Sonia Milici, was wünscht man einer Finanz-App zum fünften Geburtstag?
Dass sie im Herzen immer jung bleibt. Yuh soll sich die jugendliche Neugier und Spontaneität bewahren – frech, offen und immer in Bewegung, ohne jemals ganz «erwachsen» oder gar statisch zu werden. Mein konkreter Wunsch: Dass wir diesen Spirit nutzen, um bis Ende 2026 die Marke von einer halben Million «Yuhsern» zu knacken. Da liegen wir bereits gut im Plan.
Gefeiert wird am Montag am Zürcher Hauptbahnhof. Was darf man sich darunter vorstellen?
Wir teilen buchstäblich den Erfolg mit unseren «Yuhsern»: In der Haupthalle des Zürcher HB präsentiert unser CEO Jan De Schepper eine sechs auf vier Meter grosse Wand aus exakt 1254 «Financier»-Stücken. Während wir diese an Pendler und Fans verteilen, wird Stück für Stück eine versteckte Botschaft an der Wand sichtbar. Die Aktion steht sinnbildlich für die Entwicklung, die Yuh in den vergangenen fünf Jahren durchlaufen hat: von einer Finanz-App hin zu einer Community, die Banking selbstverständlich in ihren Alltag integriert hat. Es ist eine Einladung, gemeinsam mit uns diesen Meilenstein zu feiern – physisch, nahbar und mit einer Prise Humor.
Fünf Jahre, fast 400'000 Kundenkonten, 3,8 Milliarden Franken verwaltetes Vermögen – und die Profitabilität ein Jahr früher als geplant erreicht. Was hat Sie in dieser Zeit am meisten überrascht?
Was mich am meisten überrascht hat, war, wie bereit die Menschen für genau diesen Ansatz waren. Wir sind mit Yuh bewusst anders an das Thema Finanzen herangegangen: zugänglicher, direkter und näher am Alltag der Menschen. Dass daraus innerhalb von fünf Jahren nicht nur fast 400'000 «Yuhser»-Konten entstanden sind, sondern eine echte Community, zeigt für mich vor allem eines: Viele Menschen wollten ihre Finanzen längst selbst in die Hand nehmen – es fehlte einfach ein Angebot, das sich nicht wie klassisches Banking anfühlt.
In der Schweiz tummeln sich mehr als zehn Neobanken und Finanz-Apps. Yuh hat schnell die Profitabilität erreicht. Was war marketingseitig entscheidend dafür?
Ich glaube, entscheidend war, dass wir Marketing nie getrennt vom Produkt gedacht haben. Yuh wurde konsequent aus Sicht der «Yuhser» aufgebaut: einfach, transparent und ohne die typische Komplexität klassischer Banken. Dies zeigt sich unter anderem in der einfachen Bedienung und in unserem «low to no fees»-Prinzip – aber eben auch in der Kommunikation. Dazu kommt, dass wir früh verstanden haben, wo und wie wir Menschen erreichen. Yuh kommuniziert auf Augenhöhe und war beispielsweise eine der ersten Schweizer Finanzmarken, die konsequent auf Plattformen wie TikTok gesetzt hat.
Yuh spricht in der Kommunikation betont junge und weibliche Zielgruppen an – der typische Yuh-Kunde ist aber eher Mitte dreissig und männlich. Ist das ein Widerspruch oder eine Strategie?
Überhaupt nicht. Wir glauben, dass beim Thema Finanzen noch viel Potenzial besteht, insbesondere mehr Frauen anzusprechen, die sich von klassischer Banking-Kommunikation oft nicht abgeholt fühlen. Gleichzeitig sehen wir, dass Frauen Banking-Beziehungen langfristiger aufbauen. Genau deshalb sind wir überzeugt, dass ihr Anteil bei Yuh weiter wachsen wird – und unsere Zahlen zeigen bereits heute klar in diese Richtung.
Yuh kommuniziert viersprachig – Deutsch, Französisch, Italienisch, Englisch. Gibt es inhaltliche Unterschiede je nach Region, oder ist die Botschaft überall dieselbe?
Die Grundbotschaft bleibt überall (fast) dieselbe – aber wir achten sehr darauf, dass sie in jeder Sprachregion natürlich klingt. Als Romande weiss ich selbst, wie schnell Werbung künstlich wirkt, wenn sie einfach aus dem Deutschen übersetzt wird. Deshalb arbeiten wir in allen vier Sprachen konsequent mit Native Speakern und passen Inhalte jeweils an die sprachliche und kulturelle Realität der Region an.
«Wir versuchen, Finanzthemen so zu erklären, wie Menschen heute Inhalte konsumieren»
Säule 3a, Fractional Trading, Krypto-Investments – das sind erklärungsbedürftige Produkte. Wie macht Yuh sie massentauglich, ohne zu vereinfachen?
Wir versuchen, Finanzthemen so zu erklären, wie Menschen heute Inhalte konsumieren: kurz, konkret und ohne komplizierte Fachsprache. Statt langer Erklärungen setzen wir auf Infografiken, kurze Videos oder Tutorials, die direkt im Alltag weiterhelfen. Auch unsere Inhalte auf «YuhLearn» sind bewusst so aufgebaut, dass man sie schnell unterwegs lesen kann – meist in fünf Minuten oder weniger.
Yuh setzt auf KI – produktseitig mit der Assistentin Yuhlia, marketingseitig mit dem KI-CEO Fin. Wie werden diese Angebote von den Nutzenden angenommen?
Für unsere KI-Assistentin Yuhlia innerhalb der App erwarten wir bereits in der ersten Welle zwischen 600'000 und einer Million Fragen unserer «Yuhser». Fin wird nach unserem Eindruck gar nicht als KI wahrgenommen, sondern als Persönlichkeit und unser Botschafter im digitalen Raum. Beides entspricht auch unserer Gesamtstrategie: Wir argumentieren nicht mit technischen Features, sondern mit Nutzen – und auch mit Spass bei der Nutzung.
Yuh war 2021 eine Neugründung und ist sehr schnell gewachsen. Wie haben Sie als Marketingleiterin Alltagsgeschäft und Organisationsaufbau gleichzeitig bewältigt?
Wir haben uns auch intern für Einfachheit und Nutzwert entschieden, uns also möglichst wenig mit umständlichen Prozessen und Kompetenzgerangel belastet. Für viele Journalisten und auch manche «Yuhser» war es eine Überraschung, dass sich unser CEO manchmal gleich selbst meldete, um zu helfen. Schnelle Entscheidungen, kurze Wege, agiles Umsetzen – das hat uns erlaubt, viel umzusetzen und gleichzeitig gewisse Strukturen aufzubauen.
Sie leiten ein 40-köpfiges Team an zwei Standorten – in Gland und Zürich. Nun wird der Hauptsitz nach Zürich verlegt. Was ändert sich für Ihr Team?
Dezentrales Arbeiten über verschiedene Standorte hinweg ist sowohl bei Yuh als auch bei Swissquote seit Langem Teil des Alltags. Vieles läuft ohnehin digital – von Videocalls über gemeinsame Systeme bis zur täglichen Zusammenarbeit im Team. In der Praxis wird sich deshalb gar nicht so viel verändern. Gleichzeitig bringt die neue Konstellation auch etwas Schönes mit sich: Wir ermöglichen unseren Mitarbeitenden bewusst, zwischendurch auch einmal in Zürich oder in der Westschweiz zu arbeiten und so den Austausch zwischen den Teams ganz unkompliziert zu stärken.
«Wir sehen starke Werte bei Markenwahrnehmung und Kundenzufriedenheit»
2025 waren Sie Finalistin beim «CMO of the Year». Was hat diese Anerkennung für Sie persönlich bedeutet – und was sagt sie über Yuh als Marke aus?
Mich hat besonders gefreut, dass damit nicht nur kreative Kampagnen ausgezeichnet wurden, sondern vor allem der konkrete Impact dahinter. Wir haben in kurzer Zeit über 100'000 «Yuhser» gewonnen, wurden als erste Schweizer Finanz-App profitabel und sehen starke Werte bei Markenwahrnehmung und Kundenzufriedenheit. Persönlich war es für mich als Romande Marketerin aber auch eine besondere Anerkennung, plötzlich schweizweit auf diesem Radar zu sein. Und letztlich zeigt das auch, dass Yuh als Marke vieles richtig gemacht hat.
Seit Mitte 2025 gehört Yuh zu 100 Prozent Swissquote – PostFinance ist ausgestiegen. Was hat das für die Markenführung und Kommunikation konkret verändert?
Es hat einerseits für die kommenden Jahre volle Klarheit geschaffen, was Eigentümerschaft, Strategie und interne Prozesse angeht. Andererseits hat unser CEO Jan De Schepper, der als paralleler CMO von Swissquote selbst einen starken Marketing-Hintergrund mitbringt, sehr früh entschieden: Beide Marken brauchen und behalten ihre eigene Identität. So entstehen zwar organisatorische, personelle und technische Synergien, gleichzeitig bleibt der Yuh-Brand genauso eigenständig und einzigartig, wie unsere «Yuhser» ihn kennen.
Das nächste erklärte Ziel sind 500'000 Kundenkonten bis Ende 2026. Wie wollen Sie die letzten 100'000 gewinnen – sind das dieselben Mittel wie bisher?
Unsere DNA – Einfachheit, Transparenz und ein All-in-one-Ansatz – bleibt auch auf dem Weg zu 500'000 «Yuhsern» zentral. Wir werden weiterhin dort sichtbar sein, wo sich unsere zukünftigen «Yuhser» bewegen, und Banking so gestalten, dass es selbstverständlich in den Alltag passt. Und natürlich arbeiten wir auch an neuen Produkten und Features, die «Yuhsern» das Leben noch einfacher machen werden.
Was wünschen Sie Yuh für die nächsten fünf Jahre?
Wir wünschen uns, dass Yuh den Start-up-Spirit behält, auch wenn wir uns inzwischen als Unternehmen etabliert haben. Gleichzeitig sehen wir Yuh als Begleiter für alle Lebensphasen: vom ersten Taschengeld über das Studium bis zum ersten Job und darüber hinaus. Daher wünschen wir uns einerseits neue «Yuhser», die ab dem 14. Lebensjahr bei uns dabei sein können, und andererseits, dass wir sie auf ihrem Weg begleiten und mit ihnen gemeinsam wachsen dürfen.


