Das Personal von Radio Suisse Romande (RSR) droht mit Streik. Es fordert, dass ein Informatiker, der einen Fall von kinderpronografischen Bildern denunziert hat, wieder eingestellt wird. Die Anwesenden bei einer Personalversammlung vom Montag erklärten, dass die Wiedereinstellung des Informatikers als "einzig glaubwürdiges Zeichen" interpretiert werde, dass die Direktion den Willen habe, die Managementmethoden zu ändern.
Bei der Personalversammlung der Gewerkschaft SSM am Montag waren 165 von rund 600 Angestellten anwesend. Das Personal will am Mittwoch vor dem Radio-Gebäude in Lausanne demonstrieren. Die Personalversammlung stellt der Radiodirektion ein Ultimantum bis am Freitag 4. April um 17 Uhr. Sollte die Wiederanstellung des Informatiker bis dann nicht offiziell kommuniziert werden, wird am kommenden Montag erneut eine Personalversammlung organisiert mit dem Ziel, während der Woche Streikaktionen zu organisieren.
Das von dem Informatiker entdeckte Material, darunter 13 kinderpornografische Bilder, wird zurzeit vom Untersuchungsrichter gesichtet. Die Justiz klärt unter anderem ab, ob das Kadermitglied die Kinderporno-Bilder mit oder ohne Absicht gespeichert hat. Die Affäre war anfangs März aufgeflammt, als ein Informatiker, der die Bilder 2005 bei einem Kadermitglied entdeckt hatte, die Angelegenheit an die Öffentlichkeit trug, worauf sich der Untersuchungsrichter einschaltete. Der Informatiker wurde deshalb entlassen.
Der Mitarbeiter, der die Bilder aus dem Internet heruntergeladen hatte, war 2005 von der RSR-Direktion verwarnt worden. Zudem wurde ihm eine dreieinhalbjährige Probezeit auferlegt. Die RSR-Leitung stützte sich dabei auf die Meinung von Experten, die damals zum Schluss kamen, die Fotos seien "ein Grenzfall", aber strafrechtlich nicht relevant. Inzwischen bestreiten die Experten, eine seriöse Expertise abgeliefert zu haben. Sie fühlen sich von der RSR-Direktion in der Affäre instrumentalisiert, wie der Psychiater Gérard Salem dem "Le Matin Dimanche" sagte.
Nachdem sich der Untersuchungsrichter des Falls bemächtigt hatte und kinderpornografische Bilder sicherstellte, wurde das Kadermitglied von der RSR bis zum Abschluss des Verfahrens suspendiert.

