Wissenschaftler in den USA machen gegen den Research Works Act mobil, der die Gratis-Veröffentlichung von staatlich geförderten Forschungsergebnissen unterbinden soll. Der Gesetzesentwurf, der von führenden wissenschaftlichen Verlagen initiiert wurde, würde auch die veralteten Kostenstrukturen festzementieren. Tausende Akademiker protestieren gegen den Entwurf und verlangen, dass die US-Regierung mit den Verlagen bessere Konditionen verhandelt.
Die Verlage beziehen ihr Einkommen momentan aus zwei Quellen. Einerseits bezahlen Universitäten und Forschungseinrichtungen für die Publikationen, andererseits bezahlen Forscher -oft mit öffentlichen Geldern - die Verlage für die Veröffentlichung ihrer Ergebnisse. Ein Forschungsbetrieb ohne Publikationen ist nicht denkbar, weshalb die Einrichtungen den Verlagen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sind.
In den USA haben die Top Drei der wissenschaftlichen Verlage - Elsevier, Springer und Wiley - zwischen 2008 und 2010 trotz allgemeiner Krise ihre Umsätze und Gewinne auf das Rekordniveau von 5,3 beziehungsweise 1,9 Milliarden Dollar gesteigert. Durch den Research Works Act würden der US-Regierung, die den Verlagen gegenüber in vielen Bereichen praktisch als Nachfrage-Monopolist gegenübertreten kann, die Hände in Sachen Neuverhandlung der Preise gebunden. Viele Wissenschaftler verlangen deshalb von der US-Regierung nicht nur ein abschmettern des Gesetzesentwurfs, sondern eine grundsätzliche Neuverhandlung der Kosten für Publikationen.
Gleichzeitig haben über 5500 US-Akademiker einen Boykott gegen Elsevier, den grössten akademischen Verlag, unterzeichnet. Die staatliche Förderung der Wissenschaft hat sich erst nach dem Verlagswesen entwickelt. Heute gibt die US-Regierung allein auf den Gebieten Biologie und Medizin jährlich etwa 30 Milliarden Dollar für Forschungsförderung aus. Damit entstehen praktisch sämtliche Publikationen in diesen Disziplinen mit öffentlichen Geldern. (pte)

