Herr Frank, Goldbach ist mit einem Plus von 13,3 Prozent jene Einheit der TX Group, die für das Geschäftsjahr 2021 das grösste Umsatzwachstum erzielt hat. Haben Sie die Champagnerkorken schon knallen lassen?
Es ist die falsche Zeit, und es wäre das falsche Zeichen, Champagnerkorken nach zwei Jahren Corona und dem aktuellen Krieg in der Ukraine knallen zu lassen. Wir haben ein erfolgreiches Geschäftsjahr hinter uns, worauf wir stolz sind. Wenn man bedenkt, woher wir im Jahr 2020 gekommen sind, haben wir es 2021 gut hingekriegt. Das unterstreicht, dass unsere Strategie aufgeht.
Im Vergleich zu 2020 hat Goldbach auch den Gewinn gesteigert. Sind Sie überrascht?
Man darf die Situation im Jahr 2021 mit dem viermonatigen Lockdown nicht ausser Acht lassen. Später haben wir aber gespürt, dass die Kunden Vertrauen in uns haben und wieder in den Markt investieren. Darauf waren wir vorbereitet – und haben unsere Arbeit gemacht. Wir haben nach 2020 stark daran geglaubt, dass wir ein Wachstum erreichen können. Dass es gerade so gut lief, hat uns natürlich sehr gefreut.
An der Bilanz-Medienkonferenz der TX Group haben Sie betont, dass sich auch Goldbach in einem Transformationsprozess befindet. Inwiefern?
Wir investieren stark in Technologien. Dies, weil wir über gute lokale Inhalte und Inventare verfügen, womit wir uns von der Konkurrenz abheben. Diese Stärken wollen wir durch die Ende 2021 angekündigte und einfach bedienbare Selfservice-Plattform – speziell im KMU-Business – versuchen zu bearbeiten. Das ist ein wichtiger Punkt für unsere Zukunft. Wir können diesen Weg aber nur beschreiten, weil wir im Jahr 2021 die richtigen Schritte gemacht haben.
«Die namhaften Inventargewinne stimmen uns zuversichtlich, dass wir 2022 weiterhin wachsen werden»
Welche Schritte meinen Sie?
Die Transformation: Die ganze Digitalisierung, die Investments, die wir getätigt haben. Im TV-Bereich steigerten wir nicht nur den Umsatz stark, wir haben ein neues digitales Netzwerk entwickelt, das viel Wachstumspotenzial hat. Zudem haben wir in die Drittvermarktung investiert, mit der wir fast 150 Publisher in der Schweiz und im Ausland bearbeiten. Die namhaften Inventargewinne von VBZ, Coop Schweiz, Migros Aare im Out-of-Home und Digital-Out-of-Home per 2022 stimmen uns zuversichtlich, dass wir weiterhin wachsen werden.
Wie sieht es mit den Tätigkeiten in Deutschland und Österreich aus?
Auch dort haben wir Fortschritte mit unseren Inventaren im programmatischen Digital-Out-of-Home-Bereich erzielt, sowie im TV-Bereich, im Onlinemarketing und bei Performance-Themen.
Wann wurde die Drittvermarktung im Print lanciert?
Begonnen haben wir im Jahr 2020 mit ganz wenig Publishern, mittlerweile sind viele neu dazugekommen. Es geht hier nicht um das Inventar der TX Group beziehungsweise Goldbach, sondern externes Inventar im Publishing-, aber auch im Digitalbereich. Wir setzen darauf, weil wir an die Zukunft von Print glauben.
«Wir glauben keine Sekunde daran, dass Print tot ist»
Das kommt überraschend, wird dem Print ja seit längerer Zeit der Tod vorausgesagt. Was stimmt Sie dennoch optimistisch?
Unsere für das Geschäftsjahr 2021 präsentierten Zahlen sind der beste Beweis, konnten wir doch im Werbevermarktungsmarkt über alle Mediengattungen hinweg wachsen. Wir glauben keine Sekunde daran, dass Print tot ist. Wir sind überzeugt: Print hat seine Berechtigung im ganzen Mediamix. Am Schluss gilt die Maxime: «Content is Hero.» Aber Print ist ein wichtiger Teil davon.
Zeichnet die Branche demnach ein zu düsteres Bild von Print?
Absolut. Ich habe an der Verlegertagung die Stimme erhoben und gesagt: «Was soll das? Lasst uns aufhören, die Zukunft von Print nur negativ zu sehen.» Stattdessen müssen wir versuchen, die nächsten Schritte zu machen. Printmedien werden nach wie vor genutzt, aber auf andere Weise als früher – auch das ist eine Transformation. Ich kann mir deshalb in gewissen Bereichen auch ein Revival von Print vorstellen.
Zurück zur Selfservice-Plattform: Inwiefern entspricht diese dem Kundenbedürfnis?
Die Kunden möchten bei der Werbebuchung einen Ansprechpartner haben, was den ganzen Prozess vereinfacht. Diese Rückmeldung zu «One Face to the Customer» erhalten wir derzeit sehr oft. Deshalb haben wir uns für eine Investition in diesem Bereich und schlussendlich auch für die Entwicklung dieser Plattform entschieden, so dass unsere Kunden nicht nur über unser Inventar, sondern von ganz verschiedenen Inventaren profitieren können. Dies schafft Relevanz im Wettbewerb mit Facebook, Google und Amazon.
«Unsere lokale Perspektive ist ein klarer Wettbewerbsvorteil gegenüber den US-Plattformen»
Sie glauben tatsächlich, dass diese Plattform eine Konkurrenz zu den Techgiganten ist?
Davon bin ich überzeugt, haben wir doch die besseren Inhalte. Entscheidend ist aber: Wir spielen die Inhalte der Kunden nicht nur im digitalen Bereich, sondern in allen Medien aus: DOOH, OOH, Print, Radio und so weiter. Das ist unsere Stärke. Hinzu kommt unsere lokale Perspektive – ein klarer Wettbewerbsvorteil gegenüber den US-Plattformen.
Goldbach hat zudem die Einheit Content & Sponsoring gegründet, um im Eventbereich 360-Grad-Konzepte anzubieten (persoenlich.com berichtete). Weshalb?
Wir haben festgestellt, dass ein 360-Grad-Angebot bei Werbetreibenden hoch im Kurs ist. Kunden sind auf uns zugekommen und haben gefragt, welche Plattformen wir anbieten können. So ist die Idee dieser neuen Einheit entstanden, bei der wir drei Bereiche neu zusammenbringen: Wir suchen Events wie das Lauberhornrennen, bespielen es mit unserem Inventar und suchen Kunden, die das mit uns zusammen ausführen. Das wird ein weiterer wichtiger Eckpfeiler unsere Zukunft.
Zum Schluss: Wann rechnen Sie damit, dass Goldbach umsatzmässig wieder auf dem Vorpandemie-Niveau ankommen wird?
Das ist natürlich der berühmte Blick in die Kristallkugel. Aber mit unserem neuen Inventar bieten wir unseren Kunden ein noch breiteres und attraktiveres Angebot und damit glaube ich, dass wir wachsen werden.