Auch der Tourismus in der Schweiz leidet: Die Gründe dazu liefern unter anderem ein währungsbedingter Preisanstieg von zehn Prozent bei gleichzeitig schlechter Wirtschaftslage, ein Einbruch der Buchungen aus Übersee, die beim Übernachtungsvolumen einen international gesehen überdurchschnittlich hohen Anteil von 15 Prozent ausmachen, die verhaltene Konsumentenstimmung und ungünstige Witterungsbedingungen. Deshalb prognostiziert ST-CEO Jürg Schmid anlässlich einer Pressekonferenz vom Dienstag für dieses Jahr noch 32.94 Millionen Logiernächte in der Hotellerie. Das entspricht einem Minus von 4.9 Prozent gegenüber 2001.
Neuer Werbeauftritt ab Ende Januar 2003
Für das Stehaufmännchen Schmid ist das aber noch lange kein Grund, Trübsal zu blasen: "Jetzt wollen wir erst recht fulminant in den Winter starten. Die Trends, die wir für die kommende Wintersaison setzen werden, sind nicht nur laut und schrill, sondern auch abseits der gepfadeten Wege." Damit meint er Winterwanderungen, Schneeschuhlaufen, Wellness, Nacht-Skifahren und -Schlitteln mit Party. Besonders angetan ist er von Wellness, wo sich die Schweiz seinen Aussagen zufolge "gewaltig auf der Überholspur befindet". In den letzten zwölf Monaten haben verschiedene Hotels in diesem Bereich mehr als 100 Millionen Franken investiert. Seit dem 5. November ist zudem ein neuer Wellness-Katalog auf dem Markt.
Mit einem Budget von rund zwei Millionen Franken darin sind Personal- und Infrastrukturen nicht eingeschlossen wird Schweiz Tourismus am 29. Januar 2003 einen neuen Werbeauftritt lancieren. Gegenüber "persoenlich.com" verrät Schmid: "Wir werden jünger, frischer und frecher auftreten mit einer neuen Gestaltungsplattfom, einem veränderten graphischen Auftritt und einem neuen Claim. Was bleibt, ist einzig die Goldblume." Bekanntlich wird die effact AG für Kommunikation die Werbeoffensive umsetzen. Die Zürcher Agentur löst Weber, Hodel, Schmid, ab (alter Slogan: "Der wahre Reichtum der Schweiz") und unterhält ein enges Netzwerk mit der deutschen Agentur Schölzel, Möhring GmbH. Die dazu gehörenden Themenrouten sind in bestem Neudeutsch gehalten: Luxury & Design, Wine & Dine sowie Art & Architecture.
Strategische Partnerschaften mit Banken und Uhrenfirmen?

Dabei verschaffen strategische Partnerschaften dem Tourismus in der Schweiz viel Handlungsspielraum. Dank Bucherer, Europcar, Post, SBB, Swisscom, Wenger und neu der Migros konnte Schweiz Tourismus die Einnahmen aus diesem Bereich in den letzten drei Jahren auf über zehn Millionen Franken nahezu vervierfachen. Gisèle Girgis, Mitglied der Verwaltungsdelegation MGB, betont: "Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, mit Schweiz Tourismus zusammenzuarbeiten. Die Kooperation bietet uns die Möglichkeit, die ST-Angebote mit unseren eigenen Produkten und Dienstleistungen zu ergänzen."
Konkret: Ab sofort erhalten Gäste mit Wohnsitz in der Schweiz, die über Schweiz Tourismus eine Wellness-Woche buchen, ein Kneipp-Set als Geschenk, nächsten Herbst einen Blumenstrauss von Florissimail im Hotelzimmer. Sinnvolle Synergien, so Girgis, ergeben sich auch in den Bereichen Wellness und Fitness. Schweiz Tourismus dürfte die Partnerschaften weiter ausbauen. Auf eine entsprechende Frage von "persoenlich.com" meint Schmid: "Wir stehen mit einigen Unternehmen vor dem Abschluss der Vertragsunterzeichnung. Naheliegend ist beispielsweise eine Bank und ein zusätzlicher Partner aus dem Uhrenbereich."
Vorwärts geht es auch mit dem Klassifikationssystem (von einem bis fünf Sternen) für Ferienwohnungen- und -häuser: Die mittlerweile rund 11'000 klassifizierten Objekte werden auf http://www.MySwitzerland.com von Schweiz Tourismus in sechs (!) verschiedenen Sprachen publiziert und sind weltweit abrufbar. Die Site zählt inzwischen drei Millionen Besucher, die sich durchschnittlich elf Minuten lang verweilen.
Trotz den Massnahmen und den anstehenden Grossereignissen wie der Ski-WM in St. Moritz vom 1. bis 16. Februar 2003 fällt Schmids Ausblick 2003 verhalten aus. Für den Winter rechnet er mit einem einprozentigen Rückgang in der Hotellerie, und für das Jahr insgesamt sieht er "keine Anzeichen für einen breiten Aufschwung. Der Konkurrenzkampf um die immer weniger Kunden verschärft sich."

