27.09.2022

Schutz von Medienschaffenden

40 Branchenvertreter diskutieren über Aktionsplan

Hassreden im Netz, Gewalt an Demonstrationen, missbräuchliche Gerichtsklagen und immer weniger Anerkennung des Berufs: Am Dienstag wurde beim Bakom der bessere Schutz von Journalistinnen und Journalisten besprochen. «Wir sind auf dem richtigen Weg», heisst es in Biel.
Schutz von Medienschaffenden: 40 Branchenvertreter diskutieren über Aktionsplan
Bei Demonstrationen kommt es immer häufiger zu Gewalt gegen Medienschaffende: Eine Aktion gegen die Coronamassnahmen des Bundes in Zürich. (Bild: Keystone/Walter Bieri)
von Michèle Widmer

Drohungen und Gewalt gegen Medienschaffende sind auch in der Schweiz Realität. Die Coronapandemie hat die Situation akzentuiert – insbesondere im digitalen Raum. Auch Bundesrätin Simonetta Sommaruga ist beunruhigt über die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen für Journalistinnen und Journalisten. Im Juni 2021 kündigte die Medienministerin im Einklang mit einer Resolution des Europarats einen sogenannten Nationalen Aktionsplan (NAP) an, der die Sicherheit von Medienschaffenden in der Schweiz verbessern soll (persoenlich.com berichtete). Dieser kommt nun ins Rollen.

Anfang September hat Bernard Maissen, Direktor Bundesamt für Kommunikation (Bakom), zu einem Austausch und einer Diskussion nach Biel geladen. «Nur ein Massnahmenkatalog, der von der Branche unterstützt und mitgetragen wird, ist auch wirklich etwas wert», schrieb er im Mail. Drei Dutzend Vertreterinnen und Vertreter von verschiedenen Bereichen der Medienbranche aus der Deutsch- sowie der Westschweiz sind seinem Aufruf gefolgt und am Dienstagvormittag nach Biel gereist, wie es beim Bakom auf Anfrage heisst. Die grossen Medienhäuser seien vor Ort gewesen, genauso wie Verbände, Ausbildungsinstitutionen, Gewerkschaften aber auch freischaffende Journalisten.

Diskussion um vier Handlungsfelder

Als Basis für die Diskussion standen die Ergebnisse einer Onlineumfrage vom Februar 2022 zur Verfügung. Insgesamt gingen 198 Antworten ein – 153 von deutschsprachigen, 34 von französischsprachigen und 11 von italienischsprachigen Teilnehmenden. Aus den Ergebnissen sowie aus weiteren Gesprächen mit Medienschaffenden hat das Bakom im Vorfeld vier Felder mit Verbesserungsbedarf definiert, die im NAP adressiert werden sollen.

Dies ist zum einen ganz generell die verbesserte Anerkennung der Rolle und des Berufs der Medienschaffenden. In der Onlineumfrage vom Februar gab die Mehrheit der Teilnehmenden an, dass sich die Glaubwürdigkeit ihres Berufsstandes in den letzten Jahren verschlechtert hat – insbesondere aufgrund von sozialen Netzwerken, Wettbewerb sowie neuen Medien, die den traditionellen Journalismus infrage stellen. Die Befragten führten dies zudem auf die Polarisierung der Gesellschaft, Fake News im Internet, weniger Meinungsaustausch oder die Coronakrise zurück.

Zudem sollen Medienschaffende verstärkt vor Drohungen und Hassreden im Netz geschützt werden. Vor allem in der Branche tätige Frauen sind davon stark betroffen, wie die Umfrageergebnisse zeigen. Verbesserungsbedarf besteht auch beim physischen Schutz, insbesondere im Rahmen von Demonstrationen. Als vierten Punkt hat das Bakom den Schutz vor missbräuchlichen Gerichtsklagen gegen Medienschaffende definiert.

«Auf dem richtigen Weg»

Beim Bakom ist man nach dem Treffen vom Dienstag zufrieden: «Das Gespräch mit den Branchenvertreterinnen und -vertretern ist sehr offen und konstruktiv verlaufen. Wir sind auf dem richtigen Weg», sagt Barbara Siegrist, stv. Projektleiterin NAP beim Bakom, gegenüber persoenlich.com.

Voraussichtlich bis im Sommer 2023 will das Bakom die Massnahmen des Aktionsplans veröffentlichen. Dieser wird empfehlenden Charakter haben und rechtlich nicht bindend sein.



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