20.06.2018

ZipMedia

«Wir möchten weiterhin Handwerker bleiben»

Die Mediaagentur im Seefeld feiert das 15-jährige Jubiläum. Im Interview sprechen die Inhaber Thomas Rüttimann und Caroline Nünlist über die Auswirkungen der digitalen Transformation, das Ende von Publicitas und blicken in die Zukunft.
ZipMedia: «Wir möchten weiterhin Handwerker bleiben»
«Wir müssen ein bisschen besser sein als die Konkurrenz – oder versuchen es zumindest»: Thomas Rüttimann und Caroline Nünlist, Inhaber von ZipMedia. (Bild: zVg.)

Herr Rüttimann, Ihre Mediaagentur feiert das 15-jährige Jubiläum. Warum haben Sie sich 2003, in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit, zur Gründung einer eigenen Agentur entschieden?
Thomas Rüttiman: Wir haben uns dazumal nicht den Kopf zerbrochen, ob es mit der Wirtschaft rauf oder runter geht – wir waren positiv eingestellt. Caroline und ich waren damals bereits seit drei Jahren in einer Zweier-Bürogemeinschaft und hatten das Gefühl, dass wir gemeinsam stärker sind, als jeder alleine mit seiner Einzelfirma. Das Marktumfeld der Mediaagenturen war 2003 noch «friedlich» und die Konkurrenz überschaubar.

Frau Nünlist, Sie kamen beide von Wirz. Was gab bei Ihnen den Ausschlag, sich selbständig zu machen?
Caroline Nünlist: Ehrlich gesagt, war das bei mir einmal erst eine Zwischenlösung, ganz und gar nicht geplant. Ich hatte damals die Nase voll von Media; 12 Stunden-Tage, wenig bis keinen Kontakt mit meinen Kunden, dafür zähe Verhandlungen um Mediahonorarprozente mit Beauftragten vom internationalen Headquarter oder Reporting-Endlosschlaufen. Ich kündigte und ging auf Reisen. Bei meiner Rückkehr mietete ich mal zur «Überbrückung» ein Büro bei Thomas. Das war 2001. Und da bin ich dann hängen geblieben, weil ich gemerkt habe, dass ich die Materie Media eben doch liebe, wenn ich die Rahmenbedingungen selber gestalten kann. Bei Thomas war es ein bisschen anders, bereits als ich ihn kennenlernte, eben bei Wirz, hatte er den Drang zur Selbständigkeit.

Sie sind mit acht Mitarbeitern eine kleine Agentur. Wie können Sie sich gegen die grossen Netzwerkagenturen durchsetzen?
Rüttiman: Wir müssen ein bisschen besser sein – oder versuchen es zumindest. Persönliches Engagement, Kontinuität bei Kunden und Mitarbeitern, hohes Fachwissen und Transparenz sind für uns ganz wichtige Komponenten der täglichen Arbeit. Unsere Kunden sind in der Regel schöne Schweizer Brands, die sich bei einer inhabergeführten Schweizer Mediaagentur gut aufgehoben fühlen.

Gab es nie Bestrebungen einer Übernahme?
Nünlist: Interessenten gab es über die Jahre ab und an – aber bis jetzt nie unsererseits.

Sie haben in Ihrem Portfolio grosse Kunden wie Swiss Life, Bell oder seit neuem Swisslos. Was machen Sie besser als die Mitbewerber?
Rüttiman: Wir alle bei ZipMedia kennen die Schweizer Medialandschaft wie unsere eigene Hosentasche und können unsere Kunden kanalübergreifend beraten. Wir investieren viel in die Weiterbildung unserer Crew, im letzten Jahr waren es über 700 externe Stunden, damit unser Kommunikationswissen up to date bleibt. Fachwissen ist sicher die Basis, aber Engagement und Einsatz ebenso wichtig. Dass wir sehr transparent sind, was Honorar, Freespace und Direktbuchungsentschädigungen betrifft, ist sicher kein Nachteil.

Wie hat sich das Mediageschäft in den vergangenen 15 Jahren verändert?
Nünlist: Einerseits gewaltig, andererseits, das sorgfältige Handwerk hat Bestand. Das Gespür und Wissen um die Medien und deren Funktionen im Mediamix ist nach wie vor die Grundbedingung für gutes Arbeiten. Vor allem die digitale Transformation trifft Mediaagenturen in zweierlei Hinsicht, einmal als Unternehmen in der Arbeitsweise, aber auch als Ursprung einer neuen Mediengattung, die uns herausfordert mit ihren Möglichkeiten, der Geschwindigkeit ihrer Neuerungen, der Fragmentierung der Mediennutzung und damit einhergehend der Erosion von Reichweite. Dazu erleben wir tendenziell eine Verschiebung von Branding- zu Performance-Zielen, aus unserer Sicht eine nicht unproblematische Entwicklung. Im Weiteren sind die Tarifgefüge ziemlich komplex geworden.

Welchen Einfluss hatte der Untergang der Publicitas?
Rüttiman: Dass es mit der Publicitas so enden musste, finden wir natürlich bedauernswert. Die Ampel stand allerdings schon länger auf Orange, aus diesem Grund wickelten wir bereits einen Grossteil unserer Buchungen direkt ab. Für die wenigen Mandate, die noch über die P liefen, bedeutet deren Untergang künftig mehr administrativen Aufwand, was aber verschmerzbar ist. Durch den Verlust der Publicitas wird die Gattung Print wohl nochmals an Bedeutung einbüssen. 

Welche Rolle spielt in Zukunft das Internet, welche der Print?
Nünlist: Wir folgen den Medienkonsumenten. Die Mediennutzung verschiebt sich weiter klar in Richtung digital, die klassischen Mediendevices – sprich das TV-Gerät, das Radio oder die gedruckte Presse – verlieren Nutzer. Die Bedeutung des Internet für die Media wird also noch weiter wachsen. Print hingegen kämpft mit Reichweitenverlusten. Gegenüber den digitalen Werbeformen hat eine Printanzeige aus Mediasicht aber eindeutig auch Vorteile: Glaubwürdigkeit, Akzeptanz, qualitativ hochwertige Umfelder, gute Kontaktqualität, hohe Aufmerksamkeit, die Möglichkeit der vertieften Ansprache oder im Fach-Bereich die intensive Nutzung, sprechen nach wie vor für die gedruckten Medien. Content, der nicht gratis im Web zu finden ist, wird Bestand haben. Also zumindest lokale Nachrichtenblätter, das hochwertige Spezialmagazin oder den Fachtitel für Holzbauer wird es auch in 10 Jahre noch geben. Eventuell liest man sie dann allerdings auf dem Tablet. 

Wie sehen Ihre weiteren Perspektiven aus? Wollen Sie weiter wachsen?
Rüttiman: Mit unserem eingespielten Team wollen wir erfolgreich spannende und solide Schweizer Brands betreuen, Engagement und Freude an der Arbeit sind für uns wichtige Aspekte. Unser Ziel war es nie, möglichst gross zu werden – im Gegenteil. Caroline und ich möchten weiterhin «Handwerker» bleiben und unsere Kunden aktiv und persönlich betreuen. Demnächst wollen wir im digitalen Bereich, vor allem im Online-Admanagement zulegen, da suchen wir noch eine Person.

Und zu guter Letzt: Was bedeutet eigentlich der Name ZipMedia?
Nünlist: Ursprünglich kommt der Begriff vom englischen «Zipper». Ein Reissverschluss fügt zwei Teile clever, einfach und effizient zusammen. Zum Beispiel Kunde und Produkt. Aber auch diese, neuere Definition passt gut zu uns: «zipping» = to move, act, function with speed and vigor.



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