12.10.2015

nnim

"Wir machen Werbung für uns selbst und verdienen sogar dabei"

Das junge Kleiderlabel nnim hat wie die meisten Startups kein Geld für grosse Marketingmanöver. Jurek Ruppen und Phil Bucher machen aus der Not eine Tugend und veranstalten unter ihrem Label mittlerweile auch Parties oder Surfcamps. Soeben haben die beiden zudem eine Signature Kollektion mit der Sängerin Stefanie Heinzmann umgesetzt. Mit persoenlich.com sprachen sie über Produktionsbedingungen, Eventmarketing und erklären, warum sie nicht von Brig nach Zürich ziehen wollen.
nnim: "Wir machen Werbung für uns selbst und verdienen sogar dabei"

Herr Ruppen, Herr Bucher, warum ist Ihr Hauptsitz eigentlich in Brig und nicht zum Beispiel in Zürich, wo wohl die meisten Shops und Show Rooms sind?
Man hat uns tatsächlich schon öfters nahe gelegt, dass es gut für den Brand wäre, wenn wir unsere Basis in Zürich hätten. Aber uns gefällt es im Wallis. Wir sind halt die zwei Dudes aus den Bergen und da wollen wir uns auch nicht verbiegen. Natürlich sind wir ab und zu in Zürich und haben hier auch einen temporären Showroom. 

Was macht nnim denn eigentlich?
Wir sind ein Kleiderlabel, das die Welt von Brig aus erobern will. Den Brand nnim gibt es eigentlich bereits seit 2002, der damalige Mitbesitzer ist dann aber ausgewandert und wir haben nnim übernommen. Wir machen von A bis Z alles zu zweit. Bevor wir richtig losgelegt haben, hat Jurek Ruppen aber extra noch eine Zweitausbildung in BWL gemacht, um auch auf der Businessseite gewappnet zu sein.  Wir haben die Marke dann von Grund auf überdacht und neu ausgerichtet. Seit zwei Jahren bringen wir nun jährlich zwei Kollektionen auf den Markt, mit je 50 Teilen für Männer und Frauen. Ab Sommer 2016 kann man nnim-Kleider erstmals auch in Shops in Deutschland und Österreich kaufen. Das erweitert natürlich unsere Reichweite und wir hoffen, dass wir damit nun auch ein wenig mehr verdienen können. Im Moment fliesst das meiste Geld zurück in nnim.

Was sind die Änderungen und weshalb waren sie notwendig?
Wir haben uns aus der Boardsport-Ecke herausbewegt und positionieren uns nun zwischen Boutique und Boardsport. Wir kommen selber aus der Brettsportwelt, haben aber gemerkt, dass unsere Zielgruppe, also Leute um die 30 mittlerweile aus den Logoshirts herausgewachsen und genug kaufkräftig sind, um sich schöne Teile zu kaufen und gleichzeitig auch an der Qualität und den Produktionshintergründen interessiert sind.

Die Produktion ist ja das Dilemma der Textilindustrie. Einerseits will niemand seine Kleider von Kindern genäht wissen, anderseits soll alles so günstig wie möglich sein. Wie lösen Sie das?
Wir haben verschiedene Produktionsstandorte ausprobiert, weil es uns wirklich wichtig ist, unter welchen Bedingungen die Leute unsere Kleider nähen. Nach einigen Fehlkollaborationen haben wir in Indonesien einen mittelgrossen Familienbetrieb gefunden, der 20 Mitarbeiter beschäftigt. Wir reisen jedes Jahr mehrmals vor Ort um uns einen Einblick zu verschaffen. Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut - so gut,  dass sich daraus eben auch eine Abhängigkeit entwickelt hat. Wir sind der mit Abstand grösste Kunde des Produzenten, springen wir ab hat der Betrieb ein Problem. Aber auch für uns wäre es sehr schwierig einen zweiten Produzenten zu finden der für unsere relativ geringen Stückzahlen die Stoffe so aufwändige färben und bearbeiten würde und bei dem wir sicher sein können, dass auch menschlich alles stimmt.

Sie haben eine recht spezifische Zielgruppe. Wie gehen Sie auf Ihre Kunden zu?
Wir haben das Gefühl, dass die Markenverbundenheit der Leute schwächer geworden ist, jedenfalls in unserem Segment. Es geht wieder verstärkt um das Produkt und den Preis. Das sieht man auch daran, dass selbst grosse Brands ihre Shirts nicht mehr mit riesigen Markenlogos versehen. Und weil wir mit denen budgettechnisch sowieso nicht mithalten könnten, fahren wir unsere eigene Schiene. Wir sind beide in der Snowboardszene verankert, auch freundschaftlich. Und es ist kein Geheimnis, dass diese Leute durchaus gern mal ein bisschen feiern. So sind wir darauf gekommen, nnim vor allem durch Eventmarketing ein Profil zu verleihen.

Wie sieht das aus?
Wir haben zum Beispiel den Homerun ins Leben gerufen der diesen Winter bereits zum dritten Mal stattfindet. Das ist das Klassentreffen der Schweizer Snowboardszene in Bellwald, zu dem wir etwa 80 Boarder einladen. Da sind Legenden dabei, aber auch Nachwuchssportler. Eigentlich ist es ein Steilwandkurvenrennen, aber mehr als um den sportlichen Wettbewerb geht es uns um das Zusammensein und den Spass. Dadurch stellen wir einerseits eine emotionale Bindung zwischen Zielgruppe und nnim her, zum anderen nehmen die Medien den Anlass natürlich wahr, weil ja eben auch Leute wie Frederik Kalbermatten und Reto Kestenholz dabei sind. 

Jetzt haben Sie mit "nnim Entertainment" auch noch ein Eventlabel aufgezogen. Wie läuft es da?
Der Homerun oder auch unser Surfcamp, das wir in Zusammenarbeit mit einem Partner ins Leben gerufen haben, zielen natürlich auf einen engeren Personenkreis. Mit "nnim Entertainment" sprechen wir den Endkonsumenten an und sorgen für die Musik an einem bestimmten Anlass, zum Beispiel für Quicksilver oder auch in Montreux waren wir schon. Wir arbeiten mit rund 30 DJ’s und Bands zusammen, die unsere Brandambassadoren sind. Während der Gigs tragen sie unsere Kleider und die Party läuft unter unserem Label. Ist es ein gutes Fest, erinnern sich die meisten Leute am nächsten Tag an nnim. Wir machen Werbung für uns selbst und verdienen sogar noch ein wenig dabei.

Ein weiteres Marketing-Standbein sind die nnim-Sonderkollektionen für und mit Prominenten. Was haben Sie da im Köcher?
Der Eishockey Nati-Spieler Eric Blum ist in einem Shop auf unsere Kleider gestossen, mochte den Brand und unsere Geschichte und hat uns direkt kontaktiert. Daraus ist eine kleine Signature Kollektion entstanden. So ähnlich ging es mit der Walliser Sängerin Stefanie Heinzmann, die in Brig unsere Nachbarin ist. Während eines gemeinsamen Abendessens ist uns die Idee gekommen, zusammen Kleider zu entwerfen. Gesagt, getan. Im Sommer 2016 vermarktet Stefanie die vierteilige Kollektion über ihre eigenen Kanäle, das gibt uns nochmals ein ganz anderes Publikum. Es geht dabei weder ihr noch uns um das grosse Geld. Sie fand einfach gut was wir machen und unterstützt uns dabei.

Interview: Lucienne Vaudan, Bild: zVg

 

 

 

 

 

 

 


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Kommentarfunktion wurde geschlossen