 Prüfungsabgänger in den Bereichen Marketing und Verkauf. Gerade diesen Bereich will Otto Ineichen nun weiter stärken:

Warum wollten Sie SMC-Präsident werden?

Die Leute in Marketing und Verkauf spielen eine Schlüsselrolle in der Wirtschaft, und zwar die Macher, nicht die Akademiker: Macher, die sich berufsbegleitend weitergebildet haben. Wir alle wissen, dass die Wirtschaft nicht auf Grosskonzernen, sondern auf den KMU basiert, dieser Mittelbau muss durch Macher geprägt sein. Der Mittelbau muss gestärkt werden, zum Beispiel, indem man den dritten Bildungsweg massiv ausbaut. Hier bewegt sich der SMC.

Sind denn Akademiker keine Macher?

Ich bin selbst Akademiker. Die braucht es auch. Aber Akademiker sind teilweise zu hochnäsig, wenn ich das mal so salopp sagen darf. Es braucht vielmehr Umsetzer, die ihr Metier von der Pike auf gelernt haben und sich weitergebildet haben. Man sieht den Unterschied am Beispiel der New Economy: Da kamen viele mit Business-Plänen, die auf wunderbaren Gedankengebilden beruhten, doch sie funktionierten einfach nicht, weil sie ihr Metier nicht wirklich kannten.

Sie haben eigene Erfahrungen gemacht, zum Beispiel mit Miracle?

Ja. Miracle war am Anfang ein gutes Unternehmen. Aber ich sah das auch an Rixxo; da lebte man in absoluter Euphorie, dahinter standen Top-Akademiker, aber als es ans Umsetzen ging, fehlten die Macher.

Was wollen Sie beim SMC als erstes bewirken?

Erst muss ich mich einarbeiten und Gespräche führen, dann möchte ich die Geschäftsführung, verstärken, insbesondere das Controlling. Ich möchte den SMC sehr marktorientiert führen, er muss sich vielmehr öffnen. Eine meiner ersten Aufgaben besteht im weiteren darin, den negativen Filz zu ersticken, wo er vorherrscht. Ich möchte den SMC transparent machen und die Mitgliederzahl erweitern.

Um marktwirtschaftlicher zu operieren, muss man allenfalls die Zentrale des SMC stärken, was bedeutet, dass man die Eigenständigkeit der 56 SMC-Regionen einschränkt.

Ich glaube das nicht. Gerade das ist die Stärke des SMC; - dass viel geleistet wird an der Basis. Reformbedarf sehe ich indessen im Ausbildungswesen. Ich möchte dieses langfristig massiv ausbauen. Es muss auch transparenter werden. Was mich stört, sind die hohen Durchfallquoten, die zu hohen Prüfungsgebühren und dass von den Tausenden von Schulabgängern nur wenig zum SMC fanden.

Wieviel Zeit werden Sie für den SMC einsetzen?

Ich bin in meinem Betrieb nicht mehr operativ tätig. Ich werde mich stark für den SMC einsetzen, weil ich das Thema wichtig für die gesamte Wirtschaft betrachte. Ich setze mich aber auch stark für andere Dinge ein. Man spricht heute immer über die Abzockermentalität in der Wirtschaft, die tatsächlich vorhanden ist, aber in der Politik ist sie es auch, nur noch nicht erkannt. Zum Beispiel die fürstlichen Pensionsausschüttungen für pensionierte Regierungsmitglieder, das sind etliche Millionen; wenn jemand acht Jahre diesbezüglich aktiv war, erhält er eine lebenslange hohe Pension. Oder: Es sind beispielsweise Abstimmungen im Gesundheitswesen im Gange, die noch niemand durchschaut, aber bei welcher die SP den für die Schweiz grössten Schaden anrichten könnte, weil die Kostenseite explodieren wird. Den Karren aus dem Dreck ziehen, müssen dann die Jungen, die heute geschröpft werden und in Zukunft nichts davon haben werden.


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