Seit elf Monaten sitzt Alexander Ruzicka, Ex-CEO der Mediaagentur Aegis Media Wiesbaden in Untersuchungshaft. Ihm wird schwere Untreue in 87 Fällen im Gesamtwert von mindestens 52 Millionen Euro zum Nachteil der Aegis Media vorgeworfen. Nun prüft die Staatsanwaltschaft Wiesbaden ein weiteres Ermittlungsverfahren in der Ruzicka-Affäre, in die auch Hessens Europaminister Volker Hoff, CDU, verwickelt sein soll, wie Werben & Verkaufen berichtet.
Hoff war bis 2006 Inhaber und Geschäftsführer von Zoffel Hoff Medienkommunikation. Kurz vor seiner Berufung zum Minister gab er seine Führungsposition auf. Es bestehe nun aber der Verdacht, dass möglicherweise eine Vollmacht gefälscht ist, mit der Hoff als Geschäftsführer abberufen wurde. Sollte sich der Verdacht erhärten, wäre Hoffs Abberufung als Geschäftsführer unwirksam. Damit wäre gegen das Ministergesetz verstossen worde, das einem Minister verbietet, neben dem Amt eine Geschäftsführerposition auszuüben.
An dem Unternehmen Zoff Hoff Medienkommunikation waren auch die Firma Live 2 Solutions mit Eigentümer Aleksander Ruzicka und die Firma Cascade mit dem Ruzicka-Vertrauten Heinrich Kernbeck, der ebenfalls beschuldigt wird, beteiligt. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Wiesbaden handelt es sich bei den beiden Gesellschaftern der Zoffel Hoff Medienkommunikation, der Live 2 solutions und Cascade um Briefkastenfirmen, die den Zweck hatten, "Geldabflüsse zu verdecken". Laut Staatsanwaltschaft sollen über die Agentur von Hoff rund zehn Millionen Euro abgeleitet worden sein.
Für Ruzicka sind Vorwürfe nicht haltbar
Aleksander Ruzicka hat der österreichischen Wirtschaftszeitung Medianet sein erstes Interview gegeben, seitdem er in Haft sitzt. Dabei zeigt er sich davon überzeugt, dass die Vorwürfe gegen ihn nicht haltbar seien, da zu keinem Zeitpunkt Gelder von Aegis betroffen gewesen seien. "Daher kann es keine Untreue gegenüber Aegis Media geben. Aegis Media kann auch nicht geschädigt worden sein. Ganz im Gegenteil: Aegis hat erheblich profitiert.
Im Interview erläutert Ruzicka ein System von Mediamodellen mittels verschiedener Firmen zur Informationsgewinnung sowie um bei Verhandlungen mit Medien die besten Konditionen für die Aegis Media und ihre Kunden herauszuholen. Ruzicka: "Wir haben einen legalen Weg mit Kundengeldern gefunden, wie wir Kundenvorteile und Aegis Media-Vorteile generieren. Aegis hat inzwischen auch bestätigt, dass es dieses System gab und alle davon wussten. Es kann also keine Rede davon sein, dass fingierte Scheinrechnungen in die Buchhaltung geschleust wurden."
Über seine verschiedenen Firmenbeteiligungen, die in die Media-Modelle involviert waren, wusste laut Ruzicka die Aegis Media genau Bescheid, ihm seien diese Tätigkeiten auch per Dienstvertrag genehmigt worden - sogenannte Kickbacks von seiten der Medien oder sonstwelche Vergünstigungen oder Gelder habe er nie erhalten und daher auch nichts veruntreut.
Die Wiesbadener Mediaagentur Aegis Media reagiert auf das Interview ihres ehemaligen CEOs Aleksander Ruzicka in dem österreichischen Dienst Medianet. Damit seien "unwahre und irreführende Behauptungen in Umlauf gekommen, die wir nicht einzeln kommentieren werden", verlautbart laut Horizont.net die Wiesbadener Agenturzentrale. Im Rahmen zweier Verfahren sei die Justiz zu dem Schluss gekommen, dass die Ermittlungsergebnisse und Gerichtsentscheidungen nicht mit Ruzickas Darstellung im Einklang stünden.

