23.12.2024

Radio

Abschaltung von UKW-Radio rückt näher

An Silvester endet die UKW-Verbreitung der SRG-Sender. Doch rund zwei Dutzend Privatradios in der Schweiz senden weiter via UKW und stellen den Dienst erst spätestens Ende 2026 ein.
Radio: Abschaltung von UKW-Radio rückt näher
Vom Bantiger-Turm bei Bern werden ab Anfang 2025 keine UKW-Programme der SRG mehr ausgestrahlt. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) schaltet ihre 850 Ultrakurzwellen-Rundfunk-Antennen per 31. Dezember 2024 um Mitternacht ab. Sie spart damit gemäss eigenen Angaben rund 15 Millionen Franken pro Jahr.

Eine der 850 Antennenanlagen steht auf dem Bantiger bei Bern (siehe SRF-Beitrag unten). Auch hier wird an Silvester der Stecker gezogen. Mit UKW verschwindet dort bereits die dritte Rundfunkverbreitungstechnologie. 2007 war Schluss für das analoge Fernsehen UHF, 2019 stellte auch sein digitaler Nachfolger DVB-T mangels Publikumsinteresse den Betrieb ein. Nun folgt die analoge Radioverbreitung.

Wer bis anhin die SRF-Radioprogramme SRF 1, SRF 2 Kultur und SRF 3 via UKW hörte und das auch im neuen Jahr gerne tun würde, muss also auf die digitale Radio-Sendetechnologie DAB+ oder das Internetradio umsteigen. Alle anderen Programme der SRG sind schon jetzt nur via Internet oder DAB+ erhältlich, für die Verbreitung von DAB+ benötigt die SRG rund 260 Antennen.

Digitales Radio immer weiter verbreitet

Laut dem Bundesamt für Kommunikation (Bakom) hören derzeit noch rund 10 Prozent der Bevölkerung in der Schweiz Radio ausschliesslich über UKW. Die Nutzung von DAB+ und Internetradio sei derweil seit 2015 kontinuierlich angestiegen: beim DAB+ von 23 auf 41 Prozent im Jahr 2023 und beim Internetradio von 26 auf 39 Prozent.

UKW-Radio wurde im vergangenen Jahr mit 33 Prozent noch am häufigsten im Auto gehört, aber auch dort überwog dem Bakom zufolge die digitale Nutzung.

Die Positionen von SRG und Bakom haben sich seit der Bekanntmachung der Abschaltung durch die SRG Ende Juni dieses Jahres denn auch nicht geändert: Beide Seiten halten das Vorgehen nach wie vor für sinnvoll und vertretbar. Dies auch angesichts der Tatsache, dass es den Privatradios freigestellt bleibt, noch bis 31. Dezember 2026 via UKW zu senden.

Der Bundesrat hatte die UKW-Funkkonzessionen für die Radiobranche Ende Oktober 2023 ein letztes Mal auf dieses Datum hin verlängert. Dies um der Radiobranche individuelle Abschaltlösungen zu ermöglichen, wie das Bakom auf Anfrage von Keystone-SDA schreibt.

Zwölf Deutschschweizer Radios weiter auf UKW

Auch die Deutschschweizer und Tessiner Privatradios begrüssen den Schritt der SRG und nutzen auch selber ihren Spielraum: Ein Teil der 25 Radiostationen beginnt Anfang 2025 mit der Abschaltung einzelner, meist kleinerer UKW-Sender in Randregionen. Mehrere Hauptstationen, darunter Anlagen von acht zur CH-Media-Gruppe gehörende UKW-Sender, bleiben aber weiter empfangbar. Ein anderer Teil der Radiostationen schaltet gar keine UKW-Sender vorzeitig ab und wartet mit der Abschaltung bis Ende 2026.

Den Westschweizer Privatradios bereitet die Sache aber immer noch Sorgen: Philippe Zahno, der Präsident der Westschweizer Regionalradios (RRR), sagt dazu: «Wir bleiben bei unserer Position. Und die lautet, dass wir noch mehr Zeit brauchen, um uns auf die Abschaltung vorzubereiten.» Alle elf regionalen Privatradios in der Westschweiz stellten die UKW-Verbreitung voraussichtlich erst Ende 2026 ein.

Die französischen Radios hätten in der Westschweiz eine starke Präsenz, so Zahno. Es werde befürchtet, dass sie nach der UKW-Abschaltung noch mehr Schweizer Hörer gewinnen könnten, wenn diese den Schritt auf DAB+ nicht mitmachen wollten. Rund 10 Prozent der Westschweizerinnen und Westschweizer hörten bereits jetzt regelmässig Radiosender aus Frankreich.

Weniger DAB+ in Westschweizer Autoradios

Ein weiteres Problem seien die Autoradios: bei den in der Westschweiz zirkulierenden Autos betrage die DAB+-Quote per August 2024 nur 45 Prozent, im Vergleich zu 57 Prozent in der Deutschschweiz, erklärt Zahno und beruft sich dabei auf Zahlen, die im Rahmen einer Bakom-Studie erhoben wurden.

Das Bakom sagt zu beiden Einwänden, es könne schon sein, dass einige dieser Personen nach der UKW-Abschaltung auf ausländische Programme ausweichen würden. Die bisherige Erfahrung deute aber darauf hin, dass Radiohörer ihrem Lieblingssender im Allgemeinen sehr treu seien und dass die Mehrheit diesem auf einen digitalen Verbreitungsweg folgen werde.

Adapter können Abhilfe schaffen

Zumindest für das Autoproblem gibt es eine Lösung: Die meisten alten UKW-Autoradios verfügen über einen AUX/IN-Anschluss. Über diesen können die Radios in Selbstmontage mit einem Adapter ausgerüstet werden, mit dem man DAB+ empfangen kann. Auch für Stereoanlagen zuhause kann ein Adapter verwendet werden, sofern ein AUX/IN-Anschluss vorhanden ist. (sda/nil)


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KOMMENTARE

Oliver Bay
29.12.2024 14:10 Uhr
Die Abschaltung von UKW ist ein absolut schlechter Entscheid. Die Tonqualität von DAB+ ist miserabel im Vergleich zu UKW. Ich wohne in einem Neubau in der Stadt Bern und DAB+ funktioniert in meiner Wohnung nicht. Sollte es eine weitere Abstimmung zur Senkung der Serafe-Gebühren geben, werde ich zustimmen. Der SRG gehöhrt der Geldhahn zugedreht.
Valentin Kuster
24.12.2024 19:46 Uhr
Ich finde die Abschaltung ein unerhörter und völlig unnötiger Akt. Einer weiteren Abstimmung zur Radio-Abgaben Abschaffung werde ich aus Überzeugung zustimmen und dafür noch Werbung machen.
Raphael Weber
23.12.2024 19:05 Uhr
Man hätte auch einfach das 1. Programm pro Sprachregion ohne Regionalfenster bis 2026 auf UKW weiterlaufen lassen können. Wenn's ums Sparen ginge, die Firma Serafe bedient sich 18Mio pro Jahr, für etwas, dass identisch Kirchensteuer hätte geregelt werden können.
Beat Sieber
23.12.2024 12:27 Uhr
Die SRG spricht immer von service public, um die eigene Existenz zu rechtfertigen. Ist das service public, wenn man einfach meint, wenn nur noch 8 bis 10 % der Serafe-Zahler UKW hören, dass man dann einfach abschalten kann? Punkto DVB-T-Abschaltung vor 5 Jahren: Es haben laut dem, was ich gehört habe, viel mehr diesen Weg genutzt, um günstig SRG-TV zu sehen. Private haben ja nachher Swisscom-Sender angemietet, um SRG weiter auszustrahlen. Die von den Kleinradios auf DAB+ geforderte UKW-Abschaltung wird deren Ziele nicht erreichen. Vielmehr werden Broadcast-Hörer auf Stream umsteigen. Spätestens in 5 Jahren kommt die Stunde der Wahrheit. Ausserdem wird die Swisscom sicher die Nutzungskosten für deren Sendeanlagen massiv anheben, da nur noch DAB+ gesendet wird und nicht mehr genug hereinkommt. 2033 wird das Ende von DAB+ eingeläutet.
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