Frau Kleiner, im Film rufen vier Altbundesrätinnen Frauen dazu auf, sich in der Politik zu engagieren. Warum haben Sie für diese Botschaft auf die alte Garde gesetzt? Würden junge Politikerinnen junge Frauen nicht mehr ansprechen?
Wir haben mit unseren Protagonistinnen vier der bekanntesten Staatsfrauen in der Schweizer Politgeschichte vor der Kamera vereinen können. Trotz oder gerade wegen ihrer Verschiedenheit sind sie alle Vorbilder für junge, künftige Politikerinnen.
Wie schwierig war es, Ruth Dreifuss, Doris Leuthard, Viola Amherd und Simonetta Sommaruga für das Projekt zu gewinnen?
Zu unserer grossen Freude konnten wir die vier Altbundesrätinnen rasch von unserer Idee überzeugen – sie alle teilen unsere Analyse der gegenwärtigen Herausforderungen und die nötige Antwort auf den Demokratie-Backlash: Es braucht mehr Frauen, die mit am Tisch sitzen, wenn Entscheidungen gefällt werden, die uns alle betreffen.
Es gibt noch drei weitere Altbundesrätinnen, die noch am Leben sind. Wollten Micheline Calmy-Rey, Ruth Metzler-Arnold und Eveline Widmer-Schlumpf nicht im Video erscheinen?
Auch Altbundesrätinnen sind noch immer sehr vielbeschäftigte Frauen! Entsprechend liess es sich leider aus terminlichen Gründen nicht mit allen einrichten. Aber Frau Metzler-Arnold hielt als erst dritte Bundesrätin in der Geschichte der Schweiz gestern Abend bei der Lancierung von «Helvetia ruft!» 2027 zu den zahlreich anwesenden Unterstützerinnen der Kampagne eine Rede. Vor acht Jahren sprach Elisabeth Kopp an der ersten Lancierung von «Helvetia ruft!», die zur historischen Frauenwahl 2019 geführt hat. Vor vier Jahren war es Ruth Dreifuss. In vier Jahren werden wir Micheline Calmy-Rey anfragen – dann hoffentlich rechtzeitig.
«Die Medien- und Kommunikationsbranche hat einen grossen Einfluss darauf, wie wir Frauen wahrnehmen»
Viola Amherd steht im Dossier der F-35-Anschaffung immer noch in der Kritik. Letzte Woche hat ein parlamentarischer Bericht nahegelegt, dass die damalige Verteidigungsministerin über den Fixpreis der Kampfjets gelogen hat. Ist das für die Kampagne nicht schädlich?
Die Kampagne macht sich stark für eine repräsentative Vertretung der Frauen in der Politik, das ist ein übergeordnetes Thema.
Haben Sie in Betracht gezogen, Frau Amherd aus dem Film zu nehmen?
Nein.
Für die Entwicklung des Films haben Sie die Agentur La Stratégiste von Regula Bührer Fecker an Bord geholt. Gab es einen Pitch?
Nein, es gab keinen Pitch. Regula Bührer Fecker hat durch ihre analytischen Fähigkeiten, ihr feines Gespür für Trends und ihre erfolgreichen Kampagnen unsere Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Und auch deshalb, weil sie eben nicht nur «Stratégiste» ist, sondern sich auch seit Langem für Gleichstellungsthemen einsetzt. Die Medien- und Kommunikationsbranche hat einen grossen Einfluss darauf, wie wir Frauen in unserer Gesellschaft wahrnehmen. Regula Bührer Fecker ist sich dessen bewusst, genauso wie etwa die Menschen hinter Equal Voice oder dem Gislerprotokoll. Die Produktion des Videos haben wir Mediafisch mit Miguel Kratzer anvertraut und sind sehr zufrieden mit dem Resultat.
Wie lautete der Auftrag?
Wir wünschten uns ein bewegendes, inspirierendes und aufforderndes Video, mit dem wir Frauen vermitteln können, dass Helvetia SIE ruft. Ein Video mit dem nötigen Pathos, ohne eine Schwere zu vermitteln.
Der Film soll auf das neue Angebot der Helvetia ruft! Academy aufmerksam machen. Welche Skills lernen Frauen da, die in die Politik gehen wollen?
Die Helvetia ruft! Academy ist ein staatsbürgerliches Bildungsprogramm für Politikerinnen und Kandidatinnen bei den nationalen Wahlen 2027. Wir bieten in unseren Kursen unter anderem Inputs zu Geopolitik, Wirtschaftspolitik, Gesellschaftspolitik, Klima- und Energiepolitik, zu Auftrittskompetenz, mentaler Gesundheit, Umgang mit Social Media und Hate-Speech, und wir bieten viel Raum für die überparteiliche Vernetzung. Die Teilnehmerinnen stammen aus allen Parteien, und sämtliche Referentinnen und Expertinnen sind Frauen. Zum Auftakt hält Doris Leuthard eine Keynote.
«Natürlich planen wir nächstes Jahr eine grosse Mobilisierungskampagne für die Wählerinnen und Wähler»
Der Frauenanteil im Nationalrat liegt aktuell bei 41 Prozent. Im Ständerat sind es nur 33 Prozent. Was sind Ihre Ziele für die Bundeswahlen 2027?
Wir wollen um 3 bis 5 Prozentpunkte zulegen. Helvetia ruft! ist ein Generationenprojekt, an dem wir überparteilich, hartnäckig und lustvoll arbeiten.
Wie sieht die weitere Kommunikationsplanung bis zu den Wahlen aus – sind weitere Filme oder Kampagnenformate geplant?
Natürlich planen wir nächstes Jahr eine grosse Mobilisierungskampagne für die Wählerinnen und Wähler. Doch zunächst muss «Helvetia ruft!» dafür sorgen, dass die Frauen zahlreich und gut gewappnet zu den Wahlen antreten und dies von aussichtsreichen Listenplätzen aus tun können. Denn nur so haben sie tatsächliche Chancen, 2027 ins Parlament gewählt zu werden. Haben Sie eine gute Kampagnen-Idee für unsere Kampagne? Dann rufen Sie an – Helvetia antwortet!

